Ausschnitt, Einband des „Fremdenführer durch das Kriegsgefangenenlager Bando, Japan“ (Signatur B-04)

Bandō-Sammlung des DIJ nun in Berlin

Ende 2021 kam die so genannte Bandō-Sammlung des Deutschen Instituts für Japanstudien (DIJ, Tokyo) als Depositum in die Betreuung durch die Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin-PK (SBB-PK). Während des ersten Weltkriegs gerieten nach der Kapitulation von Tsingtau (i.e. Qingdao) im November 1914 rund 4700 Deutsche und Österreich-Ungarn in japanische Kriegsgefangenschaft. Sie wurden zunächst in zwölf eher provisorisch eingerichteten Gefangenenlagern untergebracht, die über ganz Japan verteilt waren und teils aus ehemaligen Tempeln, Teehäusern und öffentlichen Gebäuden bestanden. Der Krieg zog sich jedoch länger hin als zunächst erwartet. Überdies wurde die zum Teil unzureichende Unterbringung bei Inspektionen, welche die Schutzmächte Deutschlands veranlassten, kritisiert. Letztlich kam es zur Errichtung neuer Barackenlager, in welche die Gefangenen größtenteils verlegt wurden. Mit ca. 1000 Personen war das Lager Bandō (Präfektur Tokushima) eines der größten Sammellager. Unter der Leitung des sehr human eingestellten Lagerkommandanten MATSUE Toyohisa konnte sich die Eigeninitiative der Kriegsgefangenen voll entfalten. Von Vorteil war hierbei, dass die wenigsten von ihnen Berufssoldaten waren, sondern sich als Reservisten oder Freiwillige für den Dienst gemeldet hatten und somit über die unterschiedlichsten Fachkenntnisse verfügten.

Werbung der Geba auf der Rückseite des „Führer durch die Ausstellung für Bildkunst und Handfertigkeit, Kriegsgefangenenlager Bando, 1918“ (Signatur B 01)

Werbung der Geba auf der Rückseite des „Führer durch die Ausstellung für Bildkunst und Handfertigkeit, Kriegsgefangenenlager Bando, 1918“ (Signatur B 01)

Mit Sport, Gemüseanbau und allerlei Gewerben – von der Lagerbäckerei Geba über Warmbadeanstalten bis hin zum Fotoatelier – wurde versucht, die langen Stunden der Gefangenschaft sinnvoll zu füllen. Darüber hinaus engagierten sich zahlreiche der Insassen bei kulturellen Veranstaltungen wie Konzerten, Theaterstücken, Unterrichts- und Vortragsreihen. Eine Druckerei entstand ebenfalls, wodurch die Aktivitäten der Gefangenen in den erhaltenen Lagerdrucken sehr gut dokumentiert sind. Die Bandō-Sammlung war ehemals 1998 vom DIJ erworben und 2004/2005 durch zwei Schenkungen ergänzt worden. Sie umfasst neben den beiden Zeitungen, dem „Täglichen Telegrammdienst Bando“ und „Die Baracke“, monographische Werke, Vortragstexte, Landkarten, Theater- und Konzertprogramme, Fotoaufnahmen sowie einige Stücke der Kriegsgefangenenpost. Des Weiteren werden zusätzlich Fotos, drei Fotoalben, weitere Gefangenenpost und eine Reihe Druckerzeugnisse unter der Bezeichnung „Bandō-Sammlung“ subsummiert, die eigentlich in anderen Kriegsgefangenenlagern wie beispielsweise Marugame und Kurume entstanden sind.

Als ein Beitrag des DIJ zur Initiative „Deutschland in Japan 2005/2006“ wurde so gut wie die komplette Bandō-Sammlung digitalisiert und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf der auf Deutsch und Japanisch angelegten Webseite findet sich neben einem Katalog, der zahlreiche Titel bis auf Inhaltsebene erschließt, eine virtuelle Ausstellung, in welcher das Lagerleben unter anderem unter den Aspekten Verpflegung, Theater, Austausch zwischen Deutschen und Japanern sowie durch einen virtuellen Lagerrundgang beleuchtet wird. Perspektivisch sollen diese Inhalte auf Webseiten der SBB-PK umziehen und ein Portal zu Materialien, die mit den japanischen Kriegsgefangenenlagern von 1914-1920 in Verbindung stehen, geschaffen werden. Eine professionelle Neudigitalisierung der Sammlung befindet sich ebenfalls in Vorbereitung

Ursprünglich verfügte die SBB-PK über eine sehr umfängliche Sammlung an Lagerdrucken aus Bandō, welche jedoch im Zweiten Weltkrieg teilweise verloren ging. Trotz einiger Dopplungen bildet das Depositum des DIJ insofern eine höchst erfreuliche Erweiterung zu den Titeln, die sich noch im Bestand der SBB-PK befinden. Einige dieser Werke wurden vor einigen Jahren für die Europeana Collections 1914-1918, die dem Ersten Weltkrieg gewidmet ist, bereits digitalisiert wie beispielsweise der „Fremdenführer durch das Kriegsgefangenenlager Bando, Japan“, der im August 1918 angefertigt wurde, als rund 90 Gefangene aus dem Lager Kurume nach Bandō verlegt wurden. Aus jenem Lager Kurume stammt auch ein Konvolut von 39 Veranstaltungsprogrammen, welches 2013 von der SBB-PK erworben werden konnte und ebenfalls bereits in digitaler Form zugänglich ist.

„Hauptstraße“ im Lager Bandō (Signatur H 57-01)

„Hauptstraße“ im Lager Bandō (Signatur H 57-01)

The World of a Nineteenth-Century Uyghur Village

Eric Schluessel (Ph.D.) ist Sozialhistoriker und widmet sich in seiner Forschung vor allem der Region Xinjiang (Chinesisch Zentralasien) im 19. und 20. Jh. Derzeit ist er als Assistant Professor of History and International Affairs an der George Washington University tätig. Im Sommer 2021 hielt  er sich als Stipendiat im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an der Staatsbibliothek zu Berlin auf und studierte vormoderne Handschriften aus Xinjiang. In diesem Blogpost gibt er einen kurzen Einblick in seine Forschung an der SBB.

 

The homeland of the Uyghur people now appears constantly in the news. This region in Northwestern China, called “Xinjiang” in Chinese, is a vast land of mountains, deserts, oases, and grasslands. Its autochthonous majority, known today as Uyghurs, speak a language related to Turkish and mainly practice Islam. Their homeland was incorporated into the China-based Qing empire in the 1750s, and the tension between Turko-Islamic and Chinese or Confucian cultures has shaped interactions between communities in the region ever since.

That tension is highly apparent in historical scholarship, which has tended to focus on the politics of Uyghur ethnic identity over the past two hundred years, for example the question of the origins of Uyghur nationalism. That is to say, the present issue of interethnic and religious conflict has helped define how historians think about the Uyghur past and select research topics.

In the midst of tragedy and politics, how can we remember that history is also the story of ordinary people? The history of everyday life is a powerful thing. It humanizes people in distant places and times by showing how their struggles and daily victories reflect our own. Now a pair of remarkable historical documents from villages in the Uyghur homeland at the Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) are opening new windows into that history of everyday life by illuminating economic history at the village level.

The documents both arrived at SBB thanks to the Tibetologist, Mongolist, Indologist and Sinologist Georg Huth (1867–1906). In 1902, Huth traveled with a German Turfan expedition to the Uyghur homeland, specifically to the oasis of Turfan. There, in the town of Qarakhoja, he purchased a number of manuscripts written in Chaghatay, the literary language of which modern Uyghur is an immediate descendant. Following his death, those manuscripts were given to SBB. There, one key manuscript was cataloged but largely ignored, and another was forgotten about entirely until 2019, when Dr. Aysima Mirsultan, a librarian at SBB and expert in the history of the Turkic world, noticed it in the library’s vaults.

Figure 1 : An excerpt from Aurel Stein’s maps of the Uyghur homeland, indicating the oasis of Turfan and town of Qarakhoja (“Kara-khōja”) (Source: map based on no. 28 and 31 of item from “Digital Silk Road Project” (National Institute of Informatics/Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books)

Those manuscripts, along with many other sources that have recently come to light, show how Uyghurs conceived of and undertook economic activities at the village level, and even used the institutions of the Qing empire to stabilize prices and provide relief to those affected by disasters. One manuscript, Ms. or. fol. 3303, is a notebook kept by a merchant who sold cloth, leather, and fur. It dates to 1895, which was a complicated year for the Uyghur homeland’s economy, as the Qing empire was withdrawing the subsidies that kept the Xinjiang government afloat. The other manuscript, the recently discovered Ms. or. fol. 4221, is actually a collection of ten notebooks dating to around the same time. These notebooks describe the activities of the “relief granary,” a special Chinese institution used to balance market prices for vital commodities by collecting grain and releasing it strategically onto the market.

I get the feeling that the merchant’s notebook (Ms. or. fol. 3303) received so little scholarly attention in part because the handwriting is so difficult to decipher. When we read it, we get a sense of a merchant with several apprentices, each of whom writes with different handwriting and spelling. One of them—the merchant himself, I think—had a clear and educated hand and favored a reed pen, while his underlings scrawled in ink or pencil, sounding words out letter-by-letter. Even common words can be difficult to decipher, let alone the obscure terminology related to cloth and leather. Many Chinese words also appear, but these are written in Arabic letters instead of Chinese characters, adding to the confusion.

Figure 2: A page from Ms. or. fol. 3303, showing the different “hands” that wrote in this notebook. Each entry is enclosed in a bubble.

Nevertheless, once we decipher the handwriting, the information within gives us an unprecedented picture of artisans and merchants in Turfan. We even see examples of women’s roles in production and the market. Several named women purchased cloth and other materials from the shop, and then returned later on to sell back the hats they had made. These colorful four-cornered skullcaps, called doppa, are a mainstay of Uyghur dress to this day. Let us consider the example of a woman named Harnisa:

Harnisa purchased 1 foot 3 inches of velvet at .8 silver coins.

Embroidered 12 doppas for us. Borrowed 8 silver. Purchased 1

spool of thread and ½ of cotton matting at .13 silver. Purchased 1

gold coin’s worth of black felt, 1 gold coin’s worth of soap.

Embroidered 3 brocade doppas for us. Embroidered 5 more

brocade doppas for us. Embroidered 5 more brocade doppas for

us. Purchased 1 piece of woven cotton cloth at .35 silver.

Embroidered 4 velvet doppas for us.

Clearly, Harnisa was a regular customer with a longstanding relationship with the shop. She was not alone – many other craftspeople, such as milliners and cobblers, also made bulk purchases from the shop every month. Other customers bought items for personal use: A shirt, or a headscarf, or perhaps an exceptionally fine robe that might be given as a wedding gift.

We can also tell from these entries more or less how much material it took to create a doppa. Indeed, the listed items are all part of a doppa: velvet, brocade, thread, cotton matting for the interior, and soap to stiffen the cloth.  One of those components, gold brocade, was the single most expensive item in the shop, sold at 1.25 silver per inch. (To put it in context, the same notebook states that the price of a loaf of bread was .1 silver.) But Harnisa did not buy her brocade from this shop—perhaps she found a better price elsewhere?

As we look more closely at the merchant’s notebook, families begin to appear: Amrullah the Baker paid his bills in bread, and sometimes his wife, Sherin, brought a few loaves to pay her bills, as well. Fathers, sons, and brothers regularly stopped by to pay each other’s debts, or to purchase gifts for one another. In the future, mapping these relationships will help enrich our understanding of how people organized themselves as families and as workers.

The collection of notebooks from the relief granary (Ms. or. fol. 4221) finally provide some context for the merchant’s records. These notebooks are also written in Chaghatay, but the scribes mainly favored the tools of Chinese writing, such as ink brushes that seem to have been poorly suited to writing the Arabic script. This means that the notebooks are written in a spidery handwriting that takes much practice to read, as well as a kind of shorthand derived from the choppy, dense grammar of Chinese documents. Not to mention, they also use many Chinese words!

Figure 3: Text from Ms. or. fol. 4221

 

Ongoing work on the relief granary notebooks, however, is revealing much about how the Qing state in its local form understood not only the prices of goods, but the value of other things: The notebooks record prices for a day of labor, an hour of water to irrigate one’s field, a small amount of tobacco, and other things that were part of the daily exchanges between ordinary people. Gradually, as it becomes possible to identify the many individuals named in these notebooks, and to compare other documents that describe their landholdings and professions, the world of an Uyghur village in the nineteenth century will come to life.

 

 

The World of a Nineteenth-Century Uyghur Village

Eric Schluessel (Ph.D.) ist Sozialhistoriker und widmet sich in seiner Forschung vor allem der Region Xinjiang (Chinesisch Zentralasien) im 19. und 20. Jh. Derzeit ist er als Assistant Professor of History and International Affairs an der George Washington University tätig. Im Sommer 2021 hielt  er sich als Stipendiat im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an der Staatsbibliothek zu Berlin auf und studierte vormoderne Handschriften aus Xinjiang. In diesem Blogpost gibt er einen kurzen Einblick in seine Forschung an der SBB.

 

The homeland of the Uyghur people now appears constantly in the news. This region in Northwestern China, called “Xinjiang” in Chinese, is a vast land of mountains, deserts, oases, and grasslands. Its autochthonous majority, known today as Uyghurs, speak a language related to Turkish and mainly practice Islam. Their homeland was incorporated into the China-based Qing empire in the 1750s, and the tension between Turko-Islamic and Chinese or Confucian cultures has shaped interactions between communities in the region ever since.

That tension is highly apparent in historical scholarship, which has tended to focus on the politics of Uyghur ethnic identity over the past two hundred years, for example the question of the origins of Uyghur nationalism. That is to say, the present issue of interethnic and religious conflict has helped define how historians think about the Uyghur past and select research topics.

In the midst of tragedy and politics, how can we remember that history is also the story of ordinary people? The history of everyday life is a powerful thing. It humanizes people in distant places and times by showing how their struggles and daily victories reflect our own. Now a pair of remarkable historical documents from villages in the Uyghur homeland at the Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) are opening new windows into that history of everyday life by illuminating economic history at the village level.

The documents both arrived at SBB thanks to the archaeologist Georg Huth (1867–1906). In 1902, Huth traveled with a German expedition to the Uyghur homeland, specifically to the oasis of Turfan. There, in the town of Qarakhoja, he purchased a number of manuscripts written in Chaghatay, the literary language of which modern Uyghur is an immediate descendant. Following his death, those manuscripts were given to SBB. There, one key manuscript was cataloged but largely ignored, and another was forgotten about entirely until 2019, when Dr. Aysima Mirsultan, a librarian at SBB and expert in the history of the Turkic world, noticed it in the library’s vaults.

Figure 1 : An excerpt from Aurel Stein’s maps of the Uyghur homeland, indicating the oasis of Turfan and town of Qarakhoja (“Kara-khōja”)

Those manuscripts, along with many other sources that have recently come to light, show how Uyghurs conceived of and undertook economic activities at the village level, and even used the institutions of the Qing empire to stabilize prices and provide relief to those affected by disasters. One manuscript, Ms. or. fol. 3303, is a notebook kept by a merchant who sold cloth, leather, and fur. It dates to 1895, which was a complicated year for the Uyghur homeland’s economy, as the Qing empire was withdrawing the subsidies that kept the Xinjiang government afloat. The other manuscript, the recently discovered Ms. or. fol. 4221, is actually a collection of ten notebooks dating to around the same time. These notebooks describe the activities of the “relief granary,” a special Chinese institution used to balance market prices for vital commodities by collecting grain and releasing it strategically onto the market.

I get the feeling that the merchant’s notebook (Ms. or. fol. 3303) received so little scholarly attention in part because the handwriting is so difficult to decipher. When we read it, we get a sense of a merchant with several apprentices, each of whom writes with different handwriting and spelling. One of them—the merchant himself, I think—had a clear and educated hand and favored a reed pen, while his underlings scrawled in ink or pencil, sounding words out letter-by-letter. Even common words can be difficult to decipher, let alone the obscure terminology related to cloth and leather. Many Chinese words also appear, but these are written in Arabic letters instead of Chinese characters, adding to the confusion.

Figure 2: A page from Ms. or. fol. 3303, showing the different “hands” that wrote in this notebook. Each entry is enclosed in a bubble.

Nevertheless, once we decipher the handwriting, the information within gives us an unprecedented picture of artisans and merchants in Turfan. We even see examples of women’s roles in production and the market. Several named women purchased cloth and other materials from the shop, and then returned later on to sell back the hats they had made. These colorful four-cornered skullcaps, called doppa, are a mainstay of Uyghur dress to this day. Let us consider the example of a woman named Harnisa:

Harnisa purchased 1 foot 3 inches of velvet at .8 silver coins.

Embroidered 12 doppas for us. Borrowed 8 silver. Purchased 1

spool of thread and ½ of cotton matting at .13 silver. Purchased 1

gold coin’s worth of black felt, 1 gold coin’s worth of soap.

Embroidered 3 brocade doppas for us. Embroidered 5 more

brocade doppas for us. Embroidered 5 more brocade doppas for

us. Purchased 1 piece of woven cotton cloth at .35 silver.

Embroidered 4 velvet doppas for us.

Clearly, Harnisa was a regular customer with a longstanding relationship with the shop. She was not alone – many other craftspeople, such as milliners and cobblers, also made bulk purchases from the shop every month. Other customers bought items for personal use: A shirt, or a headscarf, or perhaps an exceptionally fine robe that might be given as a wedding gift.

We can also tell from these entries more or less how much material it took to create a doppa. Indeed, the listed items are all part of a doppa: velvet, brocade, thread, cotton matting for the interior, and soap to stiffen the cloth.  One of those components, gold brocade, was the single most expensive item in the shop, sold at 1.25 silver per inch. (To put it in context, the same notebook states that the price of a loaf of bread was .1 silver.) But Harnisa did not buy her brocade from this shop—perhaps she found a better price elsewhere?

As we look more closely at the merchant’s notebook, families begin to appear: Amrullah the Baker paid his bills in bread, and sometimes his wife, Sherin, brought a few loaves to pay her bills, as well. Fathers, sons, and brothers regularly stopped by to pay each other’s debts, or to purchase gifts for one another. In the future, mapping these relationships will help enrich our understanding of how people organized themselves as families and as workers.

The collection of notebooks from the relief granary (Ms. or. fol. 4221) finally provide some context for the merchant’s records. These notebooks are also written in Chaghatay, but the scribes mainly favored the tools of Chinese writing, such as ink brushes that seem to have been poorly suited to writing the Arabic script. This means that the notebooks are written in a spidery handwriting that takes much practice to read, as well as a kind of shorthand derived from the choppy, dense grammar of Chinese documents. Not to mention, they also use many Chinese words!

Figure 3: Text from Ms. or. fol. 4221

 

Ongoing work on the relief granary notebooks, however, is revealing much about how the Qing state in its local form understood not only the prices of goods, but the value of other things: The notebooks record prices for a day of labor, an hour of water to irrigate one’s field, a small amount of tobacco, and other things that were part of the daily exchanges between ordinary people. Gradually, as it becomes possible to identify the many individuals named in these notebooks, and to compare other documents that describe their landholdings and professions, the world of an Uyghur village in the nineteenth century will come to life.

 

 

Naval Kishore Press – digital: Digitalisierung und Texterkennung bei Devanagari-Drucken

Der 1858 in der nordindischen Stadt Lakhnau gegründete Verlag Naval Kishore Press (NKP) entwickelte sich in den ca. hundert Jahren seines Bestehens zu einem der bedeutendsten Verlagsunternehmen Indiens. Zu Lebzeiten des Gründers Munshi Naval Kishore (1836-1895) veröffentlichte der Verlag geschätzte 5.000 Titel in den Sprachen Hindi, Sanskrit, Urdu, Arabisch, Persisch und Englisch. Inhaltlich deckte das Verlagsportfolio eine große Bandbreite ab – Schulbücher, Ratgeber, Texte der klassischen Sanskrit-Literatur, Literatur zum Islam, Koran-Ausgaben und Übersetzungen englischer Klassiker, wie z.B. die Dramen William Shakespeares, wurden publiziert. Die CATS Bibliothek / Abteilung Südasien der Universität Heidelberg besitzt mit ca. 2.000 Titeln der Naval Kishore Press einen repräsentativen Querschnitt der Veröffentlichungen dieses bedeutenden Verlagshauses.

Um diesen Schatz für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sichtbarer – und vor allem besser nutzbar – zu machen, wurde im Rahmen des FID Asien das Teilprojekt Naval Kishore Press – digital initiiert. Ausgewählte Hindi- und Sanskrit-Titel in Devanagari-Schrift aus der NKP Sammlung werden im Digitalisierungszentrum der UB Heidelberg digitalisiert. Aus diesen Bildfaksimiles werden unter Einsatz der Plattform Transkribus editierbare Volltextversionen erstellt. Die HTR Engine von Transkribus basiert auf künstlicher Intelligenz und wird folgendermaßen angewendet: Zunächst werden von ca. 200 Seiten des zu erkennenden Materials “Ground Truth” (GT) Transkriptionen erstellt. Dabei handelt es sich um manuell transkribierte 1:1 Wiedergaben des Textes auf dem Bildfaksimile. Die GT und die Bildfaksimile werden verwendet um ein Datenmodell zu trainieren, dessen HTR Algorithmen auf künstlichen neuronalen Netzen basieren und mit dem nun weitere Devanagari-Text automatisch transkribiert werden können. Mit einer Character Error Rate (CER) von 2-5% beim Validierungssatz liefern die beiden trainierten Datenmodelle bereits hervorragende Ergebnisse.

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Digitalisierung indonesischer Handschriften in Kooperation mit The National Library Board of Singapore

Ende Dezember 2016 trat die Leitung des National Library Board of Singapore an die Staatsbibliothek heran, und offerierte im Austausch für nichtkommerzielle Web-Veröffentlichungsrechte die Finanzierung der Digitalisierung von malaiischsprachigen Handschriften. Ähnlich dieser Initiative  – wenn auch in den Dimensionen nicht vergleichbar – war eine Kooperation Singapurs mit der British Library, in deren Rahmen von 2013 bis 2015 sämtliche malaiischsprachigen Handschriften der British Library mit privaten Spendenmitteln digitalisiert worden sind (https://www.bl.uk/press-releases/2013/august/british-library-to-partner-with-national-library-of-singapore-to-digitise-malay-manuscripts). Auch wenn die Kooperation mit Berlin also in etwas kleinerem Rahmen abläuft, so stehen jetzt doch 12 bisher nicht digitalisierte Handschriften den Interessierten in der online Datenbank www.orient-digital.de mit angereicherten Metadaten und Volldigitalisat zur Ansicht bereit. Die digitalisierten Handschriften beinhalten Legenden und Volksmärchen, Geschichtswerke, Gedichte sowie auch Sammlungen zum regionalen Brauchtum.

CrossAsia DoD – die ersten digitalisierten Bücher sind online!

Seit März 2016 bietet “CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien” Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit dem digitalen Wunschbuch einen nachfrageorientierten Digitalisierungsservice. Sie können uns gemeinfreie und noch nicht online frei verfügbare asienwissenschaftliche Werke zur Digitalisierung vorschlagen, und wir stellen Ihnen kostenfrei eine digitale Ausgabe bereit.

Für die Südasienwissenschaften können Sie nun die folgenden ersten fünf Werke auf “Literatur zu Südasien – digital” lesen, herunterladen und annotieren –

William Crooke: A rural and agricultural glossary for the N.-W. Provinces and Oudh (1888)

Jarl Charpentier: The Uttarādhyayanasūtra: the first Mūlasūtra of the Śvetāmbara Jains (1922)

Jayadatta Suri: Aśvavaidyakam: a treatise on the veterinary science (1886)

John Shakespear: A grammar of the Hindustani language (1826)

E. G. Wace: Final report on the first regular settlement of the Simla District in the Punjab, 1881-83 (1884)

Wir freuen uns auf weitere Digitalisierungswünsche, die Sie uns gerne über das Bestellformular oder per Mail (merkel@sai.uni-heidelberg.de) mitteilen können.

Die Suche nach Spuren und Hongpiao 紅票

Vor 300 Jahren, am 31. Oktober des Jahres 1716, ließ der Qing-Kaiser Kangxi von seinem kaiserlichen Druckhaus Wuyingdian circa 300 Exemplare einer Proklamation fertigen und an Ausländer im Lande verteilen – in lateinischer, chinesischer und mandschurischer Sprache geschrieben – markant umrahmt von Drachen mit fünf Klauen und in roter Farbe gedruckt.

Er machte darin klar, jedwede weitere Kommunikation bezüglich des Ritenstreits nicht zur Kenntnis zu nehmen, bis nicht wenigstens einer seiner selbsterwählten jesuitischen Gesandten aus Rom zurückgekehrt und ihm Bericht erstattet habe (für eine Übersetzung der Proklamation siehe den Beitrag auf der Seite des Ricci Institute). David Helliwell, Curator of Chinese Collections, Bodleian Library, wertet das Schreiben auch als Spurensuche nach Kangxis vier Gesandten, die er zehn bzw. acht Jahr zuvor offiziell für Verhandlungen nach Rom entsandt hatte. Jedoch alle vier, Fr. António de Barros, S.J. [龍安國], Fr. Antoine de Beauvollier, S.J. [薄賢士], Fr. Giuseppe Provana, S.J. [艾若瑟] und Fr. José Raimundo de Arxo, S.J. [陸若瑟] sind unterschiedlichen Schicksalsschlägen erlegen und waren schon lange nicht mehr am Leben, als Kangxi sein Hongpiao verbreiten ließ.

Heute nun sind es die Hongpiao selbst, denen sich die Spurensuche von Forschern und Bibliothekaren widmet. Helliwell hat vom Bodleischen Hongpiao ausgehend 2011 begonnen, alle nachgewiesenen Hongpiao in einem Blogeintrag zu versammeln; im gerade erschienen Bibliotheksmagazin der beiden Staatsbibliotheken München und Berlin hat Renate Stephan, Fachreferentin für Ostasien in der Bayerischen Staatsbibliothek, in ihrem Beitrag nun das Münchner Exemplar gewürdigt (S.32-36). Das Berliner Hongpiao wurde bereits 2013 im Rahmen eines DFG geförderten Digitalisierungsprojektes der alten Ostasiensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin neu katalogisiert und digitalisiert (s.o.); doch auch schon im handschriftlichen Bandkatalog der chinesischen Sammlung findet sich eine deutliche Spur zu dem 41,9 x 98,5 cm messenden Blatt unter dem Titel „Epistola Mandarinorum Ytoury de 31. Octobr. 1716 / Nos Ytoury“. Vor nicht allzu langer Zeit hat zudem Hartmut Walravens das Objekt in seinem Katalog Mandschurische Handschriften und Drucke im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin, VOHD XII,8 (Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2014, S.102/3) beschrieben und weiterführende Literaturhinweise gegeben.

[紅票] = 清聖祖仁皇帝: U ing diyan i jergi be i bithe weilere be i hafan iduri, wang doo hûwa, joocang sei bithe (CC BY-NC-CA, Staatsbibliothek zu Berlin)

Wann genau das Objekt mit der Signatur Libri sin. 165 in den Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin gekommen ist, ist nicht bekannt. Heinrich Julius Klaproth, dessen „Verzeichniss“ die direkt nachfolgende Signatur Libri sin. 166 trägt, erwähnt das Objekt nicht; ebenso hat der Katalog von Wilhelm Schott von 1840 es der Aufnahme nicht für würdig befunden. Auch er lieferte keinen vollständigen Katalog der Sammlung.

Man muss zwar immer noch wissen, was man suchen möchte, aber seit nun schon ein paar Jahren ist der „offene Brief“ Kangxis weltweit und mit Originalschrift, Transkription, latinisiertem Titel oder Signatur über den Katalog der Ostasienabteilung (http://crossasia.stabikat.de) oder auch in den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek (http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/) aufzufinden und einzusehen, so dass heute gut auffindbare Spuren zum Objekt hinführen.

Digitalisierung auf Wunsch – CrossAsia DoD geht an den Start

Beim neuen CrossAsia Digitisation on Demand (DoD) wird das namensgebende „on Demand“ groß geschrieben. Seit Ende März 2016 bietet „CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien“ mit diesem nachfrageorientierten und disziplinspezifischen Digitalisierungsservice die Möglichkeit, nicht digital und frei im Netz verfügbare Werke mit Relevanz für die Asienwissenschaften zu digitalisieren und nach dem Prinzip des Open Access zugänglich zu machen. Auf Basis von Digitalisierungswünschen soll damit der digital frei verfügbare asienwissenschaftliche Bestand gezielt und bedarfsgerecht in den kommenden drei Jahren um etwa 300 Bände aus den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) und circa 150 Bände aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Bibliothek des Südasien-Instituts (SAI) der Universität Heidelberg erweitert werden.

Zur Digitalisierung können gemeinfreie Werke vorgeschlagen werden – d.h. die Autorin bzw. der Autor ist seit mindestens 70 Jahren verstorben – und sogenannte „vergriffene Werke“ deutscher Verlage mit Erscheinungsjahr bis 1965, für die kein verlegerisches Angebot mehr besteht und die im Buchhandel nicht länger erhältlich sind. Willkommen sind natürlich auch Werke, für die die Autorinnen und Autoren CrossAsia die einfachen Nutzungsrechte zur Digitalisierung und Bereitstellung übertragen haben.

Dank der Förderung seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft kann das Angebot Forscherinnen und Forschern aus dem Kreis der Asienwissenschaften kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Zur Realisierung der Digitalisierungswünsche steht ein Fond für die nächsten drei Jahre zur Verfügung, der es erlaubt, die Bände im genannten Umfang zu digitalisieren. Die Mittel werden nach dem Prinzip first-come, first-served eingesetzt. Alle in diesem Zusammenhang angefertigten digitalen Reproduktionen werden unmittelbar als Open-Access-Titel in den jeweiligen Bibliotheken (Digitalisierte Sammlung der SBB bzw. Literatur zu Südasien – digital) online zur Verfügung gestellt.

In den Digitalisierten Sammlungen der SBB und am SAI sind bereits zahlreiche Werke aus den Altbeständen in Berlin und Heidelberg, d.h. erschienen bis Anfang des 20. Jahrhunderts, online frei zugänglich. Im Vergleich dazu strebt dieses Angebot an, gezielt diejenigen Titel aus den Beständen in Berlin und Heidelberg zu digitalisieren, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre eigene Forschung benötigen. Damit möchte CrossAsia einen Beitrag zur Förderung spezialisierter Forschung im Bereich der Asienwissenschaften leisten.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://crossasia.org/service/crossasia-dod/.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf SBB aktuell

Historische Bandkataloge der Ostasiensammlung

Als Teil des Projekts SSG 6,25 Digital wurden auch die historischen Bandkataloge der Ostasienabteilung
digitalisiert. Die „sinologischen“ , d. h. jene, die die chinesischen und mandschurischen Titel verzeichnen, stehen bereits über das Portal der Digitalen Sammlungen der Staatsbibliothek und über die Seite Recherche und Ressourcen zur Verfügung.

Der ostasiatische bzw. chinesische Bestand der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin rühmt sich ja der Tatsache, dass der erste gedruckte Katalog der Bibliothek ihm gewidmet war. Sein Autor, Probst Andreas Müller, benötigt für die dort für das Jahr 1683 verzeichneten 25 Titel jedoch nur eine einzige Druckseite (s.u. Catalogus Librorum Sinicorum). Müllers im gleichen Jahr erschienene „Andere Theil“ umfasste dann vor allem die Aufschlüsselung der Bände des Zizhi tongjian 資治通鑑.

Catalogus Librorum Sinicorum   Anderer Theil   Klaproth: Verzeichniss (1822)   Schott: Verzeichniss (1840)

Als gedruckte Kataloge folgten Klaproth und Schott 1822 bzw. 1840. Diese stellten in ihren Katalogen den mittlerweile zu respektabler Größe angewachsenen Bestand jedoch nur in Auswahl vor.

Erst der uns erhaltene älteste Bandkatalog des ostasiatischen Bestands versuchte den gesamten
katalogisierten Bestand abzubilden. Dieser Katalog wurde 1847 begonnen, also über 170 Jahre nachdem die ersten chinesischen Titel ihren Weg in den Bestand der „Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree“ gefunden hatten. Er zeigt somit keine Chronologie der Anschaffung, sondern listet die 1.603 Libri sinici Signaturen, die wohl erst nach dem Klaproth’schen Katalog von 1822 vergeben wurden, in numerischer Ordnung auf und versieht diese mit einer kurzen – anfangs lateinischen später deutschen – „Übertragung“ des Titels bzw. Werkinhalts und meist einer Transkription. Erst für die Titel im hinteren Teil werden durchgehend auch Schriftzeichen angegeben; für manche der vorderen Titel wurden sie später nachgetragen.

Libri sin. Katalog (1847-1913)Der Katalog wurde bis ca. 1913 geführt und bis noch vor nicht allzu langer Zeit haben verschiedene Bibliothekarenhände eifrig ihre Spuren in diesem Dokument hinterlassen. Zum Beispiel verweisen die Vermerke „K.“ oder „Sch.“ unter der Signatur auf Seite und Eintrag im Klaproth- bzw. Schott-Katalog, und rote Haken darauf, dass die Signatur nach dem Krieg nach (Ost-)Berlin zurückgekehrt ist. Der Bandkatalog war vor allem ein Arbeitsinstrument. Als 1912 einige größere Erwerbungen gemacht werden konnten, wurde, wohl auch, um den Anbruch einer neuen Zeit zu signalisieren, die Signaturengruppe Libri sin. N.S. (Neue Sammlung) ins Leben gerufen.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 2049 Libri sin. N.S. Signaturen vergeben. Auch für dieses Segment können die Bandkataloge jetzt Online eingesehen werden. Der 1913 begonnene erste Bandkatalog der Libri sin. N.S. verzeichnet die Signaturen Libri sin. N.S. 1 bis 1650, der daran anschließende zweite Katalog die Signaturen bis 2049 und dann ab der Nummer 2050 bis 2417 die Zugänge an chinesischen Titeln der Deutschen Staatsbibliothek der DDR bis ca. 1962.

In der DDR wurden die Libri sin. N.S. Signaturen ab 1963 mit 10.001 neu ansetzend weitergeschrieben. Diese „neueren“ Bandkataloge der DDR sind derzeit noch nicht digitalisiert.

Libri sin. N.S. (1913-ca.1933)   Libri sin. N.S. (1933-ca.1940)

Zwei weitere handschriftliche Bandkataloge bzw. Bibliotheksverzeichnisse ergänzen das neue Online-Angebot. Da ist zum einen das „Verzeichniss chinesischer Manuskripte und Druckwerke aus der Bibliothek des Dr. Friedrich Hirth,“ die 1890 von der Preußischen Staatsbibliothek erworben wurde, zum Anderen der 1911 erstellte Katalog der sogenannten „Pekinger Sammlung.“

Katalog Slg. Hirth (1890)   "Pekinger Sammlung"

Für den neu angeschafften ostasiatischen Bestand im ehemaligen Westen, der sehr bald auf reine
Nummernsignaturen umgestellt wurde, sind keine solchen Bandkataloge erstellt worden.
Dieser Bestand wurde in einem Titel- und Verfasserkatalog, der für die chinesischen Titel in Wade-Giles geführt ist, erfasst. Dieser Katalog war bis vor nicht allzu langer Zeit nur über den Zettelkatalog vor Ort im Lesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin komplett recherchierbar (der Teil bis Ende der 1970er Jahre liegt auch in Buchform vor).

Über die fast abgeschlossene Retrokonversion sind die chinesischen und japanischen Titel nunmehr
aber auch im Online Katalog der Ostasienabteilung nachgewiesen. Die koreanischen Titel werden
folgen. Der Bestandszuwachs an Ostasiatica in der DDR wurde in den alten Ostasien-Zettelkatalog (den „Alten Haus-1-Katalog“) einsortiert und ist derzeit nur dort nachgewiesen.

Viele der Titel, die in den oben genannten Bandkatalogen aufgeführt werden, sind aus der kriegbedingten Verlagerung nicht zurückgekehrt. Ein Teil dieses Bestands wird heute in der Biblioteka Jagiellońska in Krakau verwahrt. Viele Bücherkisten sind aber wohl an ihrem vermeintlich sicheren Ort verbrannt oder ihr Verbleib ist unbekannt. Als einen ersten Schritt in Richtung virtuelle Zusammenführung des noch auffindbaren Ostasienbestands hat der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zunächst für ein Jahr ein Projekt zur Digitalisierung und Katalogisierung der
ostasiatischen Berlinka in Krakau bewilligt. Das Projekt ist Anfang 2013 gestartet und wir werden in einem der nächsten Newsletter ausführlicher darüber berichten. Soviel zu unseren handschriftlichen Bandkatalogen. Diese sollen, solange die Katalogisierung der hiesigen Libri sin. noch nicht ganz abgeschlossen, und die der Krakauer ostasiatischen Berlinka im Rahmen des BKM-Projektes erst begonnen werden muss, Ihnen einen Eindruck von den chinesischen und mandschurischen Beständen vermitteln, wie sie im 19. Jahrhundert oder in den 1930er Jahren in der damaligen Preußischen Staatsbibliothek zur Verfügung standen.

Staatsbibliothek zu Berlin unterzeichnet Abkommen mit Zhejiang Universität 浙江大学

Abkommen: “On the Preservation, Conservation, Digitisation and Sharing of Ancient and Rare Collections between Zhejiang University Library and the Staatsbibliothek zu Berlin”

Anlässlich der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der in Hangzhou ansässigen Zhejiang Universität
浙江大学 und der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz fand am 9. November 2012 im Haus an der Potsdamer Straße ein Festakt statt.
In dem Abkommen wird der konkrete Zugang bzw. die Nachnutzung der Digitalen Sammlungen an chinesischen bzw. China-relevanten Materialien beider Einrichtungen geregelt. Der Austausch soll auch die Zusammen-arbeit im Bereich der vor 1912 erschienenen chinesischsprachigen Materialien und anderer Bestände in westlichen Sprachen beinhalten, die Bezug auf China nehmen und nicht dem Copyright unterliegen.
Dieser internationale Austausch digitaler Daten wird die gelehrte und wissenschaftliche Kooperation
zwischen zwei der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art in China und in Deutschland stärken.

Die Zhejiang-Universität wurde 1897 gegründet (neu gegründet 1998 durch eine Verschmelzung
von vier alten Vorläufer-Universitäten) und ist eine der ältesten Universitäten Chinas, sie befindet sich in der 7-Mio-Einwohner-Stadt Hangzhou und ist eine der Top Vier der neun Elite-Universitäten Chinas.

Festredner anläßlich der Unterzeichnung waren Prof. Dr. Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz), Barbara Schneider-Kempf (Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin), Prof. Dr. Luo Weidong 罗卫东 (Vizepräsident der Zhejiang Universität), Botschafter Dr. Heinrich Kreft (Beauftragter für Deutschlandkommunikation und den Dialog zwischen den Kulturen, Auswärtiges Amt der
Bundesrepublik Deutschland), Dr. Jiang Feng 姜锋 (Gesandter-Botschaftsrat, Bildungsabteilung der Botschaft der Volksrepublik China).

Datenbankportal: CADAL

CADAL (China Academic Digital Associative Library 大学数字图书馆国际合作计划) wurde im Jahre 2002 als Kooperationsprojekt zwischen chinesischen und amerikanischen Institutionen und Forschern begonnen; 2005 wurde der Zugang über ein Internetportal an der Bibliothek der Zhejiang Universität eingerichtet.
Mit der Vereinbarung zwischen der Staatsbibliothek zu Berlin und der Zhejiang University soll zum
Einen die umfangreiche und weiter wachsende Sammlung der SBB-PK an digitalisierten chinesischen Rara und westlichen Titeln über China und Ostasien über das CADAL-Portal angeboten werden. Zum Anderen wird den
Nutzern der Staatsbibliothek zu Berlin bzw. des Sondersammelgebietes Ost- und Südostasien ein authenti-fizierter Zugang zu den 1,5 Mio. elektronischen Einheiten in CADAL ermöglicht.
Die Daten sollen auch in den OPAC der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek integriert werden.
Schon jetzt steht registrierten CrossAsia-Nutzern der authentifizierte Zugang zu CADAL und seinen 1,5 Mio. Einheiten zur Verfügung. Da hier auch Zugriff auf moderne Titel gewährt wird, verwendet das Portal „digital lending“. Auch CrossAsia Nutzer müssen sich also noch einmal bei CADAL individuell einen Loginnamen und Passwort wählen. Als Land und Institution wählen Sie bitte (auf der englischsprachigen Registrierungsseite) „Germany“ und „CrossAsia“ aus.
Danach haben Sie Zugriff auch auf Titel, die noch durch Copyright geschützt sind. Wenn Sie beim Blättern in einem der Titel auf eine Seite mit einem Button „借阅“ stoßen, so können Sie diese Seiten durch anklicken „ausleihen“.
Wenn Sie bereits ausgeliehen sind, dann können Sie an den anderen Nutzer eine Anfrage schicken und um Rückgabe bitten. Auf ihrer persönlichen CADAL Seite (my page) können Sie Ihre letzten Aktivitäten rückverfolgen, sich ausloggen, Anfragen an Sie einsehen usw.

Neben einem breiten Spektrum an modernen Titeln (auch Comics und Wushu-Romane wie z.B. 笑傲江湖) – und einem beachtlichen Fundus an historischen Titeln – zeichnet sich das Angebot von CADAL besonders durch republikzeitliche Monographien und Periodika aus.

Ausstellung: Songhua quanji 宋画全集

GONG Kai: Pferd

“Ausgemergeltes Pferd“ von Gong Kai 龚开 (1222-1307). Osaka Municipal Museum of Fine Arts, Abe Collection. (Abb. aus dem besprochenen Werk).

beschenkte die Zhejiang Universität die Staatsbibliothek mit einer Ausgabe des auf 29 Prachtbände angelegten Werkes Songhua quanji 宋画全集 (Gesammelte Werke der Song-Malerei). Es beinhaltet 1.000 Stücke aus über 100 Museen und Galerien, sowohl in als auch außerhalb Chinas. Über die Charakteristika und den Ursprung der Song-Malerei hinausgehend, decken die ausgewählten Werke nicht nur die Nördliche und Südliche Song-Dynastie ab (A.D. 960-1127; 1127-1279), sondern auch die Fünf Dynastien (907-960), die Liao and Jin (916-1125; 1115-1234), sowie vermischte und nicht identifizierte Malereien.
Die Kompilation wurde von zahlreichen berühmten chinesischen Museen und anderen bedeutenden Ein- richtungen und Personen in Europa, den USA und in Japan unterstützt. Derzeit verfügt die Ostasien- abteilung der Staatsbibliothek damit über den ersten Satz dieser Sammlung in Europa.
Ausgewählte Bände wurden im Anschluss an die Unterzeichnung im November von der Ostasienabteilung
ausgestellt. Die 21 bislang erschienenen Bände der Songhua quanji können über den OPAC der Ostasienabteilung recherchiert und für die Benutzung im OLS-Lesesaal ausgeliehen werden.

Präsentation: The „Digital Dunhuang Mural Image Database Project“ 敦煌壁画数字源库

Außer dieser opulenten Buchedition wurde parallel dazu an gleicher Stelle ein weiteres Projekt der Zhejiang Universität – The „Digital Dunhuang Mural Image Database Project“ 敦煌壁画数字源库 – präsentiert. Als audiovisuelle Präsentation dokumentierte hier die Zhejiang Universität die mit modernster Technik realisierte Digitalisierung der buddhistischen Wandmalereien in Dunhuang (Provinz Gansu).

DunhuangEine Stätte des Weltkulturerbes und berühmt für ihre Kunstschätze sind die 492 Mogao-Grotten 莫高窟, etwa 25 km südöstlich vom Ort Dunhuang gelegen, an der Verzweigung der historischen nördlichen und südlichen Seidenstraßen. Ihre buddhistischen Höhlentempel bilden ein natürliches Kunst-museum mit Wandmalereien, Plastiken und architektonischen Denkmälern. Sie verzeichnen die Chronik eines Jahrtausends kulturellen Austausches über die Seidenstraße(n) zwischen China, Indien, Persien, dem gräkorömischen Reich und Zentralasien.