FID Asien – Grundlagen und Konzept zur Erwerbung und Lizenzierung von Medien in allen Formaten

Stand 21.3.2024

Die Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) betreut seit mehr als 70 Jahren im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Sammlungen zu Ostasien, Zentralasien sowie Südostasien. Diese Sammlungen garantieren eine exzellente Informationsversorgung der Wissenschaft. Die Sammlungen der SBB sind komplementär zu den Sammlungen an den universitären Instituten. Seit 2016 fördert die DFG den Fachinformationsdienst Asien im Kontext der Förderung der Fachinformationsdienste für die Wissenschaft.

Die Bestandentwicklung im Rahmen des FID Asien (mit der regionalen Verantwortung für den chinesischen Sprach- und Kulturraum, Zentralasien mit der Mongolei und den zentralasiatischen Regionen Chinas, Japan, Korea und den südostasiatischen Staaten) sichert die Bedarfe jenseits der Grundversorgung der deutschen asienbezogenen Wissenschaft, Forschung und forschungsnahen Lehre im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften ab. Er bewegt sich dabei zwischen mehreren Spannungsfeldern.

Auf der einen Seite steht der begründete Wunsch der Fachcommunity, trotz teilweise sehr heterogenen Anforderungen hinsichtlich der Forschungsthemen und -felder, auf eine thematisch möglichst breit angelegte, von den diversen Forschungskonjunkturen unabhängig aufgebaute Sammlung direkt oder zeitnah zugreifen zu können, sei es in elektronischer (inkl. Open Access Publikationen) oder gedruckter Form.

Andererseits ist das Publikationsaufkommen in den einzelnen Ländern und Regionen, die durch den FID Asien betreut werden, in den relevanten Fachbereichen jedoch zahlenmäßig weit größer, als im Rahmen des FID für die Sammlung erworben, mit den vorhandenen Kapazitäten bearbeitet und den Nutzer:innen zur Verfügung gestellt werden kann. Es muss durchgehend eine Titelauswahl getroffen werden. Eine auch nur annähernde Vollständigkeit wird nicht erreicht; eine relative Vollständigkeit wird angestrebt. Hinzu kommt, dass in einigen Ländern nur kleine bis kleinste Auflagen verlegt werden (vor allem in Südostasien) und der Antiquariatsmarkt, der eine retrospektive Beschaffung (ggf. auch auf Anschaffungswunsch hin) ermöglichen würde, nicht überall gleich stark ausgebildet ist. Die Erwerbungen und Lizenzierungen mit Medien aus den Regionen werden um fachrelevante und komplementäre Medien über die Region in allen Sprachen und Schriften erweitert.

Aufgrund der Sprach- und Schriftvielfalt der Regionen muss die SBB spezielle Kompetenzen für die Region und deren Kulturen, den Sprachen und Schriften in allen bibliothekarischen Bereichen zur Verfügung stellen.

Insgesamt bestimmen – trotz der Verantwortung in einem FID – die sehr heterogenen Rahmenbedingungen der jeweils nationalen Buch- und Publikationsmärkte sowie deren Zugänge den Handlungsspielraum des FID Asien. Alle Märkte sind unterschiedlich und bedürfen ihrer eigenen Ansprache, um bestmögliche Informationsversorgung zu garantieren.

Der Erwerb wissenschaftlicher Publikationen im FID Asien wird komplettiert durch umfängliche Erwerbungen und Lizenzierungen der SBB bezogen auf den Verantwortungsraum Ost-, Zentral- und Südostasien. Angesichts des Umfangs der notwendigen Erwerbungen und Lizenzierung und der damit verbundenen Arbeiten und Kosten auf Seiten der SBB und der DFG, folgt die SBB seit drei Jahren verstärkt eine evidenzbasierte und nutzer:innengesteuerte Erwerbungsstrategie, die sich bereits positiv entwickelt. Gleichzeitig verstärkt die evidenzbasierte Erwerbungsstrategie den komplementären Charakter der FID-Sammlung im Kontext der nationalen und lokalen Informationsversorgung. Nichtsdestotrotz bewegt sich Erwerbung im Spannungsfeld zwischen vorausschauender proaktiver Erwerbung sowie Lizenzierung und nutzer:innengesteuerten Zugängen.

Im Kontext des FID Asien erfolgen Erwerb und Lizenzierung gemäß den Grundsätzen der DFG zum Erwerb von Publikationen. Insbesondere werden elektronische Publikationen gedruckten Publikationen gegenüber bevorzugt lizenziert. Dauerhafte Nutzungsrechte für den zumindest überregionalen Nutzer:innenkreis, die Lieferung von Metadaten, die Rechte für Hosting und Archivierung sowie Rechte für Text- und Datamining (TDM) werden im CrossAsia Lizenzstandardvertrag gefordert. Sollten nicht alle Bedingungen umfänglich erfüllt werden können, werden die Ressourcen hinsichtlich ihrer Relevanz und der Vorteile einer elektronischen Zugänglichkeit abgewogen. Es wird dann anhand der Lizenzkosten (z.B. Kosten einer Lizenz für eine singuläre Institution) entschieden, ob nichtsdestotrotz eine Lizenz abgeschlossen wird. In Einzelfällen kann neben einem zeitlich begrenzten Zugang zu elektronischen Ressourcen parallel auch eine gedruckte Ausgabe für Archivzwecke erworben werden.

Die Archivierung aller erworbenen und lizenzierten Inhalte ist angesichts einer in manchen asiatischen Regionen unsicheren Zugangs- und Kontrolllage für die SBB und den FID Asien wesentlich. Dies schließt insbesondere digitale Objekte ein, die vornehmlich im Integrierten Textrepositorium (ITR) verwaltet werden.

Alle Publikationen werden zeitnah nach den jeweils einschlägigen Standards in den Verbundsystemen des GBV bzw. der Zeitschriftendatenbank (ZDB) erschlossen. Die im Kontext des FID Asien erstellten Nachweise können einfach über die Verbundstrukturen der Verbünde sowie der ZDB nachgenutzt werden.

Alle Medien, die im Kontext des FID Asien erworben werden sowie alle ausleihfähigen Bestände der SBB, stehen der Fernleihe zur Verfügung. Darüber hinaus bietet der „Blaue Leihverkehr“ die einfache Ausleihe von allen ausleihfähigen Materialien der SBB für bei der Ostasienabteilung der SBB registrierte Institutionen an. Diese Institutionen bzw. deren zu subsummierende Personen haben gleichzeitig die Möglichkeit, die lizenzpflichtigen Inhalte des FID Asien im Direktzugriff zu nutzen. Der Zugang zum Blauen Leihverkehr ist einfach möglich.

In den Jahren nach der Pandemie hat der FID Asien für alle regionalen Medienmärkte enorme Preissteigerungen, die sich jenseits der ansonsten normalen 5% Steigerung bewegen, zu verzeichnen. Auf manchen Märkten sind z.B. aufgrund des Preisanstiegs bei Papier die Kosten für Zeitschriften um mehr als 15% pro Jahr gestiegen. Enorme Preissteigerungen konstatiert der FID Asien für Transportkosten, hier insbesondere für den Transport über See. Hier sind die Kosten über 30% in den letzten Jahren gestiegen.

Seit ca. drei Jahren haben alle Bibliotheken in der EU und auch insbesondere die SBB durch neue Zoll- und Steuerverfahren der EU gravierende Probleme, Medien aus den Zolllagern auch in die Einrichtungen geliefert zu erhalten. Teilweise wurden aufgrund unklarer und schlechter Kommunikation der beteiligten Behörden und Dienstleister, Medien wieder nach Asien zurückgeschickt, was nicht nur angesichts der Kosten- und Umweltbelastungen widersinnig ist.

Für die gesamte zu verantwortende Region muss festgestellt werden, dass gute, vertrauenswürdige und auch insbesondere persönliche Kontakte zu den Partner:innen in den jeweiligen Ländern Garant für gute Angebote und Lösungen für eine exzellente Informationsversorgung sind. Gerade nach den erschwerten Kommunikationsmöglichkeiten während der Pandemie ist es notwendig, entweder die alten vertrauensbildenden Kontakte wiederzubeleben oder neue zu schließen. Auch wenn wir heute – auch als Auswirkung der Pandemie – wesentlich erfolgreicher im Einsatz von Instrumenten virtueller Kommunikation und Austauschformaten sind, bleiben doch nach wie vor persönliche Kontakte wesentlich für gute Arbeitsergebnisse. Insofern spielen Informations- und Erwerbungsreisen gerade zu den Partner:innen in Asien weiterhin eine große Rolle und werden auch zukünftig extrem wichtig sein.

Zusätzlich wird die Betreuung der Sammlungen durch sich verändernde politische Rahmenbedingungen beeinträchtigt. Vermehrt werden Publikationen nicht mehr für den Export zugelassen oder Anbieter elektronischer Ressourcen können – aus unterschiedlichen Gründen – keine Rechte für Hosting und Archivierung anbieten.

Die folgende Übersicht zu den Buch- und Informationsmärkten mit ihren jeweiligen Gegebenheiten soll die Bedingungen verdeutlichen, unter denen der FID Asien den Bestandsaufbau betreibt, um den Nutzer:innen des FID für ihre jeweiligen Spezialbedarfe eine möglichst umfassende Literaturversorgung anbieten zu können.

a) VR China

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • Jährlich erscheinen lt. China Statistical Yearbook[1] 225.000 Printpublikationen, davon sind ca. 40.000 wissenschaftliche Publikationen (ohne Lehrbuchcharakter). FID-relevant sind ca. 20.000, von denen ca. 5.000 Titel pro Jahr ausgewählt werden.
  • Die Preise liegen mittlerweile pro Titel zwischen ca. 10 und 500 Euro.
  • Ein wichtiges Charakteristikum der chinesischen Buchproduktion sind umfängliche, hochpreisige Sammelwerke. Es handelt sich hierbei beispielsweise um Aktensammlungen v.a. aus dem 1. und 2. Historischen Archiv in Beijing bzw. Nanjing, Reprints historischer Sammlungen und Editionen von bei Ausgrabungen gewonnenen Materialien und Textdokumenten. Im Jahr 2022 sind mehr als 400[2] solcher Titel erschienen, wobei rund die Hälfte als FID relevant einzuschätzen sind. Die Zahl der PDA-Bestellungen für diese hochpreisigen Sammelwerke hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. In den letzten drei Jahren wurden insgesamt mehr als 120 solcher Sammelwerke erworben, nahezu die Hälfte aufgrund von PDA-Bestellungen. Besonders stark nachgefragt sind hier Archivsammlungen, aufwändige Editionen in hoher Qualität auch hinsichtlich des Bildmaterials von Textfunden im Kontext der Forschung zur Seidenstraße sowie Sammlungen medizinhistorischer Texte in Ergänzung der in Berlin betreuten, national und international stark beachteten Sammlung medizinischer Handschriften (Sammlung Unschuld).   Die z. T. enormen Preise von bis zu mehreren 10.000 € pro Titel übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der Institute für Sinologie bzw. Chinastudien, so dass deren „zentrale“ Erwerbung zunehmend beim FID nachgefragt und für die Umsetzung von Forschungsprojekten essentiell wird.
  • In den Jahren 2021 bis 2023 wurden nahezu 1.000 Monographien als Printpublikationen aufgrund von PDA-Bestellungen erworben, im kurzfristigen Trend steigt die Anzahl stärker an. Gründe hierfür sind neben dem Bedarf nach Spezialliteratur wohl u.a. die Zuverlässigkeit bei der schnellen Verwirklichung der Benutzerwünsche und hier auch nach entlegener bzw. schwer beschaffbarer Literatur.
  • Die aufgrund von PDA-Bestellungen beschafften Monographien werden seitens der Lieferanten per Express-Versand verschickt, um den Bestellern möglichst zeitnah zur Verfügung zu stehen. Die Kosten für diese Sendungen sind leicht steigend. Die proaktiv bestellten Printpublikationen gelangen in jährlich zwei bis drei regelmäßigen Lieferungen von 80 Kartons auf dem Seeweg zu uns. Letzterer nimmt inklusive Verzollung in Hamburg rund sechs bis acht Wochen in Anspruch. Die Kosten für die Transporte auf dem Seeweg sind stark steigend (um mehr als 70% im Vergleich zu 2020).
  • Nur ein kleinerer Teil der FID relevanten Publikationen erscheint mit einem zeitlichen Verzug von mindestens einem halben Jahr elektronisch. Die Lizenzierung von E-Books ist problematisch im Hinblick auf die Konformität mit den Anforderungen für FID Lizenzverträge (dauerhafte Verfügbarkeit, Hostingrechte etc.).
  • Informationen zu Neuerscheinungen sind über Bestellsysteme bzw. Angebote per Mail seitens der Lieferanten verfügbar mit einem Vorlauf von wenigen Wochen.
  • Die Publikationen sind je nach Auflagenhöhe (500 bis 10.000) kürzere oder längere Zeit verfügbar. Vielbändige Sets erscheinen in verhältnismäßig kleinen Auflagen (150) und sind daher mitunter nur sehr schwer nachbeschaffbar bzw. können im Falle der nicht sofortigen Verfügbarkeit nur mit vergleichbar großem Zeitaufwand per Seeweg beschafft werden. Dies macht die proaktive Erwerbung gerade dieser Publikationsform so bedeutsam. Da die Publikationen „shelf ready“ ins Haus kommen, sind sie dann zudem ad hoc verfügbar.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Es erscheinen jährlich ca. 10.000 Zeitschriften[3], davon sind ca. 6.500 wissenschaftliche Zeitschriften, FID-relevant sind ca. 1.500, von denen derzeit wiederum ca. 1.200 lfd. als dauerhaft erworben werden.

Buchmarkt > Zeitungen:

  • Es erscheinen ca. 1750 Zeitungen[4], 10 Zeitungstitel (in erster Linie Tageszeitungen) werden laufend bezogen.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • Es hat sich ein sehr gut funktionierender antiquarischer Markt entwickelt, über den vergriffene, antiquarische Publikationen oder auch graue Literatur erworben wird.
  • PDA-Bestellungen, auch zu Titeln aus den früheren Jahrzehnten des 20. Jh. bis hin in die fünfziger Jahre können in den meisten Fällen (auch bei Titeln aus den westlichen Regionen Chinas) erfolgreich bedient werden.

Buchhandelspartner:

  • Derzeit wird mit leistungsstarken und zuverlässigen Library Suppliers zusammengearbeitet, die auch Daten zum Publikationsgeschehen, z.B. für den PDA-Service, zur Verfügung stellen.
  • Alle Lieferanten der SBB stellen regelmäßig Metadaten zur Verfügung.

Graue Literatur:

  • Ist über Tausch nicht verlässlich zu erwerben. Tauschangebote sind willkürlich und dienen zu oft der politischen Propaganda. Daher ist es notwendig, diese Literatur während Informations- und Erwerbungsreisen (Besuch wissenschaftlicher Einrichtungen, Antiquariate, antiquarischer „Flohmärkte“ etc.) zu beschaffen.

Datenbanken und -anbieter:

  • Der Markt für elektronische Ressourcen ist sehr groß und vielfältig, einige große Anbieter dominieren den Markt (dies sind CNKI, Wanfang, CNPIEC, UniHan und Weipu, letzterer ausschließlich für Zeitschriften und Open Access-Publikationen). CNKI musste im April letzten Jahres aufgrund neuer sicherheitsgesetzlicher Anforderungen eine Reihe seiner Datenbanken vorläufig suspendieren und einer rechtlichen Prüfung unterziehen. Vier Datenbanken waren und sind davon betroffen: CDMD: Theses and Dissertations, CPCD: Conference Proceedings, NPCC: National population census of China und CSYD: Statistical Yearbooks.
  • Neuerdings sind nur noch einige wenige chinesische Anbieter offen für die CrossAsia Lizenzen, die den überregionalen Zugriff, die Lieferung von Metadaten sowie Archiv- und Hosting- und TDM-Rechte einschließen. Dies führte Ende letzten Jahres dazu, dass CNKI den seit 2006 bestehenden Lizenzvertrag mit CrossAsia für die Datenbank China Academic Journals (CAJ) zum Jahresende 2023 gekündigt hat. Daher kann seitens des FID Asien für CAJ seit dem 01.01.2024 nur noch der Zugriff auf Publikationen bis einschließlich 2023 angeboten werden. Um den Zugang zu aktuellen Zeitschriften zu gewährleisten, wurde ein Lizenzvertrag mit Weipu 台维普中文期刊服务平 mit mehr als 15.000 Titeln abgeschlossen.
  • Zudem wurde jüngst die Datenbank China Social Science Library 中国社会科学文库 mit mehr als 4.000 zugänglichen E-Books lizenziert.

Open Access Publikationen:

  • Über CrossAsia zugänglich ist die National Social Science Database (国家哲学社会科学学术期刊数据库) mit über 2.000 Zeitschriften aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, darunter finden sich zahlreiche Kernzeitschriften aus den jeweiligen Fächern.
  • Daneben existieren in China diverse Open Access Plattformen, die eher den STM-Fächern zuzurechnen sind.[5]
  • Es gibt Angebote der chinesischen Universitäten, die nicht immer verlässlich sind. Teilweise werden die Repositorien in und über internationale Nachweissysteme nachgewiesen, wie z.B. OpenDOAR, aber nicht in jedem Fall sind die angegebenen Adressen aktuell und funktionieren auch.
  • Bibliographische Informationen aus den Repositorien in überregionalen und internationalen Nachweissystemen (z.B. BASE, DOAJ) werden über die CrossAsia Suche angeboten.

Informations- und Beschaffungsreisen:

  • Jährliche Beschaffungsreisen sind nach wie vor essentiell. Sie dienen dazu, sich vor Ort einen persönlichen Eindruck von Forschungstrends und vom Publikationsmarkt zu verschaffen. Es werden einschlägige wissenschaftliche Institutionen (Universitäten, Forschungsinstitute, Verlage) besucht. China National Publications Import & Export (Group) Co. LTD (CNPIEC) fungiert als Organisator der jährlich, mittlerweile im Juli, stattfindenden Buchmesse in Beijing und lädt aus diesem Anlass große und kleine regionale Verlage ein, ihre aktuelle Buchproduktion vorzustellen. Vor Ort können so v.a. umfangreiche und vielbändige Publikationen eingesehen und die Qualität der Titel eingeschätzt werden. Darüber hinaus werden Spezial- und Antiquariatsbuchhandlungen besucht, deren Angebot über das der Bestellsysteme der Lieferanten hinausgeht und diese ergänzt. Interessante Titel werden dann über die Lieferanten geliefert, um evtl. nötige Bindung sowie die Katalogisierung und weitere Bearbeitung zu gewährleisten. Persönliche Gespräche mit den Lieferanten dienen der notwendigen Feinabstimmung und Optimierung hinsichtlich der Erwerbung und den mit ihr verbundenen Services.

Politische Situation / Rahmenbedingungen:

  • Mit der zunehmenden politischen Gleichschaltung in der VR China, die sich gerade in den letzten drei Jahren noch einmal verschärft hat, kehren für „sensible“ Themen behandelnde Publikationen – wie beispielsweise Archivalien aus den westlichen chinesischen Grenzprovinzen wie Xinjiang und Tibet – Sonderformen aus den 70er und 80er Jahren hinsichtlich der Vertriebswege in den chinesischen Publikationsmarkt zurück. Man unterscheidet wieder Waibu faxing 外部发行 (für den Vertrieb ins Ausland zugelassen) und Neibu faxing 内部发行 (nur für den Vertrieb innerhalb Chinas zugelassen). Es wird versucht, nichtsdestotrotz derartiges Material bei Besuchen vor Ort in Spezialbuchhandlungen während der Beschaffungsreisen zu sichten und zu erwerben.

b) Taiwan / Hongkong / Macau / Chinese Communities (Malaysia / Singapur / USA)

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • Jährlich erscheinen ca. 57.000 neue Titel (2021)[6] in Taiwan, davon ca. 15.000[7] in den FID-relevanten Fächern. Für Hongkong werden in den chinesischen Statistiken keine separaten Zahlen ausgewiesen.
  • Es werden pro Jahr ca. 650 aus Taiwan und ca. 450 Titel aus Hongkong erworben.
  • Informationen von Seiten der Händler in Form von Buchlisten, Verlagsbroschüren und Katalogen bzw. Online-Katalogen des taiwanischen Buchhandels sind verfügbar.
  • Obwohl E-Books im nationalen Markt eine hohe Akzeptanz genießen, gestaltet sich der Erwerb von Einzeltiteln aus dem Ausland heraus bislang als unmöglich, da dies seitens der Anbieter abgelehnt wird.
  • Auf Grund andauernder globaler Logistikprobleme, musste die Taiwanische Post den von uns bisher genutzten Versandmodus auf dem Landweg einstellen. Anstelle von einer „Über-Land“ Lieferung pro Quartal, wird das reguläre Bestellgeschäft nun in einer jährlichen Seefrachtlieferung abgewickelt. Die Verzögerungen bei der Versorgung mit aktueller Literatur hat zu einem leichten Anstieg der PDA Bestellungen geführt, die per Luftpost verschickt werden.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Aus Taiwan und Hong Kong werden ca. 60 Zeitschriftentitel bezogen.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • Es existieren nur gering organisierte (digitale) Strukturen/Händler („Flohmärkte“, Graue Literatur, Antiquariate). Einzig durch Besuche vor Ort ist der Zugang zu diesen Quellen überhaupt möglich.
  • Gewünschtes antiquarisches Material kann bei Verfügbarkeit über den VR chinesischen Markt beschafft werden.

Buchhandelspartner:

  • Sowohl für Publikationen aus Taiwan als auch aus Hongkong arbeit der FID Asien mit international ausgerichteten Buchhändler zusammen.
  • Für die verhältnismäßig kleine Buchproduktion in chinesischer Sprache aus Malaysia und Singapur wird mit international ausgerichteten Buchhändlern aus der Region sowie aus den USA kooperiert.

Datenbanken und -anbieter:

  • In Taiwan und Hongkong gibt es verlässliche Anbieter (Airiti, TBMC, UDN, Academia Sinica in Taiwan sowie Wisers und CUHK Press in Hongkong).
  • Das Angebot ist überwiegend originalsprachig, technisch sind die Datenbanken sehr unterschiedlich aufgestellt. Im E-Book-Bereich ist das Angebot bezüglich hochwertiger und unserem Profil entsprechender akademischer Publikationen relativ überschaubar, dem Buchmarkt entsprechend.
  • Metadaten werden von den Händlern und Anbietern bereitgestellt, Archiv- und Hostingrechte sowie TDM Rechte für den dauerhaft lizenzierten Teil der E-Books sind erfolgreich verhandelt worden.

Graue Literatur / schwer beschaffbare Literatur:

  • Taiwan: Mit der National Central Library existiert ein kontinuierlicher Schriftentausch, von der Academia Sinica, Inst. of Modern History, erhält der FID Asien regelmäßig Geschenklisten, aus denen ausgesucht wird. Über Taiwan wird auch graue, regierungskritische Literatur über Hongkong und China beschafft.
  • Ein direkter Bezug grauer Literatur aus Hong Kong ist aus Rücksicht auf die Lieferanten nicht mehr möglich.

Open Access Publikationen:

  • Zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen in Taiwan und Hongkong haben institutionelle Repositorien.
  • TAIR, das Taiwan Academic Institutional Repository gibt Auskunft über die Repositorien in Taiwan.[8]
  • JULAC verzeichnet für Hongkong acht institutionelle Repositorien.[9]
  • Die Repositorien werden international bspw. über OpenDOAR nachgewiesen und sind auch über Schnittstellen (z.B. OAI-PMH) ansprechbar, aktuell (Stand Januar 2024) sind dort 58 Repositorien für Taiwan und zehn für Hongkong verzeichnet (ROAR verzeichnet 83 und ebenfalls zehn).
  • Abschlussarbeiten werden zentral von der NCL nachgewiesen.[10]
  • Metadaten werden von 51 Datenlieferanten aus Taiwan und 11 aus Hongkong in BASE und damit über CrossAsia nachgewiesen. Bei den Daten ist auffällig, dass für einen Großteil nicht ersichtlich ist, ob sie im Open Access zugänglich sind. Der Großteil stammt aus den Bereichen Ingenieurswissenschaften, Medizin, Technik, Naturwissenschaften.
  • Teilweise sind in den Repositorien nur Metadaten enthalten oder die eigentlichen Dokumente noch im Embargo. Teilweise sind auch Metadaten enthalten, die auf lizenzpflichtige Inhalte (z.B. Airiti, CEPS) verweisen.

Informations- und Beschaffungsreisen:

  • Erwerbungsreisen nach Taiwan und Hongkong bleiben unverändert wichtig, nicht nur für die Erwerbung, sondern insbesondere für die persönliche Kontaktpflege (Verbindlichkeit, Vertrauen) und Einschätzung der Situation vor Ort. Probleme und Änderungen, praktische Verfahrensfragen etc. lassen sich leichter ansprechen und klären. Kleinere Läden, von denen aus dem Ausland her nicht bestellt werden kann, können besucht werden. Informelle Kontakte vor Ort helfen, Publikationen, die nicht über die regulären Wege der großen Händler verfügbar sind, zu erwerben.

Politische Situation / Rahmenbedingungen:

  • Die Situation in Hongkong hat sich in jüngster Zeit extrem zugespitzt. Die massive Einflussnahme Chinas und gesellschaftliche Verwerfungen haben Auswirkungen auch auf das Publikationsgeschehen und den Buchhandel. Die Verschärfungen der nationalen Sicherheitspolitik der VR China, hatten u.a. zur Folge, dass Buchhändler bzw. Verlage Hong Kong verlassen mussten.[11] Öffentliche Bibliotheken haben z.B. Publikationen von Aktivisten mit dem Vermerk „under review“ de facto für die Nutzung gesperrt.
  • Es ist ein dringliches Anliegen des FID Asien, kritisches Material möglichst in Gänze zu erwerben, aufzubewahren und vorzuhalten, gerade für den Fall, dass es in Hongkong nicht mehr zugänglich oder vorhanden sein sollte.
  • In Taiwan scheint dieses Problem eher marginal zu sein.[12]

Quellen:

[1]  中国出版年鉴_二〇二二年 _新闻出版资料统计_邬书林_主编.Die letzten verfügbaren Angaben stammen von 2022 für 2021, S. 774.

[2]  图书馆报 = China Library Weekly, 751(2023.01.06) https://mp.weixin.qq.com/s/iHbGu2RRPI7sAxyfl6BIZw.

[3]  中国出版年鉴_二〇二二年 _新闻出版资料统计_邬书林_主编. Letzte verfügbare Angaben aus 2022 für 2021, S. 776.

[4]  Ebd.

[5]  Open Access Publishing in China 2022, https://www.stm-assoc.org/wp-content/uploads/CAST-STM-Open-Access-Publishing-in-China-2022-1212-English-Edition-final.pdf, S. 47f.

[6]    國家圖書館. 國家圖書館年報 2022. 臺北市, 2023. https://nclfile.ncl.edu.tw/files/202401/5356c673-3d8e-4004-8631-ecccd185fb45.pdf, S. 26 .

[7]   國家圖書 and 館國際標準書號中心編輯. 臺灣圖書出版現況及趨勢報告. 110 年. 臺北 市: 國家圖書館, 2022. https://nclfile.ncl.edu.tw/files/202203/e7c51884-7500-44cc-a8e8-54843a739c5c.pdf, S. 15.

[8]  ‘臺灣學術機構典藏系統 (Taiwan Academic Institutional Repository, TAIR)’. Accessed 30 January 2024. http://tair.org.tw/.

[9] ‘Institutional Repositories | JULAC’. Accessed 29 February 2024. https://www.julac.org/?page_id=79.

[10]  ‘National Digital Library of Theses and Dissertations in Taiwan (Location:HomePage)’. Accessed 30 January 2024. https://etds.ncl.edu.tw/cgi-bin/gs32/gsweb.cgi/ccd=KrsFSP/webmge?switchlang=en.

[11]  Sander, Matthias. ‘Hongkong und Causeway Bay Books: neuer Laden im Exil in Taiwan’. Neue Zürcher Zeitung, 25 April 2020, sec. Technologie. https://www.nzz.ch/technologie/in-china-verschwunden-aus-hongkong-gefluechtet-ein-bekannter-buchhaendler-eroeffnet-einen-neuen-laden-in-taiwan-ld.1553569.

[12]  Davidson, Helen. ‘“Publishing These Books Is a Risk”: Taiwan’s Booksellers Stand up for Democracy’.

The Guardian, 29 April 2023, sec. World news.

https://www.theguardian.com/world/2023/apr/29/taiwan-booksellers stand-up-for-democracy-china-censorship.

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • Die Gesamtzahl an Neuerscheinungen ist leicht rückläufig von rund 71.900 in 2019 zu knapp 66.900 in 2022[1]. Davon sind ca. 12.000 Titel FID-relevant, aus denen ca. 3.500 ausgewählt werden.
  • Die Preise für Monographien entsprechen in etwa denen, des deutschen wissenschaftlichen Buchmarkts und sind in der Vergangenheit relativ stabil geblieben. Erst 2021 ist ein Anstieg des durchschnittlichen Buchpreises um 3,3 % zu konstatieren.[2] Im Bereich der Gesamt- und Werkausgaben, aber auch Quellensammlungen und Reprint-Reihen ist der Markt sehr hochpreisig.
  • Eine Besonderheit des wissenschaftlichen Buchmarkts in Japan sind die relativ niedrigen Auflagenzahlen bei einer hohen Nachfrage durch Bibliotheken. Größere Sets von Materialsammlungen erscheinen teilweise nur in limitierten Auflagen.
  • Bibliographische Informationen zu Neuerscheinungen aber auch zu Altbeständen sind über die Einspielung der Metadaten aus dem Katalog der National Diet Library Tokyo (NDL, Parlamentsbibliothek und Quasi-Nationalbibliothek mit Pflichtexemplarrecht) im Rahmen des PDA-Service über die CrossAsia Suche verfügbar.
  • Die Nachfrage des PDA-Services hat sich sehr positiv entwickelt. In den vergangenen drei Jahren wurden mehr als 1.000 Monographien gemäß Wünschen aus der Fachcommunity beschafft.
  • Nur eine begrenzte Anzahl an wissenschaftlichen Neuerscheinungen erscheint parallel als E-Book (Hybrid-Ausgabe) oder zeitlich verzögert als E-Book.
  • Die Mehrheit der über die Aggregationsplattformen der Anbieter Maruzen und Kinokuniya verfügbaren japanischen Titel im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften sind identisch (Maruzen eBook Library[3] und KinoDen jeweils ca. 40.000 FID-relevante Titel (März 2023)).[4] Es handelt sich um elektronische Varianten unterschiedlichen Niveaus (reines PDF ohne Volltext-Suchfunktion, PDF mit OCR, durchsuchbarer Volltext usw.) sowohl von Neuerscheinungen als auch von älteren Printpublikationen.
  • Die Nutzungsbedingungen unterliegen je nach Verlag starken Einschränkungen im Hinblick auf die Möglichkeiten zum Download bzw. Druck.[5] Vereinzelt sind diese Features gar nicht gegeben oder werden ad hoc zurückgenommen.
  • Die Preise für E-Books rangieren für eine Einrichtung meist zwischen dem dreifachen (ein Zugriff) bis dem fünf- und mehrfachen (drei und mehr Parallelzugriffe) im Vergleich zum Printexemplar. E-Book-Verhandlungen scheitern i.d.R. an den Fragen der Archiv-, Hosting-, Text- und Datamining-Rechte.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Im Bereich der kommerziellen Abonnements werden gut 500 Titel laufend in Papier erworben.[6] Hinzu kommt der Ankauf von abgeschlossenen, meist hochpreisigen Reprints (Papier oder Mikrofilm), die entweder als Anschaffungswunsch oder im Hinblick auf FID-Relevanz erworben werden.
  • Ab 2024 hat der Hauptlieferant für laufend gehaltene Zeitschriften Preissteigerungen je nach Titel in Höhe von 10-30 % angekündigt. Begründet wurde dies mit allgemein gestiegenen Kosten sowie erhöhtem Aufwand wegen veränderter Versand- und Zollbestimmungen.[7]

E-Journals:

  • Im Bereich der Wirtschaft-, Geistes- und Sozialwissenschaften ist das Angebot von kommerziellen E-Journals sehr begrenzt. I.d.R. handelt es sich um abgeschlossene Produkte zurückliegender Jahrgänge, die trotz vorhandener PDFs nicht immer eine Volltextsuche umfassen. Eine dauerhafte Lizenzierung ist zwar möglich, Hostingrechte werden jedoch erst zulässig, sollte der Anbieter seinen Betrieb einstellen (s.a. Abschnitt Datenbanken). Einige wenige laufende E-Journals sind außerdem Teil anderer Datenbanklizenzen (z.B. die „TKC Law Library“ enthält einige Rechtszeitschriften, die Datenbank der Zeitung Mainichi Shimbun „Maisaku“ bietet Zugriff auf die Zeitschrift Shûkan ekonomisuto).
  • Aufsatzwünsche aus in der SBB bzw. Deutschland nicht vorhandenen Zeitschriften können im Rahmen des PDA-Service über den Kopierservice der National Diet Library, Tokyo beschafft werden. Die Möglichkeit, Zeitschriftenartikel im Rahmen des Blauen Leihverkehrs sowie über den PDA-Service zu bestellen, wird intensiv genutzt. Nach einer Erhöhung während der Pandemie-Zeit haben sich die Beschaffungen über den Kopierservice der NDL wieder bei ca. 250 Titel stabilisiert.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • Japans Antiquariatsbuchhandel ist sehr leistungsstark und bietet viel Literatur, teilweise auch zu äußerst spezialisierten Themengebieten. Lediglich Publikationen aus den Vorkriegs- oder Kriegsjahren sind zum Teil nicht beschaffbar.
  • In Tokyo konzentrieren sich die Antiquariate im Buchhändlerviertel Jimbôchô. Sie sind in der Regel eher kleine Familienbetriebe und fachlich hochspezialisiert. Wie Nachfragen bei Informations- und Erwerbungsreisen zeigen, stellen eine ganze Reihe von Händlern nach wie vor nur einen Teil ihres Angebots online. Insofern ist die Marktsichtung nur begrenzt über das Internet möglich.
  • Erwerbungen werden i.d.R. zentral über einen Buchhändler getätigt, zu dem langjährige Beziehungen bestehen, da die direkte Abrechnung und der Versand mit dem Ausland für die kleinen Antiquariate zu aufwändig und unattraktiv sind.
  • Sondermaterialien wie z.B. Mikroverfilmungen von besonderen Materialsammlungen, Quellensammlungen oder Zeitschriften usw. sind häufig langjährig bei den Verlagen bestellbar.

Buchhandelspartner:

  • Es bestehen langjährige Kontakte zu mehreren sehr leistungsfähigen Buchhändlern, die sowohl das Massengeschäft als auch Sonderwünsche an Privatdrucken oder antiquarischen Werken erfüllen können. Sie bieten auch Informationsservices zu relevanten Neuerscheinungen über Titellisten, Zusendung von Informationsemails bzw. von Verlagsprospekten etc. an.

Graue Literatur:

  • Japan verfügt über ein umfangreiches Angebot an grauer Literatur. Diese wird u.a. über den Bereich des Internationalen Amtsdruckschriftentauschs zwischen der SBB als nationaler Tauscheinrichtung und der National Diet Library in Tokyo gesammelt.
  • Im Bereich der universitären Zeitschriften von Fakultäten (kiyô) und Forschungsgruppen (gakkaishi) usw. erhält die SBB durch langjährige Beziehungen über 200 laufende Titel als Geschenk. Zudem sind derartige Titel vermehrt im Open Access zugänglich (s. Abschnitt Open Access)
  • Im Blauen Leihverkehr werden regelmäßig Privatdrucke oder Werke der Lokalforschung angefragt. Sonderwünsche können durch einen Buchhändler fast immer erfüllt werden.
  • Bei Erwerbungsreisen bietet das Buchhändlerviertel Jimbôchô mit seinen spezialisierten Antiquariaten eine gute Ausgangslage für Ergänzungen an grauer Literatur zu den unterschiedlichsten Themen.

Datenbanken und -anbieter:

  • Es gibt in Japan eine begrenzte Anzahl an verlässlichen Datenbankanbietern.
  • Die Menge des Angebots ist im Vergleich zu China oder Korea sehr überschaubar. Zudem ist die Art des Angebots häufig sehr schlicht. Es gibt zahlreiche Produkte, die nur bibliographische Daten enthalten. Wenn ein PDF des Volltextes angeboten wird, so ist es häufig nicht im Volltext durchsuchbar. Produkte, die mit proprietären Viewern etc. arbeiten und so eine Einbindung in die Nutzung via CrossAsia erschweren bzw. anfällig für technische Ausfälle sind, verschwinden zunehmend vom Markt, werden aber nicht zwangsläufig durch ein verbessertes Produkt ersetzt.
  • Die Offenheit der Anbieter für die Bedingungen einer CrossAsia Lizenz variiert. Die Vereinbarung einer überregionalen (=deutschlandweiten) Verfügbarkeit für registrierte Nutzer:innen konnte bisher aber immer vermittelt werden.

Hostingrechte:

  • Hostingrechte (vgl. S. 1-2 zu Lizenzierung) werden nur unter strengen Auflagen erteilt, wenn es sich um ein abgeschlossenes Produkt handelt. Ggf. kann ein Datenträger mit Inhalten und ggf. Suchfunktion erworben werden, der auf SBB Servern gehostet werden darf. In einigen Fällen werden Hostingrechte mit Datenübergabe für den Fall eines Stop-of-Service (Insolvenz, Firmenschließung etc.) seitens des Anbieters erteilt. Im Falle von Datenbanken mit ständig wachsenden bzw. sich verändernden Inhalten werden in der Regel nur Nutzungsrechte gewährt.
  • Der Wunsch nach Data- und Textminingrechten ist japanischen Anbietern nicht zu vermitteln, da diese sich auf das japanische Urheberrecht berufen. Insgesamt ist die Einstellung der Anbieter als sehr konservativ und wenig nutzungsfreundlich einzustufen.

Open Access Publikationen:

  • Die meisten Universitäten und Forschungseinrichtungen verfügen über Open Access Repositorien für Dissertationen und universitätseigene Zeitschriften mit verlässlichen Speicherstrukturen.
  • Das National Institute of Informatics (NII, Tokyo) koordiniert die Zusammenführung der Repositorien über ein standardisiertes Harvesting-Verfahren. Mit Stand Januar 2024 werden 779 (März 2020: 734) institutionelle Repositorien in der Institutional Repositories Database (IRDB) zusammengeführt und im Netz suchbar gemacht.[8] Mit Stand Dezember 2023 umfasst die IRDB über 3,9 Mio. Einträge, von denen über 3 Mio. Volltexte umfassen (Dezember 2020: 3,2 Mio. Einträge, mit 2,4 Mio. Volltexten). Jedoch nur knapp 882.000 Einträge wurden mit einem DOI Identifier versehen (Dezember 2020: 456.000 Dokumente).[9] Circa die Hälfte der Dokumente sind als Volltext im Open Access verfügbar, für die andere Hälfte sind zumindest die Metadaten nachgewiesen. Die gesammelten Daten werden in verschiedene Suchsysteme eingespeist, darunter CiNii (CiNii Research, CiNii Dissertations), NDL Search und OpenAIRE.[10]
  • Seit 2020 baut das NII mit CiNii Research[11] ein Portal auf, welches mit Stand Februar 2024 26 sehr umfangreiche Datenbanken öffentlicher Einrichtungen umfasst.[12] Die angebotene Metasuche bietet neben Zeitschriftenartikeln, auch Bücher, Forschungsdaten, Open Access Materialien und Forschungsprojektinformationen. Die oben beschriebene IRDB ist ebenso integriert wie das zentrale Nachweisinstrument für wissenschaftliche Aufsätze, CiNii Articles.[13] Letztere Datenbank ist seit April 2022 dauerhaft mit CiNii Research verschmolzen. Die Verlinkung innerhalb von CiNii Articles zur Zeitschriftendatenbank (ZDB) mit Besitznachweis in Deutschland wurde dabei überführt.

Informations- und Beschaffungsreisen:

  • Im kulturellen Kontext Asiens und gerade in Japan haben persönliche Gespräche unter Geschäftspartnern einen hohen Stellenwert. Am Anfang einer Geschäftsbeziehung zu neuen Lieferanten/Datenbankanbietern stellen Gespräche eine vertrauensbildende Maßnahme dar, die Verhandlungen deutlich vereinfachen können im Vergleich zu einem rein virtuellen Austausch per Email oder am Bildschirm. Auch bei etablierten Beziehungen gehört es zum guten Ton, regelmäßig persönlich vorstellig zu werden. Gerade in der Zeit nach der Covid19-Pandemie ist die Wiederaufnahme persönlicher Begegnungen ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung. Derartige Treffen werden von den Zwischenhändlern, die in der Regel an den Gesprächen ebenfalls teilnehmen, sowie von den Anbietern/Lieferanten sehr ernst genommen.
  • Die Reisen bieten Gelegenheit den Markt vor Ort in Buchhandlungen und Antiquariaten zu sichten. Meist wird terminlich eine Buchmesse und/oder der Bibliothekartag eingebunden, um so neue Trends aufzunehmen und neue Kontakte zu knüpfen.

Rahmenbedingungen

  • In den vergangenen Jahren haben sich die Bedingungen für den Versand sowie die Zollabwicklung stark verändert und bürokratisiert. Zunächst aufgrund der Covid19-Pandemie und gegenwärtig wegen der Kriegslage in der Ukraine hat die japanische Post ihre Versandmöglichkeiten nach Deutschland eingeschränkt. Um verlässliche Lieferungen – gerade von Anschaffungswünschen – zu garantieren, muss vermehrt auf kostenintensive Lieferdienste wie z.B. DHL oder FedEx zurückgegriffen werden. Die Zollabwicklung wird dabei teilweise ebenfalls auf die Lieferanten ausgelagert. Hierdurch entstehen Zusatzgebühren auf Seiten des Lieferanten, die zugunsten einer zügigen, verlässlichen Lieferung in Kauf genommen werden müssen.

Quellen:

[1]  Japan Statistical Yearbook, Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and Communications, Ausgabe 2024, S. 650, Abschnitt 26-8 Number of Newly Published Books (2019-2022), https://www.stat.go.jp/data/nenkan/73nenkan/zenbun/jp73/book/book.pdf (Zugrif 23.02.24).

[2] Shuppan shihyô nenpô (Jahrbuch der Verlagskennzahlen). 2022nenban. Zenkoku Shuppan Kyôkai, 2022, S. 9.

[3]  S. Fachgebiete auf Folie 3: https://kw.maruzen.co.jp/ln/myeng/myeng_doc/MeL_information_English_202303.pdf (Zugriff 12.01.24).

[4]  Yokota-Carter, Keiko. Commercial E-books of Japanese language an approach to the use of E-books. 2023. Folie 11, https://dx.doi.org/10.7302/7921 (Zugriff 23.02.24)

[5]  Ebd. Folie 12. Vgl. beispielsweise die „Notes for Use“ auf der letzten Seite des „User Guide“ der Maruzen eBook Library (Stand August 2023): https://elib.maruzen.co.jp/app/eguide/mel_manual_e.pdf (Zugriff 23.02.24)

[6] Die Gesamtzahl an Zeitschriftentiteln ist nur leicht gesunken von 2.734 Titeln in 2019 auf 2.482 Titeln in 2022, s. Japan Statistical Yearbook, Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and Communications, Ausgabe 2024, S. 650, Abschnitt 26-9 Number of Magazine Titles Published (2019-2022), https://www.stat.go.jp/data/nenkan/73nenkan/zenbun/jp73/book/book.pdf (Zugriff 23.02.24)

[7]  An sich stieg der Durchschnittspreis für Zeitschriften binnen zehn Jahren von 511 Yen in 2011 auf 605 Yen in 2021, s. Shuppan shihyô nenpô (Jahrbuch der Verlagskennzahlen). 2022nenban. Zenkoku Shuppan Kyôkai, 2022, S. 9.

[8] https://irdb.nii.ac.jp/repositorylist. (Zugriff 12.01.24)

[9] https://irdb.nii.ac.jp/statistics/all. (Zugriff 12.01.24)

[10]  Workflow Chart nur auf Japanisch verfügbar https://support.irdb.nii.ac.jp/ja. (Zugriff 12.01.24)

[11] https://cir.nii.ac.jp/ (Zugriff 09.02.24)

[12] https://support.nii.ac.jp/en/cir/cir_db (Zugriff 09.02.24)

[13]  https://support.nii.ac.jp/en/cia/cinii_db. Stand März 2020 umfasste CiniiArticles ca. 22 Mio. wissenschaftliche Aufsätze, davon knapp 7,6 Mio. Einträge mit Verlinkung zu den Volltexten in den jeweiligen Repositorien. Neuere Zahlen sind nicht veröffentlicht. (Zugriff 09.02.24)

a) Südkorea

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • Von den insgesamt ca. 94.000 Neuerscheinungen pro Jahr, einschließlich ca. 6.000 Publikationen von öffentlichen Organisationen[1] sind ca. 15.000 Titel für den FID relevant. Davon werden in Auswahl ca. 1.500 Titel erworben.
  • Der Durchschnittspreis bei wissenschaftlichen Titeln liegt derzeit bei ca. 34 Euro pro Band.[2]

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Von den rund 23.500 erscheinenden Periodika[3] werden ca. 3.000 als für den FID relevant eingeschätzt, ca. 160 werden laufend als Printausgabe bezogen.
  • Weitere 5.200 Zeitschriften werden in elektronischer Form über die in CrossAsia verfügbaren koreanischen Datenbanken zur Verfügung gestellt (Paket-Lizenzen der Anbieter).

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • Antiquarische Titel sind nur in Südkorea vor Ort beschaffbar.
  • Der Online-Handel ist nicht zugänglich, da die meisten potentiellen Lieferanten nur Barzahlung bzw. Vorauszahlung per koreanischer Kreditkarte akzeptieren.

Buchhandelspartner:

  • Der FID Asien arbeitet mit einem verlässlichen und leistungsstarken Buchanbieter zusammen, der Angebotslisten entsprechend unserem Erwerbungsprofil zur Verfügung stellt.
  • Anschaffungswünsche (u.a. für mittels Dateneinspielung von der National Library of Korea und der NDL Tokyo in die CrossAsia-Suche gelangte Titel) sind möglich, solange die Titel im regulären Buchhandel noch verfügbar sind.

Graue Literatur:

  • Amtsdruckschriften aus Südkorea (u.a. Jahrbücher) werden im nehmenden Tausch von der National Assembly Library und (in kleinerem Umfang) von der National Library bezogen.
  • Es gibt unregelmäßig Zugang zu grauer Literatur über die Sendungen von Publikationen seitens Museen, Stiftungen, Stadtverwaltungen etc. Eine systematische Sammlung findet nicht statt.
  • Graue Literatur im eigentlichen Sinne kann derzeit nicht systematisch aus Südkorea bezogen werden. Die gelegentliche Beschaffung (Erwerb von Privat-Sammlungen, Schenkungen, Konvoluten etc.) ist hier derzeit die einzige realistische Beschaffungsmöglichkeit.

Datenbanken:

  • Relevante koreanischen Datenbanken werden vom FID Asien lizenziert. Einige Anbieter ermöglichen die Einbindung von Metadaten von Zeitschriften; einige Datenbanken bieten Metadaten auf Artikelebene.
  • Aufgrund des Bedarfs an Aktualität bei Zeitungen ist das Lizenzieren von relevanten Datenbanken der effektivste und effizienteste Weg, diese zu beziehen. Der FID bietet über CrossAsia derzeit Zugang zu zwei großen südkoreanischen Zeitungen. Über eine weitere wird momentan verhandelt.

Open Access Publikationen:

  • In Südkorea haben zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen eigene oder übergreifende Repositorien. Eine Übersicht bietet Open Access Korea.[4] Der Schwerpunkt der Open Access Publikationen (auch der an BASE gelieferten) liegt im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin und der Ingenieurswissenschaften. Es gibt Überschneidungen zwischen den Repositorien. BASE nimmt auch Daten von südkoreanischen Datenlieferanten auf (45 südkoreanische Lieferanten mit rund 1.3 Mio Titeln, Stand 29.01.2024), darunter zahlreiche Repositorien von Universitäten und Forschungseinrichtungen in Südkorea. Diese werden entsprechend auch in CrossAsia nachgewiesen. Ein weiteres wichtiges Portal für Open-Access-Zeitschriften ist „Korea Open Access Journals“[5], auf dem 1.290 wissenschaftliche Zeitschriften verfügbar sind, einschließlich etwa 900 für den FID relevanten Zeitschriften. Die meisten dieser Open-Access-Zeitschriften sind bereits in die CrossAsia-Suche integriert worden.

Informations- und Beschaffungsreisen:

  • Informations- und Beschaffungsreisen nach Südkorea sind trotz reibungsloser Kommunikation per Emails weiterhin wichtig. Grundsätzlich sind persönliche Kontakte und das verbindliche Gespräch vor Ort aufgrund der kulturellen Faktoren bei der Anbahnung neuer Kooperationen nicht zu ersetzen. Die Pflege persönlichen Vertrauens spielt eine große Rolle für die erfolgreiche Zusammenarbeit und für das Engagement bei der Überwindung von Hindernissen. Der direkte Kontakt zu den Händlern und anderen Partnern in Südkorea spielt daher eine entscheidende Rolle für eine günstige zukünftige Entwicklung der Koreasammlung. Netzwerktreffen wie das „European Network of Korean Resource Specialists“ könnten ein Treffpunkt mit den Anbietern sein, jedoch wird üblicherweise leider nur ein kleiner Teil der Anbieter eingeladen. Da der antiquarische Erwerb praktisch nur vor Ort in Seoul und in Pusan möglich ist, lässt sich auch dieser nur durch Beschaffungsreisen realisieren. Gleiches gilt für viele Arten grauer Literatur, die nur vor Ort zu bekommen ist. Vor Ort lassen sich dann dauerhafte Bezugsquellen für antiquarische und graue Literatur etablieren. Darüber hinaus sind die Pflege der Beziehungen und der informelle Kommunikationsfluss mit möglichen Kooperationspartnern vor Ort, insbesondere zur National Library of Korea, zur Academy of Korean Studies und zur Korea Foundation wichtige Gründe für Informationsreisen nach Südkorea.

 

b) Nordkorea

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • In Nordkorea existiert ein verhältnismäßig kleiner Buchmarkt, dessen exakte Größe in Ermangelung entsprechender Statistiken nicht zu ermitteln ist. Vor der Pandemie kamen jährlich etwa 500 Titel auf den Markt, von denen rund 100 mit FID-Bezug über in China bzw. Südkorea ansässige Zwischenhändler erworben wurden.
  • Aufgrund des Lockdowns in Nordkorea während der Covid19-Pandemie waren Bücher überhaupt nicht am Markt erhältlich. Seit 2023 sind Bücher wieder verfügbar, wenn auch unregelmäßig. Nach dem Ende der Pandemie wurde verstärkt nordkoreanische Literatur erworben, um die pandemiebedingten Lücken zügig zu schließen.
  • Die Buchpreise variieren sehr stark, derzeit liegen sie bei ca. 40 Euro pro Titel.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Auch die genaue Zahl der jährlich erscheinenden Zeitschriftentitel ist nicht zu ermitteln. 25 Titel werden laufend erworben.
  • Rund 50 weitere für den FID relevante Zeitschriften werden als elektronische Ausgabe in einer Datenbank zur Verfügung gestellt.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • Der Antiquariatsmarkt, falls existent, ist nicht erreichbar.

Buchhandelspartner:

  • Ein in Beijing (VR China) ansässiger Partner aus Nordkorea unterstützt zuverlässig den Sammlungsaufbau.

Graue Literatur:

  • Für Graue Literatur gibt es derzeit keine Bezugsmöglichkeit. Diese kann nur durch die Übernahme von Konvoluten oder Sammlungen erworben werden.

Datenbanken:

  • Die verfügbaren, relevanten Datenbanken werden lizenziert.
  • Zurzeit ist das Lizenzieren von Zeitungsdatenbanken die einzige Quelle für Zeitungen aus Nordkorea. Der FID Asien lizenziert zwei nordkoreanische Zeitungen, die jeweils von einem japanischen und einem amerikanischen Unternehmen angeboten werden.

Politische Situation / Rahmenbedingungen:

  • Aufgrund der politischen Situation ist Nordkorea derzeit und wohl auch auf längere Sicht nicht zugänglich. Publikationen können nur in Auswahl und einzig über Zwischenhändler in China oder Südkorea erworben werden.
  • Die Zugänglichkeit und Lieferbarkeit von Titeln ist kaum vorhersehbar. Titel müssen bei Verfügbarkeit proaktiv erworben werden, da spätere Beschaffungsmöglichkeiten ungewiss sind.

c) Koreanische Literatur außerhalb der Koreas

Es wird versucht, die auf Koreanisch verfasste Literatur der koreanischen Minderheit in China (Yanbian etc.) zu sammeln. Der Bezug über chinesische Lieferanten ist zumindest in Auswahl möglich.

Quellen:

[1]  National Library of Korea: Taehan min’guk kukka sŏji 2022 대한민국 국가서지 2022 [Nationalbibliographie der Republik Korea 2022]. Seoul: Kungnip chungang tosŏgwan kukka sŏjigwa 국립중앙도서관 국가서지과, 2022: https://librarian.nl.go.kr/LI/contents/L10507010000.do.

[2]  Exkl. Versandkosten.

[3]  Ebd.

[4]  http://oak.go.kr/main/main.do.

[5]  https://www.kci.go.kr/kciportal/landing/index.kci.

Die Buchmärkte der elf südostasiatischen Länder zeichnen sich durch einen sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand aus. Der Zugang zu relevanten Informationen ist für alle Länder schwierig, jedoch gibt es zwischen den Ländern Unterschiede. Zahlen zur Entwicklung der Buchmärkte in den jeweiligen Ländern werden selten kontinuierlich erhoben und veröffentlicht. Verfügbare Zahlen entstammen meist einmaligen Erhebungen durch Behörden oder Verbände des Buchhandels. In manchen Fällen existieren ausschließlich Schätzungen. Neben einigen großen Verlagen in den einzelnen Ländern gibt es in fast allen südostasiatischen Ländern eine Vielzahl kleiner und sehr kleiner Verlage sowie zahlreiche Institutionen wie z.B. Ministerien, Universitäten, NGOs und andere Organisationen, die ebenfalls relevante Materialien publizieren. Das macht die Buchmärkte recht unübersichtlich. Auch in der Region Südostasien sind Buchpreise und Transportkosten in den letzten Jahren teilweise stark angestiegen. In der gesamten Region Südostasien werden jährlich weit über 100.000 Neuerscheinungen herausgegeben (s. Tabelle). Für Kambodscha, Laos und Osttimor sind keine Zahlen verfügbar.

Überblick über den Buchmarkt der Länder Südostasiens

  Neuerscheinungen Monographien davon FID relevant davon erwor-ben         
Vietnam 2022: ca. 28.000 [1]

2023: ca. 30.000 [2]

600-700↑ 100-150
Thailand 2022: ca. 16.000 [3] 300 ↑ 150
Kambodscha keine Zahlen verfügbar 150-200 100
Laos keine Zahlen verfügbar 60-100 70
Myanmar

 

2019: ca. 11.000 [4]
2021: ca. 2.400 [5]
 
150 85
Malaysia

 

2018: 18.663 [6] 300 100
Brunei

 

2011 (sic): 76 [7] 5 5
Indonesien

 

2024: 40.000 [8] 500 200
Osttimor Keine Zahlen verfügbar 10 5
Philippinen

(überwiegend Englisch)

2015: 9.480 [9] 100 ↑ in Tagalog u.a. Regionalsprachen (geschätzt) 30 in Tagalog

a) Festland-Südostasien

Vietnam

  • Die Zahl der Neuerscheinungen steigt kontinuierlich. Von den ca. 30.000 Publikationen 2023 sind geschätzt 800 Titel FID-relevant, von den ca. 150 erworben werden. FID-relevante Neuerscheinungen aus großen Verlagshäusern werden über reguläre und verlässliche Händler angeboten (Vietex) und können ausgewählt und erworben werden. Die große Zahl kleiner und unabhängiger Verlage wird über diese Händlerkontakte ungenügend erreicht.
  • Der Buchpreis (inkl. Transport) ist in den letzten 8 Jahren um 35% gestiegen. Ein drastischer Anstieg war von 2022 auf 2023 zu verzeichnen (13%).[10]
  • Über eine Tauschvereinbarung mit der Nationalbibliothek Vietnams wird der Bestand seit 2018 jährlich um ca. 80-180 Titel erweitert. Seit 2022 ist das Angebot an FID-relevanten Tauschtiteln gesunken.
  • Anschaffungswünsche zu aktuellen Publikationen können erfüllt werden, antiquarische Titel können nicht beschafft werden.

Singapur

  • Die größtenteils englischsprachige Literatur wird regelmäßig über verlässliche Strukturen erworben (Mary Martin Booksellers, DK Agencies u.a.).
  • Über Tausch mit der National Library kommen seit 2018 jährlich einige wenige Titel in Chinesisch, Malaiisch und Tamil sowie mehr als 100 Titel in englischer Sprache in den Bestand.
  • Anschaffungswünsche zu aktuellen Publikationen können erfüllt werden, zu antiquarischen Titel selten.

Thailand

  • Ein zuverlässiger Buchhändler ist seit 2017 Rimkhobfa Book Shop in Bangkok. Aus Neuerscheinungslisten für die FID-relevanten Fächer kann ausgewählt werden. Es werden nur Publikationen großer Verlage berücksichtigt.
  • Durch Tausch mit der Nationalbibliothek Thailand kommen seit 2018 jährlich einige wenige Monographien in den Bestand.
  • Anschaffungswünsche für aktuelle und antiquarische Titel können seit 2020 meist erfüllt werden.
  • Online-Antiquariate können als Informationsquelle dienen. Zahlreiche gelistete Titel sind aber oft doch nicht lieferbar.

Kambodscha und Laos

  • In Kambodscha und Laos ist die Informationslage sehr schwierig und die Situation der Buchmärkte ähnelt sich. Es gibt keine Nationalbibliografien oder Statistiken über Neuerscheinungen.
  • Es gibt ca. 2000 registrierte Verleger.[11] Die Auflagenhöhe ist meist gering. Nur sehr selten kann ein Autor 10.000 Exemplare verkaufen, 3.000-5.000 Exemplare und weniger sind eher Standard.[12]  Eine spätere Erwerbung ist ungewiss, daher ist die regelmäßige Erwerbung von Neuerscheinungen sehr wichtig, zumal Bibliotheken in den beiden Ländern selbst diese aufgrund sehr geringer  Erwerbungsbudgets meist nicht erwerben können.
  • Nur ein geringer Teil der Publikationen ist FID-relevant. Ein Großteil der Neuerscheinungen ist der Kinder- und Jugendliteratur[13] und, wie in ganz Südostasien, der Ratgeberliteratur zuzuordnen.
  • Zuverlässige Händler erwerben vor Ort seit über zehn Jahren entsprechend dem hinterlegten Erwerbungsprofil.
  • Eine Besonderheit in Laos ist, dass aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft Fachliteratur häufig in Thai gelesen wird, so dass Vieles gar nicht in Laotisch erscheint.
  • Die Erfüllung von Anschaffungswünschen ist nicht möglich.

Myanmar

  • Der myanmarische Buchmarkt, der zwischen 2010 und 2020 auf ca. 11.000 Publikationen pro Jahr gewachsen war, ist bedingt durch den Militär-Coup im Jahr 2021 und dem daraus resultierenden Bürgerkrieg massiv auf 2.500 Publikationen pro Jahr geschrumpft. Unser Händler beschafft weiterhin Publikationen entsprechend des vereinbarten Erwerbungsprofils. Aufgrund der Lage im Land und der von der Militärregierung ausgeübten Zensurpolitik ist der zeitnahe Erwerb von Büchern ratsam, da diese meist nur in kleineren Auflagen erscheinen und ein späterer Erwerb durch Bücherverbote und fehlende antiquarische Angebote oftmals ausgeschlossen ist.
  • Der E-Book-Markt hat sich in den letzten Jahren besonders in Singapur, Indonesien, Thailand und Malaysia stärker entwickelt. Eine große Zahl neu erscheinender E-Books sind nicht FID-relevant (Übersetzungen und Ratgeberliteratur) und werden daher nicht erworben. Fachliteratur, wie bspw. von ISEAS Publishing aus Singapur, wird bevorzugt in Form von E-Books erworben.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Aufgrund des gut organisierten Buchmarktes und der langjährigen Beziehungen zu den lokalen Händlern werden aus Vietnam laufend rund 30 FID-relevante Zeitschriften erworben. Für die anderen Länder gestaltet sich aus unterschiedlichen Gründen (geringe Auflage, keine Verfügbarkeit am Markt) die regelmäßige Beschaffung schwierig und wird weiter versucht.

Buchhandelspartner:

  • Unsere Lieferanten können teilweise Titeldaten bereitstellen (Myanmar, Laos, Kambodscha). Bestellwünsche von Nutzer:innen, die Publikationen aus den Ländern Südostasiens betreffen, können bisher nur eingeschränkt realisiert werden.

Graue Literatur:

  • Graue Literatur (Berichte, Studien, Statistiken) sind für die Forschung von Bedeutung, da diese Ergebnisse woanders nicht publiziert werden. Die Beschaffung ist bei teilweise sehr geringer Auflagenhöhe aufwendig und z.T. nur für einen ausgewählten Nutzer:innenkreis in den Ländern selbst verfügbar. Daher kann die Erwerbung nur gelegentlich erfolgen. Versuche zur Anbahnung von Tauschbeziehungen haben bisher nicht funktioniert. Viele Institutionen haben kein Budget für den Versand (z.B. Laos und Kambodscha).

Datenbanken und -anbieter:

  • Bisher gibt es keine bekannten Anbieter von Datenbanken. In wenigen Fällen gibt es Angebote auf CD-ROM (z.B. das Amtsblatt Kambodschas).

b) Insel-Südostasien

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

Malaysia

  • Über Händlerkontakte werden gemäß dem Erwerbungsprofil die wenigen Einheiten erworben.

Indonesien

  • Händler erwerben vor Ort gemäß dem Erwerbungsprofil für den FID.

Brunei und Timor-Leste

  • Bestellung über einen verlässlichen Händler mit einem allerdings sehr beschränkten Angebot.

Philippinen

  • Die Angebote philippinischer Händler betreffen überwiegend englischsprachige Literatur, da Fachliteratur auf den Philippinen fast ausschließlich in Englisch publiziert wird. Der Publikationsumfang in Tagalog und diversen Regionalsprachen ist gering. Hier wird in Auswahl erworben.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Zeitschriften aus Malaysia und Indonesien sowie von den Philippinen werden derzeit nicht erworben. Ein regelmäßiger Erwerb ist aus den o.g. Schwierigkeiten nicht umsetzbar.

Open Access Publikationen:

  • In Myanmar sind die Open Access Strukturen noch in den Anfängen. Über BASE und damit auch über die CrossAsia Suche verfügbar sind nur 3 Repositorien aus Myanmar, für Indonesien sind es neben dem Repositorium Neliti 1.527 weitere Datenlieferanten mit insgesamt 2,75 Mio. bibliographischen Nachweisen.
  • In Thailand und Vietnam gibt es an Universitäten und Forschungseinrichtungen Repositorien. Überwiegend betrifft das STM-Fächer. Sie sind teilweise nur in Landessprache recherchierbar und enthalten häufig nur Metadaten. DOAJ verzeichnet derzeit 30 Journals aus Thailand, 3 aus Vietnam, OpenDOAR verzeichnet 17 Repositorien aus Thailand, überwiegend STM-Fächer, keine für Vietnam. Über BASE sind für beide Länder 18 bzw. 9 Datenlieferanten verzeichnet mit zusammen knapp 190.000 Einträgen.
  • In Kambodscha und Laos gibt es bisher kaum Open Access Publikationen. Vorhandene Publikationen scheinen aber noch nicht dauerhaft verfügbar.
  • Zahlreiche Open Access E-Journals, wie bspw. die von der UIN Jakarta in Indonesien veröffentlichten, sind über unseren Katalog zugänglich.

Informations- und Beschaffungsreisen:

  • Informations- und Beschaffungsreisen in die Länder Südostasiens sind nach wie vor sehr wichtig, um Informationen über die Buchmärkte einzuholen, um bestehende Händlerkontakte zu pflegen, die Lieferbeziehungen zu optimieren und vor allem, um in den kommenden Jahren weitere Kontakte zu neuen Händlern (Kambodscha, Thailand) aufzubauen. Auch Kontakte zu kleineren oder Universitätsverlagen, die nicht bei Händlern gelistet sind (z.B. Vietnam) können so gepflegt werden. Insbesondere zur Beschaffung grauer Literatur, die von hier aus nicht recherchierbar ist, ist es wichtig, in die Länder zu reisen. Zudem kann antiquarische Literatur besonders in den Ländern Festland-Südostasiens nur vor Ort erworben werden.

Politische Situation / Rahmenbedingungen:

In Südostasien finden wir ein breites Spektrum an politischen Systemen: absolute Monarchie (Brunei), Einparteiensystem (Laos, Vietnam), Mehrparteiensysteme mit Wahlen, die mehr oder weniger friedlich verlaufen (Indonesien, Kambodscha, Malaysia, Osttimor, Philippinen, Singapur, Thailand), Militärregierungen (Myanmar bis heute, Thailand unter PM Prayut Chan-o-cha 2014-2023). Patron-Klienten-Verhältnisse und Beziehungsgeflechte zwischen mächtigen Familien sind in den Kulturen der meisten südostasiatischen Länder tief verwurzelt und üben Einfluss auf politische Prozesse aus. In einem Auf und Ab haben sich in einzelnen Ländern demokratische Strukturen und Freiräume entwickelt. Abhängig von der politischen Situation gibt es rechtliche und politische Einschränkungen für kritische Publikationen in Bezug auf Religion (Islam) und ethnische Minderheiten in der Region, Königshäuser (Thailand, Kambodscha), die führenden Parteien (besonders in Laos, Vietnam, aber auch Kambodscha), führende Politiker (gesamte Region). Diese kritischen Publikationen sind für uns nicht zugänglich.

Aktuell zeigen bspw. die politische Lage in Myanmar in Folge des Staatsstreichs durch das Militär im Februar 2021 und die allgemeine Situation während der Covid19-Pandemie deutliche Auswirkungen auf den Ablauf des Literaturerwerbs der vergangenen Jahre. Auch in Malaysia und Indonesien sind die Auswirkungen der Pandemie auf den Erwerb selbst 2024 noch spürbar, was sich ebenfalls in den oben genannten Zahlen widerspiegelt. Insbesondere die gestiegenen Preise vor Ort (Buch- wie Transportkosten) wirken sich deutlich auf die Beschaffungszahlen aus. In diesem Zusammenhang ist es von Vorteil im Rahmen von Informations- und Beschaffungsreisen weitere Kontakte zu Händlern, Verlagen und Bibliotheken zu erschließen, damit auch in Zukunft eine kontinuierliche Informationsversorgung sichergestellt ist.

Quellen:

[1]  https://nlv.gov.vn/thu-muc-quoc-gia-thang/thu-muc-quoc-gia-thang-12-2022.html. (Zugriff: 23.01.24), Auswertung der Nationalbibliografie Vietnams.

[2] https://hanoitimes.vn/vietnams-2023-e-book-publishing-exceeds-goal-325730.html. (Zugriff 23.01.2024)

[3]  https://www.wipo.int/publications/en/details.jsp?id=4698. (S.10; Zugriff 23.01.2024)

[4]  Vgl. Myanmar Statistical Year Book 2019, S. 219, abrufbar unter: https://www.csostat.gov.mm/PublicationAndRelease/StatisticalYearbook. (Zugriff 24.01.2024)

[5]  Vgl. Myanmar Statistical Year Book 2022, S. 251, abrufbar unter: https://www.csostat.gov.mm/PublicationAndRelease/StatisticalYearbook. (Zugriff 24.01.2024)

[6]   Vgl. Statistics of Books Registered Under Library Depository Act, 1986 (For 2006 – 2018) by PNM, abrufbar unter: PNM: Statistics Of Books Registered Under Library Depository Act, 1986 (For 2006- 2018) (mabopa.com.my). Diese Erhebung ist die aktuellste, derzeit öffentlich frei verfügbare Erhebung zur Entwicklung des Buchmarktes in Malaysia.

[7]  Basierend auf einer Liste der Veröffentlichungen des Jahres 2011 der Brunei Library Association, abrufbar unter: https://bruneilibraryassociation.wordpress.com/brunei-books/. (Zugriff 24.01.2024) Im statistischen Jahrbuch von Brunei finden sich keine Zahlen zu Publikationen.

[8]  Basierend auf einer aktuellen Schätzung der Indonesia International Book Fair (IIBF) (2024), vgl. hierzu https://indonesia-bookfair.com/about. (Zugriff 24.01.2024) Zahlen zu Buchveröffentlichungen werden in den aktuellen statistischen Jahrbüchern Indonesiens nicht erhoben.

[9]  https://www.internationalpublishers.org/images/aa-content/ipa-reports/ipa-annual-report-2015-2016/ipa-annual-report-2015-2016.pdf.

[10]  Auswertung von Angebotslisten des Zeitraums 2015-2023.

[11]  https://www.postkhmer.com/national/2023-12-6-1543-256544. (Zugriff 24.01.2024)

[12]  https://lareine.com.kh/news/education/35316. (Zugriff 24.01.2024)

[13]  Lesekompetenz und –freude bei Kindern und Jugendlichen wird vom Staat sehr gefördert, z.B. durch Kampagnen und Buchmessen. Einige Romanautoren haben sich daher in den letzten Jahren Kinder- und Jugendbüchern zugewandt.

a) Mongolei

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • In Ermangelung einer Nationalbibliographie sind statistische Angaben zum mongolischen Publikationsgeschehen nur schwer zu ermitteln. In der Suchfunktion im Katalog der Mongolischen Nationalbibliothek ist eine Filterung nach Sprache (Mongolisch) oder Erscheinungsland (Mongolei) nicht möglich.
  • In den letzten fünf Jahren wurden rund 2.900 FID-relevante Neuerscheinungen erworben. Dies geschieht über einen Approval Plan mit einem verlässlichen mongolischen Händler, der neben den Publikationen des dominierenden Verlagskonglomerats (Internom / Monsudar / Admon) auch die Titel kleinerer Verlage liefert.
  • Es gibt ein reduziertes E-Book-Angebot, dass sich hauptsächlich auf westlichsprachige Übersetzungen konzentriert. Die Entwicklung im Markt wird beobachtet.

Buchmarkt > Zeitschriften und Zeitungen:

  • Es werden rund 50 FID-relevante Zeitschriften und Zeitungen, davon 37 Titel in Alleinbesitz, erworben. Neben den wichtigsten Zeitungen in kyrillmongolischer und mongolischer Schrift sowie in russischer bzw. englischer Sprache umfasst unser Portfolio wissenschaftliche Zeitschriften, darunter die von der Mongolischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen.[1]
  • Bislang existieren keine erwerbbaren E-Journals.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • In der Mongolei existiert kein organisierter Antiquariatsmarkt. Aufgrund der geringen Auflagen sind nachträgliche Erwerbungen schwierig. Der Lieferant der SBB ist sehr kooperativ und bemüht sind, auch ältere Titel zu beschaffen.

Buchhandelspartner:

  • Als Lieferant fungiert ein zuverlässiger Buchhandelspartner, der sehr bemüht ist, auch Sonderbestellungen für aktuelle Materialien und Antiquaria zu bedienen.

Graue Literatur:

  • Es bestehen keine Tauschbeziehungen im Bereich Amtsdruckschriften zwischen mongolischen Institutionen und der SBB.

Datenbanken und -anbieter:

  • Es gibt keine Anbieter lizenzpflichtiger Datenbanken in der Mongolei selbst.
  • Es werden allerdings Datenbanken aus anderen Regionen lizenziert, die Material über die Mongolei bzw. in mongolischer Sprache enthalten, beispielsweise die koreanische Datenbank RISS, die mongolistische Artikel in kyrillmongolisch verzeichnet und abrufbar hält, sowie die Datenbank BUDA, die sukzessive den vormodernen Bestand der Mongolischen Nationalbibliothek digitalisiert und zur Verfügung stellt.

Open Access Publikationen:

  • Das Open Access Angebot in der Mongolei ist stark begrenzt. Die Titel im Repositorium „Mongolia Journals Online“[2] sind in der ZDB verzeichnet und über die Nachweissysteme des FID recherchierbar.

b) Innere Mongolei

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • 2021 sind 1.200 Titel[3] in der Autonomen Region Innere Mongolei erschienen, davon 600[4] Titel in mongolischer Sprache. Der Anteil der FID-relevanten Titel ist hier nicht ablesbar. In den letzten fünf Jahren wurden rund 1.400 FID-relevante Neuerscheinungen erworben. Angesichts der Zurückdämmung des Mongolischen durch die chinesische Regierung (sehr prominent im Falles des Verschwindens der mongolischsprachigen Schulbücher) wird angestrebt, das mongolischsprachige Publikationsgeschehen aus der VR China für den FID Asien zu sichern.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • In der Autonomen Region Innere Mongolei erscheinen derzeit 151 Zeitschriftentitel[5], davon 45 in mongolischer Sprache[6]. Derzeit werden 23 FID-relevante Zeitschriften bezogen.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • Die Titel erscheinen in kleinen Auflagen wodurch sie relativ schnell vergriffen sind. Nachträgliche Beschaffungen sind über chinesische Lieferanten grundsätzlich möglich. Allerdings sind sie durch nachträgliche Verbote (z.B. Zensurauflagen) gefährdet. Ob eine Erwerbung vor Ort möglich ist, muss bei Beschaffungsreisen immer wieder neu geprüft werden.

Buchhandelspartner:

  • Bei Monographien, Sammelwerken und Zeitschriften kann auf verlässliche chinesische Partner zurückgegriffen werden.

Datenbanken und -anbieter:

  • Es gibt keine Datenbanken für ausschließlich mongolische Medien in China. Relevante Inhalte in mongolischer Sprache und Schrift sind in verschiedenen (chinesischen) Datenbanken zu finden (z.B. Nationale Datenbank für Sozialwissenschaften, Grand Secretariat Archives). Eine gezielte Suche nach mongolischen Quellen ist hier möglich. WiseSearch und WEIPU bieten keine Suche in mongolischer Sprache.

Graue Literatur:

  • Grundsätzlich ist aus der VR China der Export von Literatur ohne ISBN oder ISSN nicht erlaubt.

Open Access Publikationen:

  • Es gibt derzeit kein Repositorium mit mongolischen Medien in China.

Politische Situation/Rahmenbedingungen:

  • Aufgrund der aktuellen politischen Situation in der Inneren Mongolei ist unklar, wie sich der Buchmarkt in den nächsten Jahren entwickeln wird. In den letzten vier Jahren ist eine zunehmende Verschärfung der chinesischen Politik gegenüber der mongolischen Minderheit zu beobachten. Im Jahr 2020 kam es in der Inneren Mongolei nach dem Regierungsbeschluss, an den Minderheitenschulen in erster Linie in chinesischer Sprache zu unterrichten, zu Protesten[7]. Im Januar 2022 wurde ein Gesetz zur Popularisierung des Chinesischen[8] (und damit de facto u.a. zur Zurückdrängung des Mongolischen) verabschiedet. Seit September 2023 ist Chinesisch die alleinige Unterrichtssprache in der Inneren Mongolei[9]. Im Inner Mongolia Museum wurde die Dauerausstellung zu Dschingis Khan und dem Mongolischen Weltreich abgebaut, da keine Ethnie in China besonders herausgehoben werden soll[10]. Ganz aktuell werden Bücher zensiert, deren Erscheinungsdatum bereits 20 Jahre zurückliegt[11].

c) Uigurische / Kasachische Publikationen

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • Nach chinesischen Statistiken sind in Xinjiang im Jahr 2021 2.470[12] Titel erschienen, davon insgesamt 729 in sogenannten „Minderheitensprachen“[13] (Uigurisch, Kasachisch, Sibe-Manjurisch etc.). Aus der Statistik geht jedoch nicht hervor, wie viele Titel FID-relevant sind und wie sich die Zahlen auf die einzelnen Sprachen verteilen. Es wurden in den letzten fünf Jahren rund 820 Titel in uigurischer Sprache aus der VR China erworben.
  • Seit 2018 wird zudem verstärkt versucht, die Literatur der im Exil in der Türkei lebenden Uiguren zu beschaffen. Es wurden in diesem Zeitraum 350 Titel erworben. In Kasachstan ist ein uigurischer Buchmarkt noch im Aufbau begriffen, die Entwicklungen werden beobachtet. Sobald sich Strukturen gebildet haben, die eine Literaturbeschaffung ermöglichen, wird eine Erwerbung relevanter Titel geprüft.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • China Statistical Yearbook erschienen in Xinjiang im Jahr 2021 199 Zeitschriftentitel[14], davon 109 Titel in sogenannten „Minderheitensprachen“[15] (Uigurisch, Kasachisch, Sibe-Manjurisch etc.) Die Zeitschriftentitel werden über chinesische Anbieter bezogen. Das inhaltliche Profil der Zeitschriften hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Sie dienen mittlerweile zumeist der Verbreitung von Propaganda.
  • In der Türkei haben sich für die dortige uigurische Exilgemeinde Zeitschriften insbesondere zu den Themen Religion und Kindererziehung konstituiert, die derzeit noch unregelmäßig erscheinen. Ausgewählte Titel sind abonniert. Als Lieferant fungiert ein verlässlicher türkischer Kontakt.
  • Derzeit werden insgesamt 14 FID-relevante Zeitschriften bezogen.

Graue Literatur:

  • Grundsätzlich ist der Export von Literatur ohne ISBN und ISSN aus China nicht erlaubt.

Politische Situation / Rahmenbedingungen:

  • Die politische Situation und der repressive Umgang mit den in China lebenden Minderheiten, insbesondere den Uiguren, ist mittlerweile gut dokumentiert.[16] Durch die zunehmende Unterdrückung ist unklar, wie sich der Publikationsmarkt in Xinjiang in den nächsten Jahren entwickeln wird. Ebenfalls unklar ist, ob und wie die abonnierten uigurischsprachigen Zeitschriften aus China weitergeführt werden können.
  • Es hat sich in den letzten Jahren ein Buchmarkt für die Exilgemeinde in der Türkei entwickelt.

d) Tibet

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • In der Autonomen Region Tibet sind im Jahr 2021 insgesamt 200 Titel erschienen[17], davon 86 in tibetischer Sprache[18]. In den letzten fünf Jahren wurden aus der VR China rund 1790 FID-relevante in tibetischer Sprache erworben. Es besteht eine äußerst schwierige Marktsituation. Titel sind oft schnell vergriffen und dann nicht mehr beschaffbar. Das Themenspektrum der Publikationen unterliegt sehr den jeweiligen Entwicklungen der politischen Situation.
  • Es gibt keine E-Books.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • In Tibet erschienen im Jahr 2021 40 Zeitschriftentitel[19], davon 16 in tibetischer Sprache[20]. Momentan werden 27 FID-relevante tibetische Zeitschriften aus der VR China abonniert.

Buchmarkt > Vergriffenes, Antiquarisches, Sondermaterialien:

  • In Tibet existiert kein organisierter Antiquariatsmarkt. Aufgrund der kleinen Auflagen sind Titel oft schon nach kürzester Zeit nicht mehr verfügbar. Eine Beschaffung über chinesische Lieferanten ist zumindest schwierig. Die Möglichkeit des Kaufs vor Ort muss auf Beschaffungsreisen geprüft werden.

Buchhandelspartner:

  • Es wird mit verlässlichen chinesischen Buchhändler kooperiert, die jedoch auch nur bedingt an die in Tibet publizierte Literatur gelangen.

Datenbanken und -anbieter:

  • Es gibt keine Datenbanken eigens für tibetische Medien (in China), jedoch sind Artikel und Beiträge in lizenzierten chinesischen Datenbanken enthalten.
  • Relevante Inhalte in tibetischer Sprache sind in verschiedenen chinesischen, durch den FID lizenzierten Datenbanken zu finden, z.B. in der China social science library (CSSL) für moderne Literatur bzw. der Datenbank Grand Secretariat Archives für vormoderne Literatur. Eine gezielte Suche nach tibetischen Quellen ist hier möglich. Bei WiseSearch, WEIPU ist keine Suche in tibetischer Originalschrift möglich.
  • In China erschiene Titel sind teilweise auch in der für den FID lizenzierten Datenbank BUDA (ehemals BDRC) enthalten.

Graue Literatur:

  • Grundsätzlich ist der Export von Literatur ohne ISBN aus China nicht erlaubt.

Open Access Publikationen:

  • In Tibet gibt es keine Open Access Datenbanken/Repositorien.

Politische Situation / Rahmenbedingungen:

  • Die aktuelle politische Lage in Tibet hat starke Auswirkungen auf den Publikationsmarkt für Titel in tibetischer Sprache. Es ist unklar wie sich der Buchmarkt für tibetische Publikationen in den nächsten Jahren entwickeln wird.

e) Tibetische Literatur aus Indien

Buchmarkt > Monographien / Sammelwerke:

  • Die indische Nationalbibliographie enthält keine statistischen Angaben zu Publikationen in tibetischer Sprache.[21] Die Library of Tibetan Works and Archives, die als Nationalbibliothek der tibetischen Exilgemeinde in Indien fungiert, hat keinen funktionierenden Onlinekatalog, in dem nach dem Publikationsaufkommen recherchiert werden könnte.
  • In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 430 Titel in tibetischer Sprache aus Indien erworben. Der tibetischsprachige Buchmarkt in Indien ist v.a. wichtig im Hinblick auf die Literatur zu tibetologischen bzw. buddhologischen Themen und solchen, die in Tibet selbst nicht publiziert werden können wie z.B. Literatur zum Dalai Lama, Texteditionen tibetischer Schriftkultur sowie Literatur zur politischen Situation in China in tibetischer Sprache. Eine weitere Besonderheit sind Publikationen von Blockdrucken.

Buchmarkt > Zeitschriften:

  • Der Zeitschriftenmarkt ist sehr unübersichtlich, bisher gibt es keine Struktur, die einen verlässlichen Zeitschriftenerwerb ermöglicht. Nichtsdestotrotz werden 10 Zeitschriften und Zeitungen abonniert.

Buchhandelspartner:

  • Die Erwerbung findet über einen verlässlichen internationalen Buchhändler vermittelst Approval statt.

Graue Literatur:

  • Viele Titel erscheinen in sehr kleinen Auflagen ohne ISBN, teilweise handelt es sich um Privatdrucke oder in Klöstern gedruckte Titel.

Informations- und Beschaffungsreisen:

  • Erwerbungsreisen sind wichtig, um die lokalen Märkte sondieren und Kontakte zu den bestehenden Händlern pflegen zu können. Potentiell besteht die Möglichkeit, auf diesen Reisen verstärkt aus dem Ausland nicht zugängliche Graue Literatur und Antiquaria zu erwerben bzw. zu bestellen. Ein weiteres Ziel der Erwerbungsreisen ist das Knüpfen neuer Kontakte zu Institutionen und Privatpersonen. Dadurch eröffnen sich Möglichkeiten, das Bestandsportfolio dauerhaft zu erweitern.

Quellen:

[1]  Siehe auch die Webseite der Mongolischen Akademie der Wissenschaften, https://www.ac.mn/c/953136?content=986408&r=986414 (letzter Zugriff: 10.01.2024).

[2] siehe https://www.mongoliajol.info/index.php/index (letzter Zugriff: 19.02.2024).

[3]  S. 中国出版年鉴_二〇二二年 _新闻出版资料统计_邬书林_主编 (2022), S. 793.

[4]  Ebd., S. 861.

[5]  Ebd., S. 862.

[6]  Ebd., S. 869.

[7] Siehe z.B. https://www.bloomberg.com/news/features/2023-12-07/xi-jinping-s-quest-for-china-unity-threatened-by-genghis-khan-mongolian-history. (letzter Zugriff: 10.01.2024).

[8] Siehe z.B. https://www.bloomberg.com/news/features/2023-12-07/xi-jinping-s-quest-for-china-unity-threatened-by-genghis-khan-mongolian-history. (letzter Zugriff: 10.01.2024).

[9] Siehe https://www.tibetanreview.net/inner-mongolia-ordered-to-switch-to-fully-chinese-language-education-by-september/. (letzter Zugriff: 20.02.2024).

[10] Siehe https://www.bloomberg.com/news/features/2023-12-07/xi-jinping-s-quest-for-china-unity-threatened-by-genghis-khan-mongolian-history.  (letzter Zugriff: 10.01.2024).

[11] Siehe https://www.voanews.com/a/china-enforces-ban-on-mongolian-language-in-schools-books/7267310.html. (letzter Zugriff: 20.02.2024).

[12]  S. 中国出版年鉴_二〇二二年 _新闻出版资料统计_邬书林_主编. (2022), S. 794.

[13]  Ebd., S. 861.

[14]  Ebd., S. 862.

[15]  Ebd., S. 869.

[16]  So z. B.: https://journals.univie.ac.at/index.php/jeacs/article/view/7336 (letzter Zugriff: 20.02.2024)

[17]  S. 中国出版年鉴_二〇二二年 _新闻出版资料统计_邬书林_主编 (2022), S. 793.

[18]  Ebd., S. 86.

[19]  Ebd., S. 862.

[20]  Ebd., S. 869.

[21]  Es werden nur Publikationen in den 14 indischen Hauptsprachen inklusive Englisch gesammelt https://www.crlindia.gov.in/pages/display/20-about-inb  (letzter Zugriff: 20.02.2024)