Forschungsreisen

Auf Informations- und Beschaffungsreise in Taipei, Tainan und Hongkong

Im November 2017 war Miriam Seeger, Fachreferentin für Sinologie, auf Informations- und Beschaffungsreise in Ostasien unterwegs; Stationen waren Taipei, Tainan und Hongkong. Die Reise wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Während der Stationen konnte sie Gespräche mit verschiedenen regionalen Lieferanten und Datenbankanbietern führen, darunter mit dem Buchhändler Lexis Book Co. 樂學書局 und den Datenbankanbietern Airiti 華藝數位 und Transmission Books & Microinfo 漢珍數位圖書. Von Seiten der Anbieter wurden neue Produkte und Services vorgestellt, zudem wurden Fragen bezüglich der Übernahme von Metadaten in unsere Systeme besprochen. Ein weiteres wichtiges Anliegen der Reise war es unter anderem auch, Kontakte zu antiquarischen Buchhändlern und in Hongkong insbesondere auch zu sogenannten Second Floor Bookstores zu knüpfen, um zukünftig für schwer beschaffbare Literatur wie vergriffene Publikationen und solche jenseits des etablierten Buchmarktes bessere Lieferwege zu ermöglichen. Wir hoffen so zukünftig in diesem Bereich Ihre Wünsche noch besser erfüllen zu können. Die Gelegenheit des Aufenthalts in Hongkong wurde zudem wahrgenommen, um eine kleine Sammlung von Titeln zur Occupy Bewegung, die über die bisherigen Lieferkontakte nicht verfügbar waren, zu erwerben. Diese Sammlung soll auch weiterhin ergänzt werden.

 

 

In Taipei wurden an der Academia Sinica die Kuo Ting-yee Library 郭廷以圖書館 des Institute of Modern History 近史所, die Fu Ssu-Nien Library 傅斯年圖書館 des Institute of History and Philology 史語所 sowie die Joint Library of Humanities and Social Sciences 人文社會聯合圖書館, in der die Bibliothek des Institute of Taiwan History 臺史所 angesiedelt ist, besucht. Im Rahmen der Besichtigungen der Bibliotheken mit international herausragenden Sammlungen wurden zudem engere Kooperationsmöglichkeiten eruiert, insbesondere zum direkten und schnelleren Austausch von Ressourcen und Informationen zwischen den Bibliotheken der Academia Sinica und der Staatsbibliothek zu Berlin.

Beim Besuch des National Museum of Taiwan Literature, mit Pei-Jung Lin und Chien Hui Ting (Bild: National Museum of Taiwan Literature)

In Tainan besuchte Miriam Seeger das National Museum of Taiwan Literature 國立臺灣文學舘. Die Ostasienabteilung der Staatsbibliothek erhält dankenswerterweise auf Initiative von Frau Chien Hui Ting 丁千惠 seit 2016 Publikationen des Literaturmuseums als Geschenk. Die diesjährige Reise wurde zum Anlass genommen, die Kolleginnen in Tainan kennenzulernen. Im Rahmen einer Führung durch die Bibliothek des Museums sowie durch verschiedene Schwerpunktausstellungen zur Literaturgeschichte in Taiwan wurde die Kooperation zwischen den beiden Institutionen und das gegenseitige Verständnis in Bezug auf Aufgaben, Ressourcen und Angebote vertieft.

In Hongkong konnte die Gelegenheit wahrgenommen werden, mit der Direktorin der Chinese University of Hong Kong Library, Louise Jones, sowie ihrer Stellvertreterin, Maria Lau, eine Kooperation zwischen der Staatsbibliothek und der CUHK Library zu diskutieren und weiterzudenken. Die Kooperation soll einen engeren Ressourcen- und Informationsaustausch zwischen den Bibliotheken umfassen, darunter sind beispielsweise der Tausch von Publikationen und Materialien, aber auch eine engere digitale Zusammenarbeit angedacht.

Beim Besuch der CUHK Library konnte zudem die beeindruckende Sammlung des Hongkonger Buchhändlers Xu Wancheng 許晚成  mit zahlreichen Titeln aus der Minguo-Zeit sowie der Zeit der Kulturrevolution besichtigt werden. Die sogenannte „Long Wen Collection“ ist nach dem Namen des Buchladens von Herrn Xu benannt, Lung Man Book Store 龍文書店, kantonesisch für Long Wen. Nach dem Tod von Herrn Xu wurden die Bücher des Ladens zunächst in einem Apartment aufbewahrt. Als es niemanden mehr gab, der sich um die Sammlung hätte kümmern können, sollte die Sammlung über eine Recycling-Firma entsorgt werden. Die CUHK Library erfuhr dies durch Zufall und konnte die Sammlung 2010 und 2011 über die Recycling-Firma erworben. Aktuell werden die Titel der Sammlung in die Suchsysteme der CUHK Library eingearbeitet.

Ein weiterer Besichtigungspunkt war das relativ neu etablierte Digital Scholarship Lab, das Studierenden und Forschern einen Raum in der Bibliothek bietet, sich zu neuen Forschungsmethoden zu informieren, diese in einem innovativen und flexiblen Umfeld auszuprobieren und anzuwenden sowie sich mit Gleichgesinnten bei Kolloquien und Vorträgen auszutauschen.

Darüber hinaus konnten während der Reise verschiedene Workshops und Tagungen besucht werden, die dem Informationsaustausch und der Vernetzung dienten:

International Joint Research and Training Program for Nation’s Memory and Archives Management 國家記憶與檔案管理國際培訓研習會

Gruppenbild des International Workshops for Professional Librarians (Bild: National Central Library)

Dieser “International Workshop for Professional Librarians” fand bereits zum fünften Mal an der National Central Library (NCL) in Taipei statt. Dieses Jahr wurde sich dort zu Themen wie Sammlung, Organisation und Erhalt von Schriftgut mit dem Ziel des Aufbaus nationaler Archive ausgetauscht. Zentral vertreten waren u.a. Themen des Erhalts und der Restaurierung von Schriftgut sowie neue Recherchemöglichkeiten und  Digitalisierung. Teilnehmer und Teilnehmerinnen kamen aus Europa, den USA und Kanada, Südostasien, Australien, Hongkong, Singapur und Taiwan.

Musiker bei der Welcome Reception (Bild: National Central Library)

Vorträge von zentralem Interesse hinsichtlich der Entwicklungen und Angebote in Taiwan seien hier beispielhaft genannt: Der Präsident der Academia Historica 國史館, Mi-cha Wu 吳密察, sprach zur Entwicklung digitaler Archive und Sammlungen der Regierung Taiwans im 21. Jahrhundert; die Generaldirektorin der NCL, Shu-hsien Tseng 曾淑賢, präsentierte Stand und geplante Entwicklungen des Taiwan Memory System der Nationalbibliothek; Michael Shi-yung 劉士永 vom Institute of Taiwan History der Academia Sinica stellte die aktuellen Vorhaben im Bereich der Digitalisierung an der Academia Sinica vor, mit Fallbeispielen aus dem Institute of Modern History und dem Institute of Taiwan History; James Quo-ping Lin 林國平, Leiter des Department of Cultural Creativity and Marketing des National Palace Museum, zeigte digitale Anwendungen für augmented reality als Begleitangebote zu den Sammlungen und Ausstellungen des Museums. Weitere Vorträge kamen von Vertretern der Nationalbibliotheken bzw. -archive Südkoreas, Singapurs, Australiens, Kanadas, etc. Der Workshop bot darüber hinaus Gelegenheit, Kontakte zu zahlreiche Bibliotheken mit sinologischen Sammlungen weltweit zu knüpfen. Im Rahmen des Workshops wurden unter anderem die National Archives Administration besucht sowie die dort angesiedelte Restaurierungswerkstatt und das Digitalisierungszentrum besichtigt.

Die Gelegenheit des Workshops nutzte Miriam Seeger auch  dazu, eine Festplatte mit einem Abzug von Sinica-Digitalisaten der Ostasienabteilung an die Kollegen der NCL zu übergeben, die in Kürze  gemeinsam mit weiteren bedeutenden internationalen Sammlungen von Rara-Digitalisaten über das Portal der NCL zugänglich gemacht werden sollen. Für CrossAsia Nutzer und Nutzerinnen besteht nun auch die Möglichkeit, sich Digitalisate der NCL nicht nur anzeigen zu lassen (diese sind seit Beginn 2017 frei zugänglich), sondern diese auch ausdrucken zu können.

大數據時代的古籍進化論研討會 (Neue Entwicklungen zur Erforschung des klassischen chinesischen Buchs im Zeitalter von Big Data)

Webauftritt zur Konferenz „Neue Entwicklungen zur Erforschung des klassischen chinesischen Buchs im Zeitalter von Big Data“

Auf Einladung der Organisatoren, dem Anbieter Transmission Books & Microinfo 漢珍數位圖書, besuchte Miriam Seeger die eintägige Konferenz, die in den Räumen der Academia Sinica stattfand. Die Konferenz sowie die verschiedenen Vorträge von Forschern der National Taiwan University, der Academia Sinica sowie der Chinese University of Hong Kong standen unter dem Motto des Austauschs von Erfahrungen bei der Benutzung von Datenbanken im Kontext der klassischen Sinologie.

8th International Conference of Digital Archives and Digital Humanities (DADH) 第八届數位典藏與數位人文國際研討會

Auf dem Weg zur DADH Konferenz: Campus der NCCU (Bild: NCCU)

Die bereits zum achten Mal stattfindende DADH Konferenz wurde 2017 an der National Chengchi University (NCCU) ausgerichtet und stand unter dem Motto „Digital Humanities Evolving: Past, Present, and Future“ 演化中的數位人文. Zahlreiche Vorträge zu aktuellen Entwicklungen in den DH, wie neue Tools und deren Anwendungsmöglichkeiten, Visualisierungsmöglichkeiten von Daten etc. wurden in Vorträgen und anhand von Postern präsentiert. Miriam Seeger stellte in diesem Kontext mit ihrem Vortrag „CrossAsia – Services and Resources for Digital Humanities in Asian Studies“ aktuelle Entwicklungen im Rahmen des Fachinformationsdienstes CrossAsia – FID Asien vor: Ein sich im Aufbau befindliches Repositorium soll Volltexte aus lizenzierten Datenbanken sowie frei zugänglichen Quellen über die CrossAsia Suche sowie über autorisierte Schnittstellen für registrierte Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung stellen. Sie stellte die sich aktuell im Aufbau befindliche Architektur des Repositoriums vor sowie dessen geplante Verzahnung mit den verschiedenen bereits bestehenden Angeboten von CrossAsia, wie die Suche und das Datenbankangebot. Darüber hinaus stellte sie Überlegungen dazu an, wie dieses Angebot im Rahmen internationaler Kooperationen mit Forschungsinstituten, Bibliotheken, Datenbankanbietern etc. weitergedacht werden kann.

 

 

Informations- und Beschaffungsreise nach Japan

Eingang zur Tôshokan Sôgôten in Yokohama (Staatsbibliothek zu Berlin-PK/Ursula Flache)

Vom 4. bis zum 17. November unternahm Frau Ursula Flache, Fachreferentin für Japan, eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Informations- und Beschaffungsreise nach Yokohama und Tôkyô. Zunächst nahm sie an der dreitägigen Toshokan Sôgôten (図書館総合展, Library Fair & Forum 2018) in Yokohama teil, eine Veranstaltung vergleichbar mit dem Bibliothekartag,  und hörte Vorträge zu aktuellen Entwicklungen im japanischen Bibliothekswesen wie den neuen Angeboten der National Diet Library (NDL) oder der nächsten Generation von Online Repositorien. Die Toshokan Sôgôten umfasst auch einen Messeteil, auf dem sich sowohl Bibliotheken, Archive und andere Informationseinrichtungen als auch Verlage, Bibliotheksausstatter und Datenbankanbieter präsentieren. Im Rahmen der Toshokan Sôgôten sondierte Frau Flache das Titelangebot der dort vertretenen Verlage und führte mit den Datenbankanbietern der großen, japanischen Tageszeitungen, mit denen Lizenzen für CrossAsia bestehen, Gespräche hinsichtlich neuer geplanter Inhalte, die für die nächste Förderphase des Fachinformationsdienstes (FID) Asien interessant sein könnten.

Impression aus Jinbôchô (Staatsbibliothek zu Berlin-PK/Ursula Flache)

Die verbleibende Zeit der Reise verbrachte Frau Flache in Tôkyô und hier vornehmlich im Buchhändlerviertel Jinbôchô. Die Mehrheit der dort ansässigen Buchläden und Antiquariate hat sich auf bestimme Themengebiete spezialisiert, so dass ein gezielte Marktsichtung möglich ist. Frau Flache nutzte den Aufenthalt im Jinbôchô für die Erwerbung von älteren Titeln zur Anime- und Manga-Forschung, da diese Bereiche in der Vergangenheit nur in begrenztem Umfang beim Bestandsaufbau berücksichtigt worden waren. Außerdem wurden mit den Lieferanten, die das Japan-Referat zur Buchbeschaffung nutzt, Fragen zu aktuellen Bestellungen und Angeboten geklärt. An einem Nachmittag gab es zudem ein Treffen mit acht Verlagen, die ausgewählte Titel aus ihrem Programm gemäß dem FID-Sammelschwerpunkt Geistes- und Sozialwissenschaften präsentierten.

Neben Printmedien standen aber vor allem Gespräche zu elektronischen Ressourcen auf dem Programm. Mit mehreren Datenbankanbietern wurde hinsichtlich der Lizenzierung weiterer Inhalte verhandelt. Erfreulicherweise wird ab April 2018 die umfassende Gedichtsammlung 新編国歌大観(角川学芸出版) (Shinpen kokka taikan (Verlag Kadokawa Gakugei)) über die Datenbank JapanKnowledge zu Verfügung stehen. Darüber hinaus besteht die Hoffnung, dass in Zukunft auch japanische eBooks über die CrossAsia Plattform angeboten werden können. Wir werden berichten sobald sich das Angebot konkretisiert.

National Diet Library, Tôkyô (Staatsbibliothek zu Berlin-PK/Ursula Flache)

Bei einem Besuch der National Diet Library (NDL) tauschten sich Frau Flache und die dortigen KollegInnen zum einen zu Fragen des Internationalen Amtsdruckschriftentausches aus und zum anderen gab es ein Informationsgespräch zum Stand der Dinge bei der Revision des japanischen Urheberrechts. Bisher ist es nur japanischen Bibliotheken möglich am so genannten Sôshin Sâbisu der NDL teilzunehmen, was einen erweiterten Zugang zu den digitalen Sammlungen der NDL bedeutet. Schon länger gibt es auch von ausländischen Bibliotheken und Nutzern den Wunsch, dieses Angebot nutzen zu können. Dazu ist jedoch eine Änderung des Urheberrechtsgesetzes notwendig. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits vom Bunkachô eingebracht und im März 2017 bat das Bunkachô via Internet die Öffentlichkeit um Meinungen zu dem Gesetzesvorhaben. Diesen Aufruf verbreitete das CrossAsia Team auch in der japanologischen Fachcommunity auf deutscher und europäischer Ebene, um ein möglichst starkes Signal an die japanische Seite zu senden. Die Ergebnisse des Aufrufs sind inzwischen im Internet veröffentlicht. Im Herbst kam es zu einer vorzeitigen Auflösung des japanischen Parlaments gefolgt von vorgezogenen Neuwahlen am 22. Oktober 2017, wodurch das Vorhaben zunächst zum Stillstand kam.  Es stellte sich daher die Frage, wie es mit dem neuen Zeitplan für die Gesetzesänderung zum Urheberrecht aussieht. Im Gespräch mit der NDL erfuhr Frau Flache, dass der Gesetzgebungsprozess glücklicherweise an der Stelle fortgesetzt wird, an der das Verfahren derzeit zum Stehen gekommen ist. Sobald das Parlament seine Arbeit wieder aufnimmt, steht zunächst die Verabschiedung des Haushalts an. Dies wird voraussichtlich bis ca. Ende März 2018 dauern. Erst danach wird sich das Parlament anderen Gesetzesvorhaben widmen, d.h. die Revision des Urheberrechts wird nicht vor Sommer 2018 in Angriff genommen werden. Wenn hoffentlich das Gesetz angenommen wurde, müssen noch die eigentlichen Regelungen beschlossen werden und die NDL die praktische Organisation festlegen. Voraussichtlich werden die ausländischen Bibliotheken den gleichen Bedingungen unterliegen, wie jetzt schon die japanischen Bibliotheken. Die KollegInnen der NDL berichteten darüber hinaus, dass das Bunkachô sehr überrascht gewesen sei über das Echo auf den öffentlichen Aufruf den Gesetzentwurf zu kommentieren. Von den ca. 400 eingegangenen Kommentaren sei gut die Hälfte aus dem Ausland gekommen und dabei sehr viele aus Deutschland. Die Wünsche und Bedürfnisse der Japanwissenschaft im Ausland wurden also dort sehr wohl wahrgenommen.

Während der Reise kam es außerdem zu einem Treffen mit Vertretern der Ôtsukakai (Ôtsuka-Vereinigung). Ôtsuka Kinnosuke (大塚金之助, 1892-1977)  war ein Wirtschaftswissenschaftler marxistisch-leninistischer Prägung an der Hitotsubashi Universität, der sich auch als Dichter einen Namen gemacht hatte. Zwischen 1962 und 1985 ließen Prof. Ôtsuka beziehungsweise seine Witwe der Deutschen Staatsbibliothek in Ost-Berlin sechs Schenkungen mit mehreren tausend japanischen Büchern und Zeitschriftenheften zukommen, die dort gesammelt als die so genannte „Bibliothek Otsuka“ aufgestellt wurden. Diese Sondersammlung befindet sich heute in der Verwaltung der Ostasienabteilung. Die Ôtsukakai widmet sich der Pflege des Andenkens an Leben und Werk von Prof. Ôtsuka. Unter den Mitgliedern sind auch noch einige seiner ehemaligen Schüler.

Tôkyô Universität, Container mit Büroräumen neben der im Umbau befindlichen zentralen Universitätsbibliothek (Staatsbibliothek zu Berlin-PK/Ursula Flache)

Schließlich hatte Frau Flache noch einen Termin zur Besichtigung der Hauptbibliothek der Tôkyô Universität. Diese wird derzeit im Rahmen des „New Library“-Projekts umfassend umgebaut und renoviert. Die automatische Regalanlage im neuen Tiefmagazin ist bereits fertig gestellt und der ebenfalls neu eingerichtete so genannte Library Plaza, ein in hellem Holz ausgekleideter, kreisförmiger Gruppenarbeitsraum, wird während der laufenden Umbauphase noch als Lesesaal für die Stillarbeit genutzt. Nach der Renovierung sollen in der obersten Etage des Bibliotheksgebäudes die Asien-Bestände sämtlicher Teilbibliotheken der Tôkyô Universität vereinigt werden und als zentrale Arbeits- und Forschungsbibliothek dauerhaft zur Verfügung stehen. Die dafür notwendigen Vorbereitungen erfolgen im Rahmen des „Uehiro Project for the Asian Research Library“, zu welchem Frau Flache eine Einführung erhielt.

Auf Informations- und Beschaffungsreise in Beijing, Shanghai und Haikou

Vom 17. bis zum 28. Oktober unternahm Frau Dr. Cordula Gumbrecht eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Informations- und Beschaffungsreise nach China. Es wurden Gespräche mit unseren Lieferanten China International Book Trading Corp. (CIBTC) und Beijing Zhenben Technology Co.Ltd. geführt zu technischen Details hinsichtlich der im Rahmen des FID neu zu entwickelnden Services sowie dem Anbieter der e-books-Plattform cnpereading, China National Publications Import & Export(Group) Corporation (CNPIEC)., die derzeit zum Testen für CrossAsia zur Verfügung steht.

Auf Einladung von Herrn Gu Qing 顾青, Chefherausgeber des Verlags Zhonghua Shuju 中华书局, konnte die verlagseigene Bibliothek besichtigt werden, die seit Gründung des Verlags im Jahr 1912 besteht, in erster Linie den Lektoren zu Recherchezwecken zur Verfügung steht, bei Bedarf aber auch an Forscher ausleiht, und zu deren Beständen u.a. eine beachtenswerte Sammlung Minguo-zeitlicher Werke gehört. Mit Herrn Gu Qing wurden die Rahmenbedingungen für eine geplante gemeinsame Katalogpublikation erörtert.

In der Bibliothek des Verlags Zhonghua Shuju Bild: Staatsbibliothek zu Berlin, Cordula Gumbrecht (CC-BY-NC-SA)

Weitere gemeinsame Publikationsprojekte sowie die technische Umsetzung einer Kooperation im Bereich der Katalogisierung von chinesischen Rara-Beständen der Staatsbibliothek waren Thema bei einem Treffen mit dem Stellvertretenden Generaldirektor der Chinesischen Nationalbibliothek, Herrn Zhang Zhiqing 张志清, dem Direktor der Abteilung für internationale Kooperation, Herrn Zhang Xu , 张煦, sowie der Chefherausgeberin und Stellvertretenden Direktorin des Verlags der Nationalbibliothek Guojia Tushuguan Chubanshe 国家图书馆出版社, Frau Yin Mengxia 殷梦霞.

Im Lesesaal der National Library of China Bild: Zhongguo Guojia Tushuguan

Im Lesesaal der National Library of China Bild: Zhongguo Guojia Tushuguan

An der Fudan-Universität in Shanghai konnte die vom dortigen Department of History 复旦大学历史学系sowie dem Editorial Office der Zeitschrift  Jindaishi yanjiu近代史研究 (“Modern Chinese History Studies“)  veranstaltete Tagung Haiwai jinxiandai Zhongguoyanjiu shiliao de shoucang, zhengli yu yanjiu. Guoji xueshu yantaohui海外近现代中国研究史料的收藏、整理与研究. 国际学术研讨会(„International Conference on the Collection and Use of Overseas Chinese Resources”) http://www.duxuan.cn/doc/27268454.html besucht werden. Teilnehmer waren u.a. Vertreter aus europäischen und asiatischen Bibliotheken bzw. Forschungseinrichtungen, wie Uchida Keiichi 内田庆市 von der Kansai University, der über seine neuesten Entdeckungen von Dokumenten für die Erforschung des Chinesischen referierte (新见域外汉语研究资料) und Clara Yu Dong 余东von der Biblioteca Apostolica Vaticana (罗马梵蒂冈图书馆) mit einem Vortrag über die chinesische Sammlung dortselbst (梵蒂冈图书馆中国历史文献的收藏和整理现状). Sergey Vradiy berichtete über die beachtenswerte Sammlung chinesischer und manjurischer Rara in der Bibliothek der Russia Academy of Sciences Far Eastern Branch in Vladivostok (俄罗斯远东图书馆中国文献:海参崴东方研究所的遗产), ehemals Oriental Institute, Vladivostok, die dort seit Gründung des Instituts im Jahr 1899 systematisch in Buchhandlungen bzw. bei Forschungsreisen vor allem in Nordchina (beispielsweise 1901 durch Apollinariy V. Rudakov in der Palastbibliothek in Mukden) für Forschungs- und Lehrzwecke erworben wurden und von denen sich heute – nach Transfers  an die Bibliothek des Oriental Department der St. Petersburg University im Jahr 1903 bzw. an das Institute of Oriental Studies der USSR Academy of Sciences in Leningrad im Jahr 1935 – noch 2 bis 3.000 Bände in Vladivostok befinden. Chang Che-chia 張哲嘉vom Institute of Modern History der Academia Sinica, Taiwan, nutzte die Gelegenheit der Tagung, die seitens des Archivs der Academia Sinica fertiggestellte Datenbank Jindaishi shuwei ziliaoku 近代史数位资料库vorzustellen (中研院近史所档案与史料的数字经验). Cordula Gumbrecht hielt einen Vortrag über die chinesische Sammlung sowie die Digatalisierungsprojekte der Ostasienabteilung (柏林国家图书馆东亚部: 收藏古籍及整理数字化编目近况).

Teilnehmer der („International Conference on the Collection and Use of Overseas Chinese Resources”. Bild: Fudan University Department of History

Teilnehmer der („International Conference on the Collection and Use of Overseas Chinese Resources”. Bild: Fudan University Department of History

In Haikou konnte der Verlag Hainan Chubanshe 海南出版社 besucht und Einblick in das Verlagsprogramm gewonnen werden. An der Bibliothek der Hainan Shifan Daxue 海南师范大学hielt Cordula Gumbrecht einen Vortrag zu den Projekten und Services der Ostasienabteilung. Eine Führung durch das Rara-Magazin der Bibliothek gewährte Einblick in die dortige beachtliche Spezialsammlung örtlicher,  im Privatdruck hergestellter, Familiengenealogien.

Wenn einer eine Reise tut … auf Fortbildung in Japan

Im Januar 2016 veranstaltete die National Diet Library (NDL), Tokyo, eine Fortbildung speziell für Japan-BibliothekarInnen (http://www.ndl.go.jp/en/publication/ndl_newsletter/205/20506.html), bei der auch das CrossAsia-Team vertreten war. Das Programm fand an der Zweigstelle der NDL in der Kansai-Region, dem Kansai-kan, statt und bestand aus vier Tagen mit Schulungen im Kansai-kan selbst und vier Tagen mit Besichtigungen. Die Mehrheit der zwölf TeilnehmerInnen stellten mit acht Personen die USA. Darüber hinaus waren Frankreich, Italien, Südkorea und Deutschland mit je einer KollegIn vertreten.

Das Kansai-kan wurde 2002 eröffnet und war ursprünglich als zusätzliches Magazin zum Haupthaus in Tokyo gedacht, aber inzwischen sind weitere Abteilungen dort angesiedelt, die u.a. die Sammlung in asiatischen Sprachen und die Weiterentwicklung der digitalen Dienste betreuen. Das Gebäude des Kansai-kan besticht durch seine luftige, von Glas dominierte Architektur. Die oberen vier Etagen des Quaders mit den Büroräumen ragen überirdisch heraus, während der Publikumsbereich mit dem Lesesaal sowie drei Etagen mit fußballfeldgroßen Magazinen unter der Erde versteckt sind. Ein unterirdischer Lesesaal klingt vielleicht dunkel und wenig attraktiv, aber dank zweier mit zahlreichen Bäumen bewachsener Innenhöfe hat der Lesesaal eine helle, freundliche Atmosphäre.

Kansai-kan der NDL

Kansai-kan der NDL

Der Unterricht an der NDL diente vor allem dazu, die online verfügbaren Angebote der NDL besser kennenzulernen und sich Tipps & Tricks rund um die Recherche anzueignen. Wussten Sie schon, dass das gleiche Suchstichwort im OPAC der NDL, der NDL Search und den Digital Collections durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann? Das liegt unter anderem daran, dass die Inhaltsverzeichnisse von digitalisierten Werken nur in der NDL Search und den Digital Collections enthalten sind, wohingegen Zeitschriftenartikel, die die NDL in erheblichem Umfang auswertet, nur bei der Suche im OPAC erfasst werden. Es lohnt sich also, alle drei Datenbanken abzugrasen. Ein anderer nützlicher Tipp betrifft die Suche nach Einworttiteln wie der Zeitschrift Sekai 世界 im OPAC. Die Lösung lautet, in der ausführlichen Suchmaske die Funktion Browse/検索語一覧 zu wählen. Das reduziert die Anzahl der relevanten Treffer auf eine handhabbare Größe.

Angesichts des Umfangs der Homepage der NDL ist es nicht einfach, den Überblick über all die Angebote zu behalten. Die Seite der Online Gallery/電子展示会 (http://www.ndl.go.jp/en/gallery/index.html) lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Sämtliche Ausstellungen zu Themen wie den japanisch-holländischen Beziehungen in der Edo-Zeit oder zur Entstehung der japanischen Verfassung sind komplett auf Japanisch und Englisch aufbereitet und somit auch für Studierende ab dem ersten Semester nutzbar. Mit Research Navi (http://rnavi.ndl.go.jp/rnavi/english.php) hat die NDL außerdem ein hervorragendes Tool aufgebaut, das nicht nur ausführliche Informationsseiten, z.B. zu japanischen statistischen Daten, enthält, sondern auch eine Linksammlung zu den Geisteswissenschaften bietet und wie ein Discovery System für die Recherche mit Stichworten genutzt werden kann.

Weitere Sessions zu Themen wie Suchtechniken im Auskunftsdienst, Inhalte und Benutzung der Digital Collections, Nutzung der Fernleihkomponente sowie ein Vortrag von Frau ISHIGAMI Aki (Nichibunken) zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt mit der British Library zu japanischen erotischen Holzschnitten (shunga) und zwei Treffen zum Meinungsaustausch mit den KollegInnen der NDL rundeten das Programm ab.

Die Besichtigungen umfassten vier sehr unterschiedliche Einrichtungen in der Umgebung des Kansai-kan. Das Kyôto International Manga Museum / 京都国際漫画ミュージアム (http://www.kyotomm.jp/) ist, obwohl man dort nichts ausleihen kann, eine Mischung aus Bibliothek und Museum.

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Kyôto International Manga Museum

Neben der Dauerausstellung zu japanischen Comics (manga) präsentieren regelmäßige Sonderausstellungen einzelne Künstler, Genres oder deren historische Vorläufer. In kleinen Themenbereichen wird außerdem über internationale Comics oder manga in verschiedenen Kontexten informiert. Das Besondere ist, dass man viele Ausstellungsstücke in die Hand neben darf. Und da die Beschriftung durchgehend auf Japanisch und Englisch gehalten ist, kommen auch internationale Besucher ohne Sprachkenntnisse auf ihre Kosten. Erwähnenswert ist ferner die so genannte „wall of manga / manga no kabe“, Buchregale über alle drei Stockwerke mit ca. 50.000 Bänden an japanischen Comics in Freihandaufstellung, die jeden verfügbaren Zentimeter Wand bedecken und zum Schmökern einladen. Für die Benutzung der kleinen Fachbibliothek des Museums ist eine Voranmeldung sehr empfehlenswert (der Eintritt ins Museum muss ebenfalls entrichtet werden), denn der Leseraum hat nur zehn Plätze, die heiß begehrt sind. Es sei nicht verschwiegen, dass die Bestände der Bibliothek nicht im OPAC nachgewiesen sind und es keinen Kopierer gibt, aber dafür steht jede Menge Forschungsliteratur griffbereit im Regal.

Bekanntermaßen verfügt die Tenri Central Library /天理図書館 (http://www.tcl.gr.jp/index.htm) über eine hervorragende Sammlung an vormoderner Literatur aus Japan, China und Korea, darunter sechs Nationalschätze und 85 bedeutende Kulturgüter. Zu den Glanzstücken zählen z.B. eine Reihe so genannter kirishitanban, früher Drucke der Jesuiten-Mission in Japan sowie Originalmanuskripte von Autoren, wie Natsume Sôseki (1867-1916) oder Mori Ôgai (1862-1922). Das Gebäude, welches dem Vorbild der Bibliothek der University of Minnesota nachempfunden ist, stammt aus dem Jahr 1930 und umfasst auch einen kleinen Ausstellungsraum, in dem dauerhaft einige der berühmten Stücke im Original oder als Replik zu sehen sind. Insgesamt verfolgt die Tenri Central Library eine eher konservative Benutzungspolitik: Die von ihr erstellten Digitalisate sind nur vor Ort nutzbar und für die Bestandsrecherche müssen neben dem OPAC und dem Verbundkatalog Cinii Books auch gedruckte Verzeichnisse herangezogen werden. Außer der Besichtigung umfasste der Besuch in Tenri eine Buchbindeübung, die den TeilnehmerInnen die Feinheiten der japanischen Fadenheftung näher bringen sollte.

Die Japan Foundation Japanese-Language Institute, Kansai, Library / 国際交流基金関西国際センター図書館 (http://www.jfkc.jp/ja/library/) dient der Unterstützung der bis zu 500 Personen, die jedes Jahr an den verschiedenen Programmen des Sprachlehrinstituts für Diplomaten, Studierende, BibliothekarInnen und MuseumskuratorInnen teilnehmen. Da es sich bei der Mehrzahl der KursteilnehmerInnen um AnfängerInnen handelt, stehen dementsprechend Lehrmaterialien, Wörterbücher und Lexika, zweisprachige Bücher zu Japan, Übersetzungen japanischer Literatur in allen Sprachen sowie einfache Fachbücher im Mittelpunkt der Sammlung. Aktivitäten wie kleine monatliche Ausstellungen oder auf die Vortragsveranstaltungen abgestimmte Themenregale locken die KursteilnehmerInnen in die Bibliothek.

Das Nichibunken, oder vielmehr der International Research Center for Japanese Studies / 国際日本文化研究センター(http://www.nichibun.ac.jp/ja/), ist in der japanologischen Welt ein Begriff.

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Lesesaal der Bibliothek des Nichibunken

In dieser Einrichtung setzen sich japanische und ausländische WissenschaftlerInnen gemeinsam intensiv mit der Kultur Japans auseinander und zahlreiche Forschungsergebnisse werden in Form von Datenbanken oder digitalen Archiven über die Webseite allgemein verfügbar gemacht. Die Sammlung der dortigen Bibliothek spiegelt somit die unterschiedlichen Forschungsinteressen wieder und reicht von Literatur zu Monstern und Geistern über historische Fotos, Landkarten und Schellackschallplatten bis hin zu modernen Anime auf DVD. Im runden Lesesaal überrascht die Info-Theke mit einem niedlichen Holzdach, das skandinavisches Flair verbreitet. Mit Ausnahme des Rara-Magazins ist die komplette Bibliothek den WissenschaftlerInnen über eigene Schlüssel 24/7 zugänglich, aber nach Voranmeldung steht die Sammlung auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Auf Informations- und Beschaffungsreise in Beijing, Shanghai und Hangzhou

Besuch einer Sonderausstellung in der Chinesischen Nationalbibliothek in Beijing

Besuch einer Sonderausstellung in der Chinesischen Nationalbibliothek in Beijing

Vom 16. bis zum 30. Oktober unternahm Frau Dr. Cordula Gumbrecht eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Informations- und Beschaffungsreise. In Beijing führte Frau Gumbrecht u.a. Gespräche mit dem Stellvertretenden Generaldirektor der Chinesischen Nationalbibliothek, Herrn Zhang Zhiqing 张志清, zu den Möglichkeiten der zukünftigen Kooperation im Bereich der Katalogisierung und Digitalisierung von chinesischen Rara-Beständen der Staatsbibliothek. Mit unseren in Beijing ansässigen Lieferanten China International Book Trading Corp. (CIBTC) und Beijing Zhenben Technology Co.Ltd. erörterte Frau Gumbrecht Fragen der Optimierung von Erwerbung und Bearbeitung chinesischsprachiger Literatur auch im Hinblick auf die zukünftigen Erfordernisse im Rahmen des FID. In Hangzhou traf Frau Gumbrecht den Vizedirektor der China Academic Digital Associative Library (CADAL), Herrn Huang Chen 黄晨, sowie die stellvertretende technische Direktorin, Frau Xu Haiyan 徐海燕 , zu einem Informationsaustausch hinsichtlich der Inhalte und technischen Rahmenbedingungen der zukünftigen Zusammenarbeit. Mit CADAL hatte die Staatsbibliothek 2013 ein Kooperationsabkommen (“On the Preservation, Conservation, Digitisation and Sharing of Ancient and Rare Collections between Zhejiang University Library and the Staatsbibliothek zu Berlin”) unterzeichnet. Bei einem Besuch des seit jüngster Zeit auch international im Bereich des Vertriebs tätigen Verlags der Zhejiang University, Zhejiang Daxue Chubanshe 浙江大学出版社, gewann Fr. Gumbrecht Einblick in das Programm des Verlages, seine Aktivitäten im e-book-Segment sowie den Produktionsprozess für die sehr publikumswirksame Veröffentlichung von Prachtbänden zur Song-zeitlichen Malerei aus mehr als 100 Museen weltweit, Songhua quanji 宋画全集 , sowie ähnlich ausgerichtete Projekte des Verlags.

International Archaeology Conference on Steppe Silk Road

Auf der Tagung International Archaeology Conference on Steppe Silk Road in Beijing

Ein Gruppenfoto von der International Collector’s Conference on Collecting and Preserving Rara

Ein Gruppenfoto von der International Collector’s Conference on Collecting and Preserving Rara

Während der Reise konnten zudem zwei Tagungen besucht werden, zum einen die vom Department of Archaeology and Museum Studies 考古文博系 der Renmin Daxue 人民大学 in Beijing organisierte International Archaeology Conference on Steppe Silk Road, 草原丝绸之路考古国际学术研讨会, die Gelegenheit zum Austausch mit auch aus Xinjiang 新疆 angereisten Archäologen und u.a. eine Präsentation der neuesten Literatur zum Thema bot, zum anderen in Shanghai die von dem jüngst gegründeten Chinese Ancient Books Preservation and Conservation Institute 中华古籍保护研究院 der Fudan Daxue 复旦大学organisierte International Collector’s Conference on Collecting and Preserving Rara, 国际藏书家古籍收藏与保护研讨会. Teilnehmer waren u.a. der europäische Sammler und Antiquar, Christer von der Burg (Han-Shan Tang) mit einem Vortrag zu chinesischen Büchern in europäischem Gewand, Sören Edgren (Rare Book School, Princeton University), der über die japanischen Ursprünge dreier chinesischer Rara sprach, sowie diverse chinesische Sammler, wie z.B. der Huozi 活字(„Bewegliche Lettern“)–Spezialist Ai Chunjuan 艾俊川 mit einem Vortrag zur Problematik des Begriffes tongban 铜版 „Kupferdruck“ in der chinesischen Druckgeschichte oder auch der wohl bekannteste Privatsammler Chinas, Wei Li 韦力, mit einer mehr als 8.000 Titel umfassenden Rara-Sammlung, der über die Katalogisierung derselben sprach. Ein Höhepunkt der Tagung war die Präsentation hochkarätiger Stücke aus den Privatsammlungen der chinesischen Tagungsteilnehmer, wie z.B. ein Tang-zeitliches Manuskripts eines Almanachs (Tang Qianning sinian lishu 唐乾寧四年[=897]曆書), geschrieben auf der Verso-Seite eines buddhistischen Sutrentextes aus der Nanbeichao 南北朝-Ära, ein Heft eines frühen Song-zeitlichen Druckes einer kommentierten Ausgabe des Shangshu (Zuantu huzhu Shangshu 纂圖互注尚書, weitere Hefte selbiger Ausgabe finden sich in der Nationalbibliothek in Beijing) oder ein (beeindruckend großformatiger) Ming-zeitlicher Blockruck einer Familiengenealogie (Hengtian Hushi zupu 橫田胡氏族譜) aus dem Jahr 1461.