Sammlungen

Neueste Internetressource: Global Social Responses to Covid-19 Web Archive

Seit dem 01.03.2021 ist das Global Social Responses to Covid-19 Web Archive online verfügbar. Diese Sammlung von Reaktionen auf die Covid-19-Pandemie ist ein Beitrag dazu, das Ausmaß der humanitären, sozioökonomischen und kulturellen Auswirkungen der Pandemie zu erfassen und zu archivieren. Im Fokus stehen dabei bewusst Maßnahmen und Handlungen nichtstaatlicher Akteure wie NGOs, Vereine und Kuturschaffende, die sich in ihrer jeweiligen Region für die Eindämmung der Pandemie engagieren. Eine weitere Zielsetzung des Projektes ist es dabei auch, möglichst viele regionale Perspektiven abzubilden. Das Webarchiv hat eine Aufzeichnung der Entwicklung der sozialen Auswirkungen von Covid-19 seit März 2020 erstellt. Zu den archivierten Internetseiten gehören u. a.:

  • Seiten, die von Nichtregierungsorganisationen veröffentlicht werden, die sich auf öffentliche Gesundheit, humanitäre Hilfe, Bildung usw. konzentrieren
  • Seiten, die von Künstlern in allen Bereichen der kulturellen Produktion veröffentlicht werden
  • Seiten, die von lokalen, regionalsprachlichen Nachrichtenquellen veröffentlicht werden
  • Seiten, die von anderen Akteuren und Vertretern der Zivilgesellschaft veröffentlicht werden
  • Blogs und Social-Media-Seiten

Das Projekt ist von der Ivy Plus Libraries Confederation, einem Zusammenschluss von 13 US-amerikanischen, wissenschaftlichen Bibliotheken, dem International Internet Preservation Consortium (IIPC) und der Library of Congress ins Leben gerufen worden. Um die für das Projekt notwendige regionale Expertise einzuholen, entstand schnell ein Projektteam, in dem sich auch andere Bibliotheken aus den USA und Deutschland engagieren. Die Staatsbibliothek zu Berlin konnte sich hier mit ihrer Expertise im Bereich Südostasien einbringen. Das fortlaufende Projekt zeigt, wie zur Unterstützung von Forschung und Wissenschaft eine kuratierte, thematische Sammlung von frei verfügbaren Webinhalten aufgebaut werden kann, deren Inhalte auf Dauer vor der Gefährdung durch die Schnelllebigkeit des Internets geschützt werden sollen.

Weitere Informationen zum Webarchiv

Illustration aus dem Ansei kenmonroku (安政見聞録, Signatur: 42586 ROA)

Zehn Jahre nach der Dreifachkatastrophe in Japan

Am 11. März 2021 jährt sich die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima im Nordosten Japans zum zehnten Mal. Die Staatsbibliothek zu Berlin erwirbt im Rahmen der Betreuung des Fachinformationsdienstes Asien laufend Titel zu diesem Themenkomplex für ihre Sammlung, um die Entwicklung und Aufarbeitung zu dokumentieren. In einem früheren Blogartikel wurde bereits die Vielzahl der in der Fachliteratur behandelten Sujets vorgestellt. Inzwischen sind sowohl die japanischsprachigen als auch die westlichsprachigen Titel der Sammlung gemeinsam im Stabikat nachgewiesen. Je nach Suchstichwort können Werke in der jeweiligen Sprache gefunden werden. Es empfehlen sich Einstiege mit Schlag- oder Stichworten wie beispielsweise 東日本大震災 (2011) [Großes Erdbeben von Ostjapan (2011)], 福島第一原発事故 (2011) [Reaktorunfall des Kraftwerks Fukushima I (2011)], 復興 [Wiederaufbau], 被災者支援 [Unterstützung Geschädigter], 放射線障害 [Strahlenschäden] oder „Japan“ in Kombination mit Begriffen wie „Erdbeben / Tsunami / Naturkatastrophe / Kernkraftwerk Fukushima / Reaktorunfall“ .

Sollten Sie Titel in der Sammlung vermissen, so teilen Sie uns gerne Ihre Anschaffungswünsche mit. Dafür stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Seit der Dreifachkatastrophe sind zahlreiche Webseiten entstanden, die sich in unterschiedlicher Art und Weise mit dem Themenkomplex befassen. Die folgende kleine Auswahl ist keine spezielle Leseempfehlung des CrossAsia-Teams, sondern versteht sich als ein Angebot an ggf. für die Forschung bzw. forschungsnahe Lehre relevanten Seiten; darüber hinaus wird ein Schlaglicht auf die Bandbreite der behandelten Themen, sowie auf mögliche Formen der Aufbereitung geworfen.

 

Big Data, Visualisierungen, interaktive Karten
Sehr aktiv im Hinblick auf neue mediale Präsentationen von Erinnerungskultur ist WATANAVE Hidenori (渡邉英徳), Professor an der Universität Tokyo an der Graduate School of Interdisciplinary Information Studies. Einen Überblick über seine bisherigen Projekte bietet die Webseite seines Studios.

Das aktuellste Projekt aus Anlass des zehnten Jahrestages ist eine Zusammenarbeit mit der Zeitung Iwate Nippô. Die Webseite „Wasurenai“ („We shall never forget“) umfasst drei Bereiche:

  • Basierend auf Interviews mit Hinterbliebenen wurden deren Wohnverhältnisse in den zehn Jahren seit der Katastrophe nach Art der Unterkunft und Anzahl der Umzüge auf einer Karte visualisiert.
  • Die Inhalte der Interviews wurden maschinell analysiert hinsichtlich Problemen und psychischer Folgen im Zusammenhang mit der Wohnsituation sowie das Ergebnis graphisch aufgearbeitet.
  • Die seit 2016 frei geschaltete interaktive Karte “We Shall Never Forget – Last Movements of Tsunami Disaster Victims” (忘れない:震災犠牲者の行動記録) wurde aktualisiert und, sofern die Zustimmung der Hinterbliebenen vorlag, mit den Namen der Opfer versehen. Die englische Einführung zur Webseite scheint auf der Version von 2016 zu beruhen.

In einem weiteren Visualisierungsprojekt von Prof. Watanave sind Tweets des Nachrichtendienstes Twitter aus den 24 Stunden nach dem Erbeben vom 11.03.2011, die über Geo-Tags verfügten, auf einer Japankarte verortet (東日本大震災ツイートマッピング). Sowohl die Texte der Tweets als auch die Standorte können durchsucht werden.

Die als Verein eingetragene Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) hat eine Ausstellung in Form einer interaktiven Weltkarte erstellt, welche die Folgen der Nuklearwirtschaft für Mensch und Umwelt aufzeigt. Dort ist die Reaktorkatastrophe von Fukushima nur einer von vielen Orten auf dem Globus.

 

Filmische Aufarbeitungen
Die NPO UniJapan betreibt gemeinsam mit der Japan Foundation die „Japanese Film Database“ (日本映画データベース), in der aktuell rund 6100 japanische Filme auf Japanisch und Englisch beschrieben werden. Da die Suche nicht nur Titelstichworte oder beteiligte Personen, sondern ebenso die Kurzbeschreibungen der Filme umfasst, lassen sich mit den einschlägigen Stichworten wie 東日本大震災,  „Fukushima“, „radioactivity“ oder „nuclear“  sehr einfach relevante Filme finden.

Relativ ergiebig ist ebenfalls eine Recherche in der Datenbank „allcinema“, der Firma Stingray, in der neben Filmen auch TV-Serien verzeichnet sind und die sich selbst als größte Film-Datenbank Japans bezeichnet. Die Webseite liegt nur auf Japanisch vor.

Die Anzahl an japanischen Filmen, die es in deutsche Kinos schaffen, ist begrenzt; insofern spielen Filmfestivals eine wichtige Rolle. In Deutschland stehen sowohl beim Japan-Filmfest Hamburg als auch beim Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt am Main der japanische Film im Mittelpunkt. Die Webseiten der beiden Festivals verfügen über Archive, auf denen man nach den dort gezeigten Filmen zur Dreifachkatastrophe suchen kann.

Eine Recherche im Archiv der Berlinale fördert ebenfalls eine Reihe von Filmen zutage, welche die Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima künstlerisch aufarbeiten oder im Film dokumentieren.

Das International Uranium Film Festival wurde 2010 in Rio de Janeiro gegründet und hat sich der Aufklärung über die Gefahren der Atomkraft verschrieben. In diesem Jahr stehen ab dem 11. März für sieben Tage zwei Filme online, die sich ebenfalls mit den Geschehnissen im Kernkraftwerk Fukushima auseinandersetzen:

  • Fukushima no Daimyo“, Italien, 2014, Regisseur: Alessandro Tesei, Dokumentation, 20 Minuten, Japanisch mit Untertiteln auf Portugiesisch oder Englisch
  • „Ranga Yogeshwar in Fukushima – Japans Kampf gegen die Radioaktivität“, Deutschland, 2014, Regisseure: Reinhart  Brüning, Ranga Yogeshwar, Thomas Hallet, Wolfgang Lemme, Dokumentation, 43 Minuten, deutsche Originalfassung oder Englisch mit portugiesischen Untertiteln

 

Forschungsprojekte in Deutschland
Direkt im Anschluss an die Katastrophe gründete sich im April 2011 die „Textinitiative Fukushima“, an der sich die kulturwissenschaftlich orientierten Japanologien an den Universitäten in Frankfurt, Leipzig und Zürich beteiligen. Die Initiative hat sich die Aufgabe gestellt, Texte unterschiedlicher japanischer Akteur:innen ins Deutsche zu übersetzen und zu kommentieren. Das Ziel ist es, den Diskurs um Fukushima sowie im weiteren Sinne die japanische Atomdebatte kritisch zu beleuchten.

Gemeinschaftlich wird derzeit das DFG-Projekt „Die gespaltene Gesellschaft: Diskursive Konstitution Japans zwischen Atombombe (genbaku) und Atomkraftwerk (genpatsu)“ bearbeitet. Das von der Japanologie der Universität Köln bearbeitete Teilprojekt setzt sich mit literarischen Bearbeitungen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki (genbaku bungaku) auseinander, während die Japanologie der Universität Leipzig sich mit visuellen Darstellungen der zivil genutzten Atomkraft beschäftigt.

 

Angebote der National Diet Library (NDL) in Tokyo
Mit „Hinagiku“ (Hybrid Infrastructure for National Archive of the Great East Japan Earthquake and Innovative Knowledge Utilization, aber auch jap. für „Gänseblümchen” als Symbol der Hoffnung, Zukunft, Sympathie) hat die NDL ein Metasuchportal geschaffen, über welches die Bestände mit Bezug zur Dreifachkatastrophe in zahlreichen Archive, Bibliotheken und anderen Einrichtungen in Japan gleichzeitig recherchiert werden können. Die Bandbreite der Nachweise umfasst neben gedruckten Werken auch Fotos, Webseiten sowie Audio- und Filmmaterial. Die Liste der beteiligten Institutionen kann eingesehen werden.

In ihrem „Current Awareness Portal“ berichtet die NDL laufend Neuigkeiten aus der Welt japanischer Bibliotheken, Archive und anderer Informationseinrichtungen wie neue Portale, Ausstellungen oder Datenbankangebote. Aus aktuellem Anlass wurde eine Unterseite für das Thema „Erdbebenkatastrophe“ (震災) eingerichtet, welche einen sehr übersichtlichen Einstieg zu einschlägigen Mitteilungen bietet. Über die Liste lassen sich leicht weitere relevante Webseiten ermitteln. Natürlich kann das Current Awareness Portal ebenso nach anderen Themen durchsucht werden.

„Research Navi“ (リサーチ・ナビ) ist das Auskunftstool der NDL. Es bietet Rechercheanleitungen, Literaturlisten und Übersichten zu nützlichen Nachschlagewerken oder einschlägigen Webseiten für alle nur denkbaren Themen. Die Suche nach dem Stichwort „Große Erdbebenkatastrophe von Ostjapan“ (東日本大震災) ergibt zahlreiche Treffer, darunter zum Beispiel eine Literaturliste mit Fotobildbänden der Präfektur Miyagi (宮城県の写真集), die das Ausmaß des Unglücks dokumentieren oder eine Linksammlung mit juristischen Informationen mit Bezug zur Dreifachkatastrophe (東日本大震災関連の法情報リンク集).

In der „Collaborative Reference Database“ (レファレンス共同データベース) werden die Antworten auf Auskunftsanfragen, die von allgemeinem Interessen sein könnten, aus Bibliotheken in ganz Japan öffentlich einsehbar gemacht. So wurde beispielsweise Auskunft bei der Präfekturbibliothek Iwate darüber erbeten, wie Informationen bzgl. der in der Präfektur Iwate errichteten Behelfsunterkünfte zu finden seien. Neben der eigentlichen Antwort werden der Rechercheweg und die verwendeten Auskunftsmittel, wie Datenbanken oder Lexika aufgelistet. Die „Collaborative Reference Database“ kann mit Stichworten durchsucht werden. Zusätzlich gibt es eine sehr umfangreiche Unterseite für den Bereich „Erdbeben, Katastrophen“.

 

Materialien zu historischen Katastrophen
In der Edo-Zeit wurden Neuigkeiten und darunter auch Naturkatastrophen häufig über eilig gedruckte Flugblätter, so genannte kawaraban (瓦版) verbreitet. Ein weiteres Druckerzeugnis, das eng mit der Erdbebenthematik verbunden ist, ist das Genre der namazue (鯰絵). Es handelt sich dabei um Farbholzschnitte mit Darstellungen eines mythischen Riesenwelses (ônamazu 大鯰), der als Verursacher von Erdbeben angesehen wurde. Ihren Beginn nahmen die namazue mit dem Ansei-Edo-Erdbeben von 1855.

In seinem digitalen Handbuch „Religion in Japan“ stellt Bernhard Scheid (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens) ausführlich typische Motive der namazue sowie deren mythologischen Hintergrund dar. Die Seite ist nicht nur höchst informativ, sondern auch sehr anschaulich gestaltet. Weiterführende Links und Literaturhinweise laden ein, sich weiter in das Thema zu vertiefen.

Die Bibliothek der Universität Tokyo beherbergt eine Sammlung von kawaraban, namazue, Zeitungsbeilagen etc., die aus Anlass von Erdbeben im 19. Jahrhundert gedruckt worden waren. Diese so genannte Ishimoto-Sammlung aus dem Besitz des zweiten Direktors des Erdbeben-Forschungsinstituts der Universität Tokyo, ISHIMOTO Mishio (1893-1940) wird auf einer Webseite in sehr nutzerfreundlicher Weise präsentiert. Es kann nicht nur nach unterschiedlichen Aspekten gesucht werden, sondern das komplette Datenset ist im IIIF-Standard via GitHub erhältlich. Der Ausstellungskatalog „Kawaraban, namazue ni miru Edo, Meiji no saigai jôhô : Ishimoto korekushon kara ( かわら版・鯰絵にみる江戸・明治の災害情報 : 石本コレクションから) aus dem Jahr 2008 zur Ishimoto-Sammlung ist darüber hinaus im Open Access zugänglich.

Im Besitz des Nichibunken (International Research Center for Japanese Studies) in Kyoto befindet sich eine Sammlung von 87 namazue, welche digital präsentiert, aber leider nicht durchsuchbar sind. Die Bildbezeichnungen beruhen auf dem Gesamtverzeichnis von namazue (鯰絵総目録) in „Namazue : shinsai to nihon bunka“ [Namazue : Erdbebenkatastrophen und die Kultur Japans] herausgegeben von MIYATA Noboru und TAKADA Mamoru (Tôkyô : Ribun Shuppan, 1995; 鯰絵 : 震災と日本文化 / 宮田登, 高田衛監修. 東京 : 里文出版, 1995). Das Werk befindet sich auch in der Sammlung der Staatsbibliothek (Signatur: 4“ 963106).

Eine Expertengruppe des zentralen Katastrophenschutz-Komitees (中央防災会議), die sich mit Lehren aus früheren Desastern beschäftigt, hat sich in ihrem Bericht aus dem Jahr 2004 intensiv mit dem Ansei-Edo-Erdbeben von 1855 auseinandergesetzt. Der Bericht ist auf der Webseite für „Disaster Management in Japan“ des japanischen Kabinettbüros im Open Access zugänglich: 1855 Ansei Edo jishin hôkokusho. [Tôkyô]  : Chûô Bôsai Gikai, Saigai Kyôkun no Keijô ni kansuru Senmon Chôsakai, 2004 (1855安政江戸地震報告書. [東京] : 中央防災会議, 災害教訓の継承に関する専門調査会, 2004). Kapitel 3 des Berichts bietet ausführliche Erläuterungen zu namazue aus dem Besitz unterschiedlicher Archive und Bibliotheken.

Jahre vor der Dreifachkatastrophe hat sich das japanische Nationalarchiv (国立公文書館) in seiner Frühjahrsausstellung 2003 mit dem Titel „Tenka taihen“ (天下大変 [Die Welt im Schrecken]) Naturkatastrophen in der Edo-Zeit wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Überflutungen und Seuchen gewidmet. Die Ausstellung ist digital weiterhin verfügbar und gibt einen sehr anschaulichen Überblick über vormoderne Werke zu den einzelnen Ereignissen.

 

Über das Headerbild
In den digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek findet sich das Werk „Ansei kenmonroku“ (安政見聞録, 1856, Signatur: 42586 ROA), aus dem das Headerbild zu diesem Blogbeitrag stammt. Es behandelt das große Ansei-Edo-Erdbeben von 1855. Mit höchst eindrücklichen Illustrationen sowie Schilderungen persönlicher Erlebnisse, die teilweise einen moralisch-lehrhaften Charakter haben, soll für die Leserschaft ein möglichst unmittelbares Bild der Geschehnisse gezeichnet werden.

Neues Themenportal zur mongolischen Sammlung an der Staatsbibliothek online

Die mongolische Sammlung an der Staatsbibliothek zu Berlin ist eine der größten und bedeutendsten weltweit auf diesem Gebiet. Die Objekte decken einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren ab und umfassen Medien verschiedener mongolischer Dialekte. Die moderne Sammlung setzt sich vor allem aus Erwerbungen in der Mongolei und der Autonomen Region Innere Mongolei zusammen. Dadurch sind sowohl Medien in kyrillischer als auch mongolischer Schrift zu finden. Derzeit hat sie einem Umfang von mehr als 21.500 Medien. Darüber hinaus lassen sich zahlreiche mongolische Handschriften und Blockdrucke sowie Landkarten finden. Einige Forscher und ihre Sammlungen werden ebenfalls vorgestellt.

Das nun veröffentlichte CrossAsia-Themenportal stellt die Sammlung insgesamt sowie schlaglichtartig einige bedeutende Teilbereiche mit vormodernen Inhalten vor und soll zugleich zum Stöbern in unseren Beständen einladen.

Bereitstellung der Datenbank „Digital Tibetan Archives Bonn“ (DTAB)

Wir freuen uns, die Datenbank „Digital Tibetan Archives Bonn“ (DTAB) via CrossAsia wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. In Absprache mit Prof. Dr. Schwieger übernimmt CrossAsia die Bereitstellung der Datenbank für Forschung und die allgemeine Öffentlichkeit. Sie ist ab sofort frei zugänglich im CrossAsia LAB zu finden.

Sie stellt eine wichtige Quelle für tibetische Verwaltungsdokumente dar. Neben Digitalisaten aus unserer eigenen Sammlung werden auch weitere Sammlungen kontextualisiert. Es handelt sich um Objekte aus Archiven aus Lhasa und Dharamsala sowie aus vier Privatsammlungen von u.a. Andre Alexander und Kurt H. Dahnke. Die Objekte aus dem Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin wurden von Hanna Schneider im Rahmen des Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland (Bände 11,1611,17) beschrieben.

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Neues Themenportal online: Die südostasiatische Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin

Die südostasiatische Sammlung der Berliner Staatsbibliothek ist mit weit über 100 000 Bänden die umfangreichste Sammlung dieser Art in Deutschland und gehört zu den bedeutenden Südostasien-Sammlungen weltweit. Die Sammlung umfasst Publikationen aus und über die 11 Länder Myanmar (Burma), Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Singapur, Indonesien, Brunei, Osttimor und die Philippinen.

In dem nun veröffentlichten CrossAsia-Themenportal wird die Sammlung der Staatsbibliothek vorgestellt. Neben einem allgemeinen Überblick und der Vorstellung von besonderen Stücken der Sammlung bietet das Themenportal auch Zugang zu ersten Sucheinstiegen und lädt die Leserschaft dazu ein, auf eigene Faust die Bestände zu erkunden, die neben originalsprachiger Literatur südostasiatischer Länder auch zahlreiche Publikationen in westlichen Sprachen bieten.

Schenkung tibetischer Faksimiles

Seit einigen Monaten beherbergt die Ostasienabteilung in der Staatsbibliothek Berlin eine Schenkung des sMan-rtsis-khang in Lhasa. Es handelt sich dabei um eine von Herrn Dr. Balk und Frau Dr. Sabernig arrangierte Schenkung einer 130-bändigen Sammlung faksimilierter tibetischer Texte.

Die Medien können zur Nutzung im Lesesaal bereitgestellt werden und lassen sich unter dem Reihentitel Gangs-ljongs sman-rtsis rig-mdzod chen-mo (གངས་ལྗོངས་སྨན་རྩིས་རིག་མཛོད་ཆེན་མོ་) finden.

Die 130 Bände sind aufwendig gestaltet und wurden zur Feier des 100-jährigen Bestehens des sMan-rtsis-khang in seiner heutigen Form 2016 herausgegeben.

Die Vorbereitung dieser Publikation erstreckte sich über mehrere Jahre. Bereits 2006 wurde unter der Leitung des Direktors des sMan-rtsis-khang, Herrn Yum-pa, mit der Sammlung medizinischer und astrologischer Texte in ganz Tibet begonnen. Dazu wurden neben der Bibliothek des Potala-Palasts auch Reisen in abgelegene Regionen unternommen und vor Ort tibetische Mediziner und Mönche konsultiert. Dadurch konnten 700 medizinische und 300 astronomische Texte gesammelt werden. Aus diesem Fundus wurde anhand verschiedener Kriterien eine Kollektion von 130 Texten ausgewählt. Wichtige Kriterien waren u.a. die Relevanz für die Forschung, ob der Text bereits an anderer Stelle publiziert ist, die Lesbarkeit der Schrift, deren Erhaltungszustand und Vollständigkeit, sowie diverse weitere Faktoren.

Die Sammlung beinhaltet Texte zur tibetischen Medizin, der Astronomie / Astrologie sowie eine literarische Sammlung. Die 83 Texte zur tibetischen Medizin gliedern sich in Abhandlungen über die Geschichte der Medizin, Grundlagentheorie, klinische Medizin und Pharmakologie. Die astrologischen Texte beschäftigen sich mit Themen wie Astronomie, Kalenderwesen, Kosmologie, Planeten und Orakelwesen. Jedem Band ist eine Einleitung vorangestellt, der eine Inhaltsbeschreibung sowie weitere Merkmale des Texts, wie die Entstehungszeit, entnommen werden können.

Blick in einen der Bände des Gangs-ljongs sman-rtsis rig-mdzod chen-mo གངས་ལྗོངས་སྨན་རྩིས་རིག་མཛོད་ཆེན་མོ་ (Staatsbibliothek zu Berlin-PK/Antje Ziemer, CC NC-BY-SA)

Besuch des thailändischen Botschafters

Am 15. Februar 2018 besuchten der thailändische Botschafter, SE Dr. Dhiravat Bhumichitr, und Dr. Manusavee Monsakul, Botschaftsrätin für Politik, Bildung und Kultur, die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Der Botschafter übergab der Bibliothek 39 Bücher aus Thailand, 28 davon in Thailändisch. Es handelt sich hauptsächlich um Bücher bekannter thailändischer Autoren, deren Werke den Southeast Asian Writers Award, ein wichtiger Literaturpreis in Südostasien, gewonnen haben, wie z.B. Khropkhrua klang thanon (Familie auf der Straße) von Sila Khomchai, Phǣndin ʻư̄n (Ein anderes Land) von Kanokphong Songsomphan oder Rao long lư̄m ʻarai bāng yāng (Wir vergessen etwas) von Watchara Satchasarasin. Diese Bücher stellen eine wertvolle Ergänzung des Thailand-Bestandes der Staatsbibliothek dar, der mit ca. 15 000 Bänden (davon ca. 5000 in Thailändisch) den umfangreichsten in Deutschland bildet.

Herr Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung, und Frau Dr. Claudia Götze-Sam, Fachreferentin für Südostasien, informierten Herrn Dhiravat Bhumichitr und Frau Manusavee Monsakul über die thailändischen Bestände zu denen auch ca. 300 Handschriften aus Thailand gehören. Im Gespräch interessierten sich die Gäste besonders für die Bearbeitung und Präsentation der thailändischen Literatur in der Staatsbibliothek. Eine zukünftige Zusammenarbeit wurde erörtert. Beeindruckt waren die Gäste von den 10 thailändischen Handschriften, zumeist Faltbücher mit astrologischem Inhalt, die anlässlich des Besuchs gezeigt wurden. Ein Gang durch das Haus an der Potsdamer Straße beendete das Treffen.

 

Zwei neue Themenportale in CrossAsia

Kürzlich haben wir zwei neue Themenportale auf unseren CrossAsia Seiten online gestellt. Damit gibt es hier mittlerweile sechs solcher Portale. Das Format Themenportal beabsichtigt, Ihnen besondere Sammlungen innerhalb unserer Bestände näher zu bringen und über die jeweiligen Recherchewege zu diesen bzw. die Nutzungsmöglichkeiten derselben zu informieren. Die beiden jüngsten sind nun:

Chinese Medical Manuscripts. The Unschuld Collection at the Berlin State Library, in dem die im Jahr 2012 von der Staatsbibliothek Berlin erworbene und im Jahr 2016 um weitere Stücke ergänzte Sammlung medizinischer Handschriften, die Sammlung Unschuld, beschrieben wird. Die Sammlung umfasst 977 Handschriften zu medizinischen Themen, die über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten durch den renommierten Medizinhistoriker Prof. Paul U. Unschuld zusammengetragen wurden. Als Experte für die Geschichte chinesischer Medizin und Pharmakologie sammelte Unschuld bereits früh die häufig übersehenen Manuskripte, die nicht in Antiquariaten oder Buchläden, sondern auf Straßenflohmärkten angeboten wurden. Seine Sammlung erlaubt einen einzigartigen Einblick in die Praxis chinesischer Heiler, Ärzte, Apotheker und Laien. Nahezu 400 Titel wurden digitalisiert und können in den Digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek eingesehen werden.

sowie

Chagatai Manuscripts (The Hartmann Collection) , das die Sammlung tschagataischer Handschriften in der Staatsbibliothek vorstellt. Mit 191 Dokumenten ist sie eine der größten und wichtigsten in Europa. 131 von ihnen gehören zur Sammlung Hartmann, die zwischen 1902 und 1904 vom ersten modernen Islamwissenschaftler Deutschlands, Martin Hartmann (1851-1918), im damaligen Turkistan (dem heutigen Xinjiang) erworben und 1905 von der Staatsbibliothek angekauft wurde. Neben Texten zu literarischen, religiösen, geschichtlichen und hagiographischen Themen befinden sich darunter auch neun Risāles: Verhaltensregeln für einzelne soziale Gruppen, die einen detaillierten Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen Zentralasiens im 19. Jahrhundert ermöglichen. Insgesamt 27 Handschriften aus der Sammlung Hartmann sind bis jetzt digitalisiert und können über die Datenbank Orient Digital erkundet werden.

Vier weitere Themenportale (Reisen im Südwesten Chinas, 1899-1917. Der Nachlass Fritz und Hedwig Weiss – in Memoriam Tamara Wyss, eine Online-Ausstellung mit Fotografien aus dem Nachlass der Eheleute Fritz und Hedwig Weiss, Odisha Bibliographie, eine Bibliographie mit einem gezielten, themenfokussierten Nachweis von Forschungsliteratur über die Geschichte, Kultur, Religion und Politik des indischen Bundesstaates Odisha/Orissa, Naval Kishore Press, eine Sammlung ausgewählter digitalisierter, editierbarer Volltextversionen in Devanāgarī und Transliteration von Hindi- und Sanskrit-Werken der NKP Sammlung sowie Japans Studierende in Deutschland, ein Online-Lexikon mit Informationen zu 2.700 japanischen Studierenden, die nach der Öffnung Japans im Zuge der Modernisierung  zu Studienzwecken nach Deutschland gekommen sind) finden Sie hier. Weitere Themenportale sind im Entstehen bzw. in Planung und folgen in Kürze.

 

500 Bücher in Myanmar

Die Staatsbibliothek erhielt 2013 eine Schenkung von mehr als 500 Büchern in burmesischer Sprache. Die Bücher stammen aus der umfangreichen Sammlung der Burmanistin Dr. Annemarie Esche, die durch zahlreiche Publikationen über die burmesische Sprache, Kultur und Literatur bekannt wurde, wie z.B. Der Markt von Pagan (Verlag Volk und Welt, Berlin, 1968), Märchen der Völker Burmas (Insel-Verlag, Leipzig, 1976) oder Die goldene Pagode (Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar, 1985). Sie ist ebenfalls Autorin der einzigen Wörterbücher der Sprachenkombination Burmesisch (Myanmar) – Deutsch: Wörterbuch Burmesisch-Deutsch, Verlag Enzyklopädie, Leipzig, 1976 sowie Wörterbuch Deutsch – Myanma (Helmut Buske Verlag, Hamburg, 2011). Letzteres hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Otto Esche herausgegeben, auf den sie ihre Begeisterung für die burmesische Sprache übertragen konnte.
Das Interesse an Burma begann für beide bereits Anfang der 1960er Jahre, als Annemarie Esche das Deutsche Institut in Rangun leitete und Otto Esche als Diplomat der DDR an der dortigen Botschaft tätig war. Annemarie Esche erlernte die burmesische Sprache, begann Literatur zu übersetzen und nach ihrer Rückkehr unterrichtete sie an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Ab 1979 lehrte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin und leitete dort bis zu ihrer Pensionierung 1986 das Fachgebiet Burmanistik. Auch danach arbeitete sie mit viel Enthusiasmus an ihrem opus magnum, dem tausendseitigen Wörterbuch Deutsch-Myanma, weiter. Aufgrund Annemarie Esches zahlreicher Aufenthalte in Burma – die in Zeiten begannen, als nur sehr wenige Menschen nach Burma reisten und der Kauf burmesischer Bücher für Bibliotheken schwierig war (was teilweise immer noch zutrifft) – können wir uns heute äußerst glücklich schätzen, diese umfangreiche Sammlung aus vier Jahrzehnten in unserem Bestand zu haben.

Die Sammlung umfasst burmesischsprachige Bücher hauptsächlich aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Belletristik, Lyrik, Geschichte, Politik, Buddhismus, Kunst, Architektur, Ethnologie, Bildungswesen sowie Sprachwissenschaft und Grammatik. Sie ergänzt die bereits bestehende Sammlung burmesischer Literatur hervorragend.

Unter den Büchern befinden sich zahlreiche Biografien bekannter Persönlichkeiten wie die des Schriftstellers Shwe U Daung (1889-1973; Lebensbericht und Ansichten von Shwe U Daung – ဆရာကြီးရွှေဥဒေါင်း၏ တသက်တာမှတ်တမ်း နှင့် အတွေးအခေါ်, Abb. 1), des Malers Ba Nyan (1897-1945; Leben und Werk von U Ba Nyan – ဦးဘဉာဏ်၏ဘဝနှင့် သူ့လက်ရာ, Abb. 2), des Oberbefehlshabers der burmesischen Streitkräfte im ersten Anglo-Burmesischen Krieg Maha Bandula (1782-1882) (Bandulaဗန္ဓုလ, Abb. 3) sowie des burmesischen Pali- und Buddhismus-Gelehrten U Pe Maung Tin (1888-1973; Pe Maung Tin bzw. Vater Langlebig – ဖေမောင်တင် သို့မဟုတ် ဘသက်ရှည်). Aber auch Erinnerungen verschiedener Burmesen an einzelne Abschnitte ihres Lebens gehören dazu wie der Bericht eines unbedeutenden Soldaten – အညတရစစ်သည်တစ်ဦး၏မှတ်တမ်း (Abb. 4) von Khin Maung Nyo über seine Erlebnisse in der Armee seit der Gründung der Burma Independence Army 1942.

Abb. 1: Biografie des Schriftstellers Shwe U Daung (1961)

Portrait des Malers Ba Nyan

Abb 2: Portrait des Malers Ba Nyan aus der Biografie Leben und Werk von U Ba Nyan  von Min Naing (1974)

Abb. 3: Maha Bandula, Bild aus der Biografie Bandula von Thein Maung (1948)

Abb. 4: Bericht eines unbedeutenden
Soldaten von Khin Maung Nyo (1969)

 

 

Eine große Anzahl von Romanen gibt Einblicke in die verschiedenen Lebenswelten der Burmesen. So lernt der Leser in dem Roman Land unter dem Himmel (မိုးအောက်မြေပြင်, 1962, Abb. 5) von Min Aung den bäuerlichen Alltag kennen. Die Lebenswege verschiedener Frauen kann der Leser in dem Roman Kathit-Blüte – ကသစ်ပန်း (1963?) von Khin Hnin Yu verfolgen. U Hla (Fremde Lebenswege – မနီးတဲ့ဘဝခ ရီး, 1971) und Maung Thara Wer lockt uns die Katze heraus? (ကြောင်ကို ဘယ်သူ ခြူဆွဲပေးမလဲ, 1977) verarbeiten in ihren Romanen eigene Erfahrungen in burmesischen Gefängnissen in den 1950er Jahren. Etliche Romane spielen vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitskampfes wie z.B. Viele Tage (နေ့ပေါင်းများစွာ, 1972) von Soe Naing oder Unsere Kameraden von einst (တခါတုန်းက ဒို့ရဲဘော်, 1963) von Min Shin oder anderer historischer Ereignisse wie beispielsweise dem Saya San-Aufstand 1930-1932 (Vater Zone und Madin, 1977, von Yan Aung, Abb. 6). Auch die Liebe ist ein zentrales Thema in burmesischen Romanen. So beschreibt Yan Aung in Der Junge aus Obermyanmar (အညာစားကလေး, 1962, Abb. 7) wie sich ein armer Waisenjunge und die Tochter eines hohen Beamten ineinander verlieben, diese Liebe jedoch erst nach vielen Jahren, in denen sich der junge Mann eine Existenz aufgebaut und den sozialen Aufstieg geschafft hat, in Erfüllung geht. Auf eine wahre Begebenheit geht der Roman Ein Ehepaar – 34 Jahre (သူတို့လင်မယား – ၃၄ နှစ်, 1977, Abb. 8) von Thein Pe Myint zurück, in dem geschildert wird, wie Alkohol eine Ehe zerstört.

Abb. 5: Land unter dem Himmel von Min Aung (1962)

Abb. 6: Vater Zone und Madin von Yan Aung (1977)

 

Abb. 7: Der Junge aus Obermyanmar
von Yan Aung (1962)

Abb. 8: Ein Ehepaar – 34 Jahre von Thein Pe Myint (1977)

 

Die burmesische Literatur ist reich an Kurzgeschichten, die häufig zuerst in Zeitschriften abgedruckt wurden. In der Esche-Sammlung befinden sich Kurzgeschichten u.a. folgender Autoren: Thawdar Swe, Ponnya, Mya Than Tint, Jeyya, Maung Hsway Tint, Min Lu, San San Nwe, Chit Oo Nyo, Mya Than Tint, Min Kyaw, Mann Tin, Nu Yin, Min Shin, Thein Lwin, Tekkatho Mya Sein, Ne Win, Yangon Ba Swe, Maung Htin.

Neben allgemeinen Darstellungen der Geschichte dokumentieren etliche Publikationen die politischen Ereignisse der 1960er und 1970er Jahre wie zum Beispiel der Bericht über die Innere Eintracht an den Revolutionären Rat der Union von Myanmar am 31. Mai 1969 (ပြည်ထောင်စုမြန်မာနိုင်ငံ တော်လှန်ရေးကောင်စီသို့ တင်သွင်းသော ပြည်ထောင်စုမြန်မာနိုင်ငံ ပြည်တွင်းညီညွတ်ရေးအကြံပေးအဖွဲ့၏ အစီရင်ခံစာ) und der Bericht des Zentralen Exekutivkomitees auf der 5. Jahrestagung des Zentralen Arbeiterrates am 24. April 1970 (ဗဟိုပြည်သူ့အလုပ်သ မားကောင်စီ ပဉ္စမအကြိမ်(နှစ်ပတ်လည်)အစည်အဝေး ဗဟိုအလုပ်အမှုဆောင်ကော် မတီ၏အစီရင်ခံစာ).

Alle Bücher sind in dem allgemeinen Katalog der Staatsbibliothek (www.stabikat.de) recherchierbar und wurden in burmesischer Schrift und in Transkription katalogisiert. Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Burmanistin Dr. Uta Gärtner, die uns maßgeblich in ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Einarbeitung der Sammlung unterstützt hat. Während im Stabikat die Titel bisher nur in Umschrift sichtbar sind, ist im Katalog des Fachinformationsdienstes Asien – CrossAsia die Darstellung auch in burmesischer Schrift möglich.

Ein Beispiel für eine Suchanfrage im Stabikat und im CrossAsia-Katalog

 

 

Handschriftliche Widmungen in zahlreichen Büchern zeugen von den umfangreichen persönlichen Kontakten Annemarie Esches und der Verehrung, die ihr viele Burmesen entgegenbrachten.

„Der hochverehrten Literaturwissenschaftlerin Dr. Annemarie Esche zur Erinnerung“,
Htilar Sitthu, 27.9.78

 

 

Für Sayamagyi (Lehrerin)
Dr. Annemarie Esche

In unvergänglicher Zuneigung

gez. 10.2.78

Maung Than Win (Hlain)

 

 

 

 

 

 

 

Immer wieder tragen Bücher die Widmung für „Daw Hninzi“ oder „Ma Hninzi“. „Hninzi“ ist der burmesische Name von Annemarie Esche und bedeutet „Rose“ (Daw / Ma Hninzi – Frau Rose).

 

Für Sayama (Lehrerin) Daw Hninzi,
Herzlichst Soe Naing, 5.11.75

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Ma Hninzi, Geschenk des Autors
Lin Yone, 11.10.78

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da Wörterbucharbeit umfassende Wortschatzkenntnisse voraussetzt, haben Esches Bücher aus ganz unterschiedlichen Bereichen erworben, so beispielsweise auch über das Pressewesen, Bergbau, diverse landwirtschaftliche Themen, Gesundheit, Ernährung, Heilpflanzen, Astrologie. Es gibt eine Einführung in Platos Werke, einen Ratgeber für geplante Elternschaft sowie Berichte über Auslandsreisen von Burmesen nach Japan, Frankreich, in die damalige Sowjetunion und in die DDR.

 

Alle Neuerwerbungen zu Burma/ Myanmar sind unter folgendem Link abrufbar:
http://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/abteilungen/orient/recherche-und-ressourcen/druckschriften/neuerwerbungen/laender-und-regionen/

 

Zur Darstellung der burmesischen Schrift wird der Font Myanmar 3 empfohlen.

 

Wiedererwerbung der Druckausgabe der Dayak-Bibel von 1858

Im Februar 2017 konnte die Staatsbibliothek einen Kriegsverlust ersetzen, der auch in anderer Hinsicht den Bestand der Bibliothek bereichert.

Alles begann 1840 mit der Reise von August Hardeland zu der bis dahin nur wenig erschlossenen „Ausseninsel“ Borneo, genauer zu den indigenen Stämmen der Ngaju-Dayak in Zentral-/Süd-Borneo. Niederländisch-Indien konzentrierte sich zu dieser Zeit hauptsächlich auf die Insel Java, und erst langsam wurden weitere Inseln des Archipels dem Kolonialreich einverleibt.

Der in Kirchenkreisen nicht unumstrittene Hardeland (s. „Hardelandkonflikt“) war für die Rheinische Mission als Missionar tätig. Einem neuen Ansatz seiner Missionsgesellschaft folgend, sollte er sich auf Borneo u.a. um die Ausbildung von „Nationalgehülfen“, also von einheimischen Hilfslehrern, kümmern. Zusammen mit Friedrich Becker fertigte er eine Übersetzung des Neuen Testaments in die dortige Lokalsprache an, und nach Beckers Tod im Jahre 1849 im Alleingang eine Übersetzung des Alten Testaments (Surat brasi Djandji idjä solake). Da die Ngaju-Dayak keine Schrift hatten, benutzte Hardeland das lateinische Alphabet. Er fertigte auf die Drucklegung ausgerichtete, eigenhändige Manuskripte an. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde anhand dieser Vorlage eine Druckfassung des Alten und Neuen Testaments 1858 in Amsterdam besorgt. Ein Jahr später reiste Hardeland erneut als Missionar nach Südafrika – und nahm dabei seine Manuskripte mit, wie man dem Autograph entnehmen kann:

Auf dem Schmutzblatt der Handschrift ist folgender Vermerk eingeklebt: „Het eigenhandig Handschrift van Aug. Hardeland. Zijne vertaling van het Oude testament in de taal der Dajaks van Zuid-Borneo. Bij zijn vertrek van Z.O. Afrika ten geschenk gegeven aan Millies“.

Auf Seite 1 dann folgender Eintrag: „This translation was given by Hardeland to Prof. Millies, and in 1858 was printed at Amsterdam. From Prof. Millies … , Utrecht. May 1870…Brugge“.

Dieser 309seitige Autograph des Alten Testaments fand seinen Weg in die Bestände der Staatsbibliothek und wird unter der Signatur Ms. or. fol. 4319 im Handschriftenmagazin der Orientabteilung aufbewahrt.

Besitzt eine Bibliothek einen solchen Autograph, der auch noch als Basis zur Drucklegung diente, so ist es nur verständlich, dass auch dieser Druck zu den Beständen gehören sollte. Bis zum 2. Weltkrieg waren zwei Exemplare des zweibändigen Druckwerks des Alten Testaments in der damals noch Preußischen Staatsbibliothek verzeichnet – danach werden sie als Kriegsverlust geführt. Der Autograf selbst kam erst zu DDR-Zeiten in den Bestand der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin-Ost), und erhielt daher nach der Wiedervereinigung die Akzessionsnummer acc.ms.or.1991.38. Jetzt ist es gelungen, diese Druckausgaben antiquarisch in den Niederlanden zu erwerben, sodass Autograph und Druck (Signatur 4 A 55114-1 und -2) wieder unter einem „Bibliotheksdach“ vereint sind.

Ms. or. fol. 4319, S. 1

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Karl Böhmer: Beobachtungen zu den ersten Hermannsburger Missionarskursen im Hardelandkonflikt. in: Jobst Reller: Ausbildung für Mission: Das Missionsseminar Hermannsburg von 1849 bis 2012. LIT Verlag Münster 2016, S. 149-164;

Jan Lodewyk Swellengrebel: In Leijdeckers voetspoor : anderhalve eeuw bijbelvertaling en taalkunde in de indonesische talen. in: Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde. Teil I: 1820-1900. Leiden: Brill, 1974, 68.

 

Bildquelle: Carl Schwaner: Borneo. Beschrijving van het stroomgebied van den Barito en reizen langs eenige voorname rivieren van het zuid-oostelijk gedeelte van dat eiland door Dr. C. A. L. M. Schwaner. Amsterdam, 1854. Titelbild von Band 2. (nach Auguste van Pers und Heinrich von Gaffron, lithographiert bei C. W. Mieling).