Sondersammelgebiet 6.25 Ost- und Südostasien

Buchmesse in Phnom Penh

Vom 7.-9. Dezember 2018 fand in Phnom Penh bereits zum 7. Mal eine Buchmesse statt, die sich zu dem wichtigsten Ereignis für kambodschanische Verlage, Autoren und Leser entwickelt hat. Die Autorin hat dran teilgenommen, mit zahlreichen Verlegern und Autoren gesprochen und Neuerscheinungen in Khmer gekauft.

Die Messe stand unter dem Motto „Living Books, Growing Knowledge“ und fand auf dem Gelände der Nationalbibliothek, einem Gebäude im Kolonialstil, das 1924 errichtet wurde, statt. Unter den großen Bäumen bezogen die Aussteller insgesamt 115 Stände. Aussteller- und Besucherzahlen sind im Laufe der Jahre kontinuierlich angestiegen. Während 2017 über 50 000 Besucher gezählt wurden, waren es 2018 bereits 130 000. Damit wurde die erwartete Besucherzahl von 70 000 weit übertroffen. Organisiert wurde die Buchmesse vom Ministerium für Kultur und Schöne Künste in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, der Nationalbibliothek und etlichen Partnerorganisationen. Zu dem Erfolg hat wesentlich eine große Zahl von Freiwilligen beigetragen.

Den Organisatoren zufolge besteht das Ziel der Buchmesse darin, die Bedeutung von Büchern in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, die Freude am Lesen zu fördern sowie kambodschanische Autoren und Verlage zu unterstützen.

Während der drei Tage konnten sich die Besucher über neue Buchpublikationen informieren und diese auch gleich kaufen, mit Autoren diskutieren und an Lesungen teilnehmen. Speziell für Kinder gab es ein vielfältiges Programm mit Bühnenshows, Vorleserunden und anderen Aktivitäten.

Der größte Teil des Publikums waren Jugendliche und junge Erwachsene. Auffallend viele junge Mönche besuchten die Buchmesse und interessierten sich besonders für Sachliteratur wie z.B. über Rhetorik oder Geschichte.

Zu den Ausstellern gehörten große und kleine, bereits etablierte und neue Verlage. Der Direktorin der Nationalbibliothek, Frau Khlot Vibola, zufolge gibt es in Kambodscha ca. 800 Verlage. Autoren wie Frau Ouk Samnang, Herr Chhay Sophal oder Herr Hoeu Hin hatten eigene Stände und präsentierten ihre neuen und alten Bücher, die sie auf Wunsch gerne signierten. Junge Autoren nutzen die Gelegenheit zur Selbstvermarktung ihrer Bücher. Zahlreiche Organisationen und Institutionen wie z. B. der Kambodschanische Schriftstellerverband, The Asia Foundation, das Cambodia Development Resource Institute (CDRI), das Buddhistische Institut und verschiedene Bibliotheken stellten sich dem Publikum mit ihre Publikationen und Dienstleistungen vor.

Vor allem unter den jüngeren Kambodschanern besteht offenbar ein außerordentlich großes Interesse an Sachbüchern zu allen möglichen Themen und an Ratgeberliteratur (besonders Betriebswirtschaft, Lebensführung). Dabei handelt es sich zum großen Teil um Übersetzungen aus dem Englischen ins Khmer. Beliebt sind auch chinesische Romane, die ins Khmer übersetzt werden. Unter jungen Leuten sehr gefragt sind Liebesromane. Kanha Poa Svay („Fräulein Lila“) verfasst nach eigenen Angaben bis zu 10 Titel pro Jahr. Andere vertreiben ihre Romane fast ausschließlich über das Internet (z.B. Blue Romance Novel).

Verlage und Autoren beklagen sich seit Jahren darüber, dass Urheberrechtsverletzungen nicht geahndet werden. Oft kursieren bereits wenige Tage nach Veröffentlichung eines Werkes Raubkopien, was Autoren entmutigt und Verleger sehr zögerlich macht.

Premierminister Hun Sen hat anläßlich der Buchmesse 80 000 Freiexemplare von Werken der beiden bekannten kambodschanischen Autoren Krom Ngoy und Ou Chong sowie eine zweibändige Ausgabe der alten indischen Fabeln Hitaupades (Hitopadesha) gestiftet.

Die 2018 von der Staatsbibliothek zu Berlin in Kambodscha erworbenen Bücher stehen den Nutzerinnen und Nutzern in wenigen Wochen über die Kataloge der Staatsbibliothek zur Verfügung.

Besuch des thailändischen Botschafters

Am 15. Februar 2018 besuchten der thailändische Botschafter, SE Dr. Dhiravat Bhumichitr, und Dr. Manusavee Monsakul, Botschaftsrätin für Politik, Bildung und Kultur, die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Der Botschafter übergab der Bibliothek 39 Bücher aus Thailand, 28 davon in Thailändisch. Es handelt sich hauptsächlich um Bücher bekannter thailändischer Autoren, deren Werke den Southeast Asian Writers Award, ein wichtiger Literaturpreis in Südostasien, gewonnen haben, wie z.B. Khropkhrua klang thanon (Familie auf der Straße) von Sila Khomchai, Phǣndin ʻư̄n (Ein anderes Land) von Kanokphong Songsomphan oder Rao long lư̄m ʻarai bāng yāng (Wir vergessen etwas) von Watchara Satchasarasin. Diese Bücher stellen eine wertvolle Ergänzung des Thailand-Bestandes der Staatsbibliothek dar, der mit ca. 15 000 Bänden (davon ca. 5000 in Thailändisch) den umfangreichsten in Deutschland bildet.

Herr Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung, und Frau Dr. Claudia Götze-Sam, Fachreferentin für Südostasien, informierten Herrn Dhiravat Bhumichitr und Frau Manusavee Monsakul über die thailändischen Bestände zu denen auch ca. 300 Handschriften aus Thailand gehören. Im Gespräch interessierten sich die Gäste besonders für die Bearbeitung und Präsentation der thailändischen Literatur in der Staatsbibliothek. Eine zukünftige Zusammenarbeit wurde erörtert. Beeindruckt waren die Gäste von den 10 thailändischen Handschriften, zumeist Faltbücher mit astrologischem Inhalt, die anlässlich des Besuchs gezeigt wurden. Ein Gang durch das Haus an der Potsdamer Straße beendete das Treffen.

 

Wiedererwerbung der Druckausgabe der Dayak-Bibel von 1858

Im Februar 2017 konnte die Staatsbibliothek einen Kriegsverlust ersetzen, der auch in anderer Hinsicht den Bestand der Bibliothek bereichert.

Alles begann 1840 mit der Reise von August Hardeland zu der bis dahin nur wenig erschlossenen „Ausseninsel“ Borneo, genauer zu den indigenen Stämmen der Ngaju-Dayak in Zentral-/Süd-Borneo. Niederländisch-Indien konzentrierte sich zu dieser Zeit hauptsächlich auf die Insel Java, und erst langsam wurden weitere Inseln des Archipels dem Kolonialreich einverleibt.

Der in Kirchenkreisen nicht unumstrittene Hardeland (s. „Hardelandkonflikt“) war für die Rheinische Mission als Missionar tätig. Einem neuen Ansatz seiner Missionsgesellschaft folgend, sollte er sich auf Borneo u.a. um die Ausbildung von „Nationalgehülfen“, also von einheimischen Hilfslehrern, kümmern. Zusammen mit Friedrich Becker fertigte er eine Übersetzung des Neuen Testaments in die dortige Lokalsprache an, und nach Beckers Tod im Jahre 1849 im Alleingang eine Übersetzung des Alten Testaments (Surat brasi Djandji idjä solake). Da die Ngaju-Dayak keine Schrift hatten, benutzte Hardeland das lateinische Alphabet. Er fertigte auf die Drucklegung ausgerichtete, eigenhändige Manuskripte an. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde anhand dieser Vorlage eine Druckfassung des Alten und Neuen Testaments 1858 in Amsterdam besorgt. Ein Jahr später reiste Hardeland erneut als Missionar nach Südafrika – und nahm dabei seine Manuskripte mit, wie man dem Autograph entnehmen kann:

Auf dem Schmutzblatt der Handschrift ist folgender Vermerk eingeklebt: „Het eigenhandig Handschrift van Aug. Hardeland. Zijne vertaling van het Oude testament in de taal der Dajaks van Zuid-Borneo. Bij zijn vertrek van Z.O. Afrika ten geschenk gegeven aan Millies“.

Auf Seite 1 dann folgender Eintrag: „This translation was given by Hardeland to Prof. Millies, and in 1858 was printed at Amsterdam. From Prof. Millies … , Utrecht. May 1870…Brugge“.

Dieser 309seitige Autograph des Alten Testaments fand seinen Weg in die Bestände der Staatsbibliothek und wird unter der Signatur Ms. or. fol. 4319 im Handschriftenmagazin der Orientabteilung aufbewahrt.

Besitzt eine Bibliothek einen solchen Autograph, der auch noch als Basis zur Drucklegung diente, so ist es nur verständlich, dass auch dieser Druck zu den Beständen gehören sollte. Bis zum 2. Weltkrieg waren zwei Exemplare des zweibändigen Druckwerks des Alten Testaments in der damals noch Preußischen Staatsbibliothek verzeichnet – danach werden sie als Kriegsverlust geführt. Der Autograf selbst kam erst zu DDR-Zeiten in den Bestand der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin-Ost), und erhielt daher nach der Wiedervereinigung die Akzessionsnummer acc.ms.or.1991.38. Jetzt ist es gelungen, diese Druckausgaben antiquarisch in den Niederlanden zu erwerben, sodass Autograph und Druck (Signatur 4 A 55114-1 und -2) wieder unter einem „Bibliotheksdach“ vereint sind.

Ms. or. fol. 4319, S. 1

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Karl Böhmer: Beobachtungen zu den ersten Hermannsburger Missionarskursen im Hardelandkonflikt. in: Jobst Reller: Ausbildung für Mission: Das Missionsseminar Hermannsburg von 1849 bis 2012. LIT Verlag Münster 2016, S. 149-164;

Jan Lodewyk Swellengrebel: In Leijdeckers voetspoor : anderhalve eeuw bijbelvertaling en taalkunde in de indonesische talen. in: Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde. Teil I: 1820-1900. Leiden: Brill, 1974, 68.

 

Bildquelle: Carl Schwaner: Borneo. Beschrijving van het stroomgebied van den Barito en reizen langs eenige voorname rivieren van het zuid-oostelijk gedeelte van dat eiland door Dr. C. A. L. M. Schwaner. Amsterdam, 1854. Titelbild von Band 2. (nach Auguste van Pers und Heinrich von Gaffron, lithographiert bei C. W. Mieling).

SSG ade … CrossAsia soll FID werden …

Seit 1951 hat die Staatsbibliothek zu Berlin das Sondersammelgebiet Ost- und Südostasien – gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft – betreut. Mit dem Ende des Jahres 2015 wird es dieses Sondersammelgebiet nicht mehr geben. Dennoch hoffen wir, weiterhin einen überregionalen Service anbieten, unseren vor Jahren eingeschlagenen Weg weiterzugehen und CrossAsia mit seinen Angeboten und Services auch zukünftig betreiben zu können, dann im Rahmen eines neuen Förderprogramms der DFG als Fachinformationsdienst für die Wissenschaft (FID). Damit das SSG in den FID Asien überführt werden kann, wurde bereits ein Antrag bei der DFG gestellt.

Mit CrossAsia wurde ein einmaliges Angebot für die Ost- und Südostasienwissenschaften etabliert, das der gesamten deutschen Wissenschaft zur Verfügung steht. Um den erreichten Standard zu halten, auszubauen und durch neue Angebote zu erweitern, ist der FID-Antrag ein maßgeblicher Schritt: CrossAsia soll regional betrachtet umfassender werden.

Es ist geplant, im FID zwei wichtige Angebote zusammenzuführen: Savifa, die vom Südasien-Institut der Uni Heidelberg und der UB Heidelberg betreute Virtuelle Fachbibliothek Südasien, und CrossAsia, betreut durch die Staatsbibliothek zu Berlin. Beide Partnereinrichtungen SAI/UB Heidelberg und die Staatsbibliothek zu Berlin haben beschlossen, ihre innerhalb der Wissenschaft etablierten Fachportale unter CrossAsia zu fusionieren und im engen Dialog mit der Wissenschaft zu einem „Fachinformationsdienst Asien“ auszubauen. Das Angebot wird unter dem Namen CrossAsia weitergeführt werden. Bereits im Juli 2015 werden die ersten Schritte zur Zusammenführung und Neukonzeption der bislang getrennten Angebote unternommen. Damit werden die Weichen für die kooperative Weiterentwicklung eines gemeinsamen asienwissenschaft-lichen Fachportals gestellt.

Was planen wir mit dem FID-Antrag an die DFG genau? Im Mittelpunkt des Antrags stehen die notwendigen Mittel für einen angemessenen Bestandsaufbau im Bereich der Asienwissenschaften. Diese Mittel sollen für gedruckte Publikationen, aber vor allem für elektronische Angebote verwendet werden. Alle Erwerbungen werden über CrossAsia verfügbar sein.

Der Blaue Leihverkehr, der auch auf den von Heidelberg betreuten Bereich Südasien ausgeweitet wird, ermöglicht den Zugriff auf gedruckte Publi-kationen. Der Zugang zu den lizenzierten elektronischen Inhalten wird weiterhin garantiert und ausgebaut. Ziel wird es außerdem sein, die CrossAsia Suche maßgeblich zu verbessern und um Volltexte zu erweitern. Dies wird teilweise experimentell geschehen müssen. Wir hoffen, damit zukünftig Anforderungen aus dem Bereich der „Digital Humanities“ besser bedienen zu können.

Eine wesentliche Erweiterung von CrossAsia wird der Bereich des „E-Publishing“ sein. Bereits seit 2006 unterstützen und fördern die UB Heidelberg und die SAI-Bibliothek auf dem Feld des elektronischen Publizierens die Verbreitung des Open Access-Gedankens innerhalb der deutschen Südasienwissenschaften; sie erhöhen damit die Sichtbarkeit der Publikationen und sorgen für eine bessere Verbreitung der Forschungsergebnisse in nationalen bzw. internationalen Kontexten. Über ihren gut etablierten Dokumentenserver SavifaDok, der als Publikationsplattform der Veröffentlichung, Erschließung und Archivierung südasienwissenschaftlicher Literatur diente und nun als CrossAsia-Repository weitergeführt wird, werden aktuell über 3.300 elektronische Volltexte bereitgestellt. Neben Erstpublikationen, z.B. den „Working Papers in Modern South Asian Languages and Literatures“, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern editorisch betreut werden, beinhaltet das Repository auch Zweitveröffentlichungen, die bisher nicht digital zur Verfügung standen, wie z.B. die „Südasien-wissenschaftlichen Arbeitsblätter“. Dieses Publikationsangebot steht in Zukunft auch den Ost- und Südostasienwissenschaften zur Verfügung. Weitere Punkte des FID-Antrags betreffen die technische Infrastruktur von CrossAsia sowie die Digitalisierung von Materialien für die Wissenschaft.

Ob unser gemeinsamer Antrag erfolgreich sein wird, erfahren wir erst Ende 2015. Bis dahin heißt es hoffen, aber vor allem arbeiten: an der Integration der Angebote zu Südasien in CrossAsia, an Schulungen und am stetigen Ausbau der CrossAsia Inhalte.

CrossAsia-Arbeitstreffen

Am 12. April 2013 kamen 35 Vertreterinnen und Vertreter aus den deutschen Ostasienwissenschaften zu einem Arbeitstreffen in den Räumlichkeiten der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, zusammen. Die Ostasienabteilung hatte eingeladen, unter dem Titel „CrossAsia: 10 Jahre Digitale Infrastrukturen in den Ostasienwissenschaften“ gemeinsam Rückblick und Ausschau zu halten. In den zurückliegenden zehn Jahren des CrossAsia-Projekts wurden dem Portal kontinuierlich neue Funktionalitäten hinzugefügt und das Angebot an lizenzpflichtigen Datenbanken Stück um Stück aufgebaut. Heute steht allen Nutzern der Online Guide East Asia (OGEA), die CrossAsia Suche, Forum und Newsletter frei zur Verfügung. Registrierte Nutzer können darüber hinaus auch auf die lizenzpflichtigen Datenbanken und die virtuelle Forschungsumgebung CrossAsia Campus zugreifen und sich aktiv am Forum beteiligen. Mit Blick auf die Bedürfnisse unser Nutzer werden Funktionaliäten und Angebote des Portals weiter ausgebaut und verbessert, wie z.B. die CrossAsia Suche (s. hierzu auch den Beitrag in diesem Newsletter), oder auch das vielleicht ab Spätherbst, nach der Umstellung auf eine überarbeitete Webseite, mögliche Anlegen einer individuellen Datenbankauswahl aus dem Gesamtangebot.

Anschließend wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Ausblick gegeben auf die bevorstehenden Veränderungen bei der Überführung der Sondersammelgebiete (SSG) zu so genannten Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft (FID). Diese sollen in Zukunft, mithilfe der Kompetenzzentren für Lizenzierung, die verschiedenen Fachgebiete betreuen. Die Überführung erfolgt in mehreren Schritten, wobei das SSG 6,25 Ost- und Südostasien im Jahr 2015 umgestellt werden wird. Die Umstrukturierung bringt vor allem Änderungen in den Erwerbungsrichtlinien mit sich. So wird z.B. die „Reservoir-Funktion“ der Bibliotheken, also das Sammeln von Literatur „auf Vorrat,“ zugunsten einer stärkeren Orientierung am aktuellen wissenschaftlichen Bedarf aufgegeben. Außerdem gilt zukünftig die so genannte „e-only-policy“, d.h., wenn es eine elektronische Ausgabe eines Titels gibt, so ist dieser in der Erwerbung der Vorzug gegenüber der gedruckten Ausgabe zu geben. Beide Punkte wurden von den Teilnehmer entweder als beunruhigende Entwicklung der wissenschaftlichen Grundversorgung gesehen oder als notwendiger Prozess, der neue Strukturen der Informationsversorgung schaffen wird.

Wir können aber feststellen, dass wir bereits in den zurückliegenden Jahren Schritte in die richtige Richtung unternommen haben, so dass der Wechsel in das neue FID-System keine gravierenden Änderungen oder gar Einbußen unseres Services mit sich bringen wird.

Ein weiteres Thema des Arbeitstreffens war die zukünftige Rolle von CrossAsia in den Forschungsinfrastrukturen der Ostasienwissenschaften. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wird bei zukünftigen Anträgen verstärkt auf ein nachhaltiges Konzept zur Langzeitarchivierung der Forschungsdaten und -ergebnisse achten, d.h. bereits bei Antragstellung muss eine entsprechende Infrastruktur gewährleistet sein. Die Ostasienabteilung bzw. CrossAsia könnte hier als Partner in Ihren Projekten fungieren. Die Bibliothek der Zukunft wird aller Voraussicht nach nicht nur gefordert sein, fertig formulierte Dokumente vorzuhalten und bereitzustellen, sondern sie wird sich auch um Strukturen für sogenannte Forschungsrohdaten bemühen müssen.
Die Ostasienabteilung bzw. CrossAsia sieht darüber hinaus auch noch eine Reihe weiterer wichtiger Aufgaben, die der Beachtung und Behandlung harren. Da wäre neben der Erschließung noch unbearbeiteter Nachlässe im eigenen Bestand, z.B. der Aufbau und die Bereitstellung eines Foto-/Bildarchivs der Ostasienwissenschaft, in dem z.B. die privaten Dia- und Fotonachlässe von Ostasienwissenschaftlern abgelegt und dann von diesen selbst oder per Crowdsourcing erschlossen werden könnten. Auch der Aufbau einer Infrastruktur zur Unterstützung der ostasiatischen Institutsbibliotheken wäre ein Desiderat. Für diese Aufgaben fehlen jedoch derzeit die personellen bzw. finanziellen Kapazitäten.

Das Treffen abschließend wurden die Ergebnisse der CrossAsia-Nutzerumfrage vorgestellt (s. Artikel in diesem Newsletter) und in einer Runde Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht, wie in der Praxis das CrossAsia-Angebot in die Lehre eingebunden wird.

Wir bedanken uns hiermit noch einmal bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die rege Beteiligung am CrossAsia-Arbeitstreffen!

Historische Bandkataloge der Ostasiensammlung

Als Teil des Projekts SSG 6,25 Digital wurden auch die historischen Bandkataloge der Ostasienabteilung
digitalisiert. Die „sinologischen“ , d. h. jene, die die chinesischen und mandschurischen Titel verzeichnen, stehen bereits über das Portal der Digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek und über die Seite Recherche und Ressourcen zur Verfügung.

Der ostasiatische bzw. chinesische Bestand der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin rühmt sich ja der Tatsache, dass der erste gedruckte Katalog der Bibliothek ihm gewidmet war. Sein Autor, Probst Andreas Müller, benötigt für die dort für das Jahr 1683 verzeichneten 25 Titel jedoch nur eine einzige Druckseite (s.u. Catalogus Librorum Sinicorum). Müllers im gleichen Jahr erschienene „Andere Theil“ umfasste dann vor allem die Aufschlüsselung der Bände des Zizhi tongjian 資治通鑑.

Catalogus Librorum Sinicorum   Anderer Theil   Klaproth: Verzeichniss (1822)   Schott: Verzeichniss (1840)

Als gedruckte Kataloge folgten Klaproth und Schott 1822 bzw. 1840. Diese stellten in ihren Katalogen den mittlerweile zu respektabler Größe angewachsenen Bestand jedoch nur in Auswahl vor.

Erst der uns erhaltene älteste Bandkatalog des ostasiatischen Bestands versuchte den gesamten
katalogisierten Bestand abzubilden. Dieser Katalog wurde 1847 begonnen, also über 170 Jahre nachdem die ersten chinesischen Titel ihren Weg in den Bestand der „Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree“ gefunden hatten. Er zeigt somit keine Chronologie der Anschaffung, sondern listet die 1.603 Libri sinici Signaturen, die wohl erst nach dem Klaproth’schen Katalog von 1822 vergeben wurden, in numerischer Ordnung auf und versieht diese mit einer kurzen – anfangs lateinischen später deutschen – „Übertragung“ des Titels bzw. Werkinhalts und meist einer Transkription. Erst für die Titel im hinteren Teil werden durchgehend auch Schriftzeichen angegeben; für manche der vorderen Titel wurden sie später nachgetragen.

Libri sin. Katalog (1847-1913)Der Katalog wurde bis ca. 1913 geführt und bis noch vor nicht allzu langer Zeit haben verschiedene Bibliothekarenhände eifrig ihre Spuren in diesem Dokument hinterlassen. Zum Beispiel verweisen die Vermerke „K.“ oder „Sch.“ unter der Signatur auf Seite und Eintrag im Klaproth- bzw. Schott-Katalog, und rote Haken darauf, dass die Signatur nach dem Krieg nach (Ost-)Berlin zurückgekehrt ist. Der Bandkatalog war vor allem ein Arbeitsinstrument. Als 1912 einige größere Erwerbungen gemacht werden konnten, wurde, wohl auch, um den Anbruch einer neuen Zeit zu signalisieren, die Signaturengruppe Libri sin. N.S. (Neue Sammlung) ins Leben gerufen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 2049 Libri sin. N.S. Signaturen vergeben. Auch für dieses Segment können die Bandkataloge jetzt Online eingesehen werden. Der 1913 begonnene erste Bandkatalog der Libri sin. N.S. verzeichnet die Signaturen Libri sin. N.S. 1 bis 1650, der daran anschließende zweite Katalog die Signaturen bis 2049 und dann ab der Nummer 2050 bis 2417 die Zugänge an chinesischen Titeln der Deutschen Staatsbibliothek der DDR bis ca. 1962.

In der DDR wurden die Libri sin. N.S. Signaturen ab 1963 mit 10.001 neu ansetzend weitergeschrieben. Diese „neueren“ Bandkataloge der DDR sind derzeit noch nicht digitalisiert.

Libri sin. N.S. (1913-ca.1933)   Libri sin. N.S. (1933-ca.1940)

Zwei weitere handschriftliche Bandkataloge bzw. Bibliotheksverzeichnisse ergänzen das neue Online-Angebot. Da ist zum einen das „Verzeichniss chinesischer Manuskripte und Druckwerke aus der Bibliothek des Dr. Friedrich Hirth,“ die 1890 von der Preußischen Staatsbibliothek erworben wurde, zum Anderen der 1911 erstellte Katalog der sogenannten „Pekinger Sammlung.“

Katalog Slg. Hirth (1890)   "Pekinger Sammlung"

Für den neu angeschafften ostasiatischen Bestand im ehemaligen Westen, der sehr bald auf reine
Nummernsignaturen umgestellt wurde, sind keine solchen Bandkataloge erstellt worden.
Dieser Bestand wurde in einem Titel- und Verfasserkatalog, der für die chinesischen Titel in Wade-Giles geführt ist, erfasst. Dieser Katalog war bis vor nicht allzu langer Zeit nur über den Zettelkatalog vor Ort im Lesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin komplett recherchierbar (der Teil bis Ende der 1970er Jahre liegt auch in Buchform vor).

Über die fast abgeschlossene Retrokonversion sind die chinesischen und japanischen Titel nunmehr
aber auch im Online Katalog der Ostasienabteilung nachgewiesen. Die koreanischen Titel werden
folgen. Der Bestandszuwachs an Ostasiatica in der DDR wurde in den alten Ostasien-Zettelkatalog (den „Alten Haus-1-Katalog“) einsortiert und ist derzeit nur dort nachgewiesen.

Viele der Titel, die in den oben genannten Bandkatalogen aufgeführt werden, sind aus der kriegbedingten Verlagerung nicht zurückgekehrt. Ein Teil dieses Bestands wird heute in der Biblioteka Jagiellońska in Krakau verwahrt. Viele Bücherkisten sind aber wohl an ihrem vermeintlich sicheren Ort verbrannt oder ihr Verbleib ist unbekannt. Als einen ersten Schritt in Richtung virtuelle Zusammenführung des noch auffindbaren Ostasienbestands hat der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zunächst für ein Jahr ein Projekt zur Digitalisierung und Katalogisierung der
ostasiatischen Berlinka in Krakau bewilligt. Das Projekt ist Anfang 2013 gestartet und wir werden in einem der nächsten Newsletter ausführlicher darüber berichten. Soviel zu unseren handschriftlichen Bandkatalogen. Diese sollen, solange die Katalogisierung der hiesigen Libri sin. noch nicht ganz abgeschlossen, und die der Krakauer ostasiatischen Berlinka im Rahmen des BKM-Projektes erst begonnen werden muss, Ihnen einen Eindruck von den chinesischen und mandschurischen Beständen vermitteln, wie sie im 19. Jahrhundert oder in den 1930er Jahren in der damaligen Preußischen Staatsbibliothek zur Verfügung standen.

SSG 6.25 Digital – Digitalisierungsprojekt der Ostasienabteilung: Zwischenstand

In dem von der DFG geförderten Projekt werden ausgewählte Teile unseres Bestandes an ostasiatischen Rara digitalisiert und frei über die Seite der digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin zur Nutzung und als PDF-Download angeboten. Das Projekt umfasst die tibetischen Texte der Sammlung Waddell (nach der Zählung des VOHD-Katalogs 429 Titel), die mandschurische Sammlung (ca. 300 Titel), die alte Japan-Sammlung (499 Titel, alle im sogenannten Kraft-Katalog nachgewiesen), die alte China-Sammlung (Libri sinici, ca. 300 Titel) und ca. 200 Titel der Sammlung Haenisch. Als sechster Teil werden etwas über 4.000 Titel an westlichsprachigen Beständen mit Ostasienbezug bis zum Publikationsjahr 1912 digitalisiert. Die einzelnen Bände werden in ihren zentralen Strukturelementen (d.h. i.d.R. auf Kapitelebene) erschlossen, welche dann ebenfalls indexiert werden und recherchierbar sind. Diese Suche funktioniert z. Z. nur über die Seite der Digitalisierten Sammlungen, wird aber ebenfalls in die CrossAsia Suche integriert werden. Mit Stand von Anfang Dezember 2012 sind bereits 120 Japonica, 29 Mandschurica, 124 Sinica, 37 Tibetica und 2.135 westlichsprachige Titel online verfügbar und damit insgesamt rund 730.000 Einzelseiten online und mit über 75.000 Strukturelementen erschlossen. Im Laufe der kommenden Monate werden die noch ausstehenden Titel sukzessive online gestellt.
Aber es lohnt sich jetzt schon, darin zu stöbern.

Dafür sind für Sie mehrere Einstiege möglich:

1. über die Webseite der digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek:

Die einzelnen Sammlungen können direkt über die Verlinkung im rechten unteren Bereich durch Aufklappen des Feldes „mehr“ hinter „Ostasiatica“ angesteuert werden.

Über den Suchschlitz können Sie hier auch nach Titeln (in Originalschrift) direkt suchen oder Begriffe (ebenfalls in Originalschrift) abfragen, an denen Sie interessiert sind. Sollten diese Begriffe (z. B. Shanghai, Nagasaki, Yedo, 源氏 etc.) in Kapitelüberschriften vorkommen und durch uns als Strukturelement aufgenommen worden sein, werden Ihnen diese Kapitel/Abschnitte direkt in der Treffermenge angezeigt.

Wenn Sie sich in der Ansicht eines einzelnen Werkes befinden, können Sie das Buch entweder seitenweise durchblättern oder aber über die Inhaltsübersicht auf der linken Seite einzelne Hefte, Kapitel, Abschnitte oder auch Abbildungen direkt ansteuern. Mit dem Werkzeugkasten (Aufruf über die Schaltfläche am oberen Rand) stehen weitere Funktionen zur Verfügung. Unter „Zusatzfunktionen“ befindet sich z.B. die Möglichkeit eines PDF-Download.

Durch Anklicken werden Sie auf eine Seite mit den Download-Möglichkeiten weitergeleitet (z. B. den Abschnitt in dem Sie sich gerade befinden, das gesamte Kapitel zu dem der Abschnitt gehört oder auch das ganze Buch).

 

2. Sucheinstieg über den OPAC der Staatsbibliothek (nur westlichsprachige Titel):

bild unbenanntDie einzelnen Titel können im OPAC recherchiert werden. Für bereits digitalisierte Werke erscheinen zwei Katalogaufnahmen: Eine mit einem Buchsymbol für das physische Buch, eine mit einem binären Code für das Digitalisat.

In der Katalogaufnahme für das Digitalisat findet sich dann ein Link, über den Sie zur elektronischen Form des Buches weitergeleitet werden.

3. Sucheinstieg über den Ostasien-OPAC oder die CrossAsia-Suche:

Recherchiert werden können alle Titel in ostasiatischen Sprachen in Originalschrift und der westlichsprachige Bestand der Staatsbibliothek (in CrossAsia-Suche voreingestellt, im Ostasien-OPAC muss der StaBiKat über die Bestandsauswahl rechts oben auf der Webseite zugeschaltet werden).
Die Trefferanzeige ist analog zu der im Katalog für den westlichsprachigen Bestand: je eine
Katalogaufnahme für das physische Buch und eine für das Digitalisat; die Weiterleitung auf die
Präsentation des Titels in den digitalisierten Sammlungen erfolgt über einen Link im Katalogeintrag.
Im Ostasien-OPAC kann man über die erweiterte Suche sämtliche Digitalisate recherchieren.Man wählt als Suchbereich „Alle Wörter“ aus, gibt als Suchbegriff „ssg 6,25“ ein und wählt als Materialart die „Online-Ressourcen“ aus.

Als Ergebnis erhält man alle Digitalisate, die man dann über die Filterfunktion an der linken Bildschirmseite nach Sprachen weiter filtern kann.

Die Japonica können auch über die Schlagwortsuche 貴重書, キチョウショ, kichousho (wahlweise Eingabe mit Kanji, Katakana oder Romaji) als Sammlung recherchiert und angezeigt werden; die Tibetica lassen sich, außer über den Filter „Sprache“, auch über die trunkierte Suche nach der Signatur: Waddell* als Sammlung anzeigen.